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Podiumsdiskussion zum Thema „Hygienic Design in Automation“

| Redakteur: Frank Jablonski

PROCESS moderierte auf dem Forum Interkama+ eine Podiumsdiskussion zum Thema „Hygienic Design in Automation“. Die Teilnehmer vermittelten Stand und Trends, aktuelle Problemstellungen und Lösungsansätze in den Branchen Pharma und Lebensmittel.

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Moderiert wurde die Podiumsdiskussion vom stellv. Chefredakteur und Online CvD, Frank Jablonski.
Moderiert wurde die Podiumsdiskussion vom stellv. Chefredakteur und Online CvD, Frank Jablonski.
( Archiv: Vogel Business Media )

Bei kaum einem Thema herrscht größere Übereinstimmung der Menschen: Die Toleranz bei Produkten, Fehler zu akzeptieren sinkt proportional je näher sie unserem Körper kommen. Zu Recht, denn die Auswirkungen von verunreinigter Nahrung oder Medizin schaden dem höchsten Gut: der Gesundheit. Auf der anderen Seite ist der Druck, kostengünstig zu produzieren, in jeder Branche vorhanden. In diesem Spannungsfeld bewegt sich das Thema Hygienic Design in Automation zu dem im Rahmen des Forums Interkama+ Vertreter aus Zulieferbranche, Anwender und Anlagenplaner sowie dem Verband ZVEI diskutierten.

Bedeutung von Hygienic Design nimmt zu

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Auf dem Podium vertreten war Dr. Markus Winzenick, seit 2001 technischer Referent im ZVEI-Fachverband Automation. Neben der Betreuung technisch-orientierter Arbeitskreise im Bereich Prozessautomatisierung ist er für die Koordinierung und Bearbeitung übergreifender technischer Themenfelder im Fachverband Automation zuständig. So war er seitens des ZVEI Projektleiter bei der Erstellung der „Integrierten Technologie-Roadmap Automation 2015+“, in der auch wichtige Trends für die Automatisierungstechnik im Zusammenhang von Hygenic Design herausgearbeitet wurden.

Aus seiner Sicht wird das Thema Hygienic Design wichtiger - quer durch alle Branchen. Während das Thema in der Pharma- und Kosmetikindustrie und in der Biotechnik von Grund auf eine wesentliche Rolle spiele, um überhaupt das gewünschte Produkt produzieren zu können (hier werden Verunreinigungen in Parts per Million gemessen), sei die Triebfeder in der Lebensmittelindustrie der Kostendruck: Umrüstzeiten und Reinigungsprozesse müssten optimiert werden, um konkurrenzfähig produzieren zu können. So gewinnt das Thema Hygienic Design enorm an Bedeutung, um Reinigungszeiten zu minimieren.

Produkte müssen hygienegerecht gestaltet werden

Klaus Thornagel brachte ale weiterer Teilnehmer seine Erfahrungen als Marketingleiter Wägetechnik bei Sartorius ein. Er beschrieb Beispiele aus seinem Schwerpunktthema, den „regulierten Industrien“. „Wenn schon Flüssigkeiten in einen Bereich eindringen können, dann muss das Gerät so gestaltet sein, dass der Anwender leicht Zugriff darauf hat, um diese zu entfernen und den Bereich reinigen zu können“, forderte er am Beispiel einer hygienegerecht gestalteten Industriewaage.

Seiner Erfahrung nach herrscht in der Lebensmittelindustrie im Gegensatz zur Pharmaindustrie noch eine große Kompromissbereitschaft bezüglich der Beschaffungskosten. Von Zulieferern werde aber immer häufiger verlangt, selbst sehr saubere Produktionsbetriebe zu unterhalten.

Anforderungen sollten vereinheitlicht werden

Wolfgang Stüber, ABB Automation Products, ist seit 1977 in der Automatisierungsbranche tätig und konnte Erfahrungen sammeln im Bereich Systemtechnik/Leittechnik für den Bereich Chemie und später unter der Flagge von Elsag Bailey und Hartmann & Braun als Branchenmanager Instrumentierung Nahrungsmittelindustrie. Mit der Übernahme gehörte er nun ABB Automation Products an und ist hier Profi für Messinstrumente der genannten Branche. Als Hersteller von Messinstrumenten müssen EHEDG/3A zusammen wachsen, da nicht für gleiche Messaufgaben im Pharma- oder Nahrungsmittelbereich unterschiedliche Gerätestandards eingesetzt werden sollten.

Gefragt nach der Übertragbarkeit von übergeordneter Automatisierungstechnik auf die Lebensmittelindustrie sagt er auf dem Podium: „Hier sehe ich noch einen langen Weg vor uns liegen. Zu unterschiedlich sind noch die Anforderungen.“

Hermetisch dichte Verfahren erlauben einen lockereren Umgang

Wolfram Gstrein, Geschäftsführer der deutschen VTU-Engineering mit Sitz im Industriepark Höchst hat nicht nur die räumliche Nähe zu Chemie und Pharma - auch die tägliche Arbeit beschäftigt sich mit den Anforderungen dieser Branche. Ausgehend vom Studium der Verfahrenstechnik bearbeitete er mehrere Jahre als Projektingenieur und Projektleiter verschiedene Anlagenplanungsprojekte in der Generikaherstellung. Im Rahmen der Podiumsdiskussion berichtete er von den Anforderungen und Vorgehensweisen: „Die Anforderungen in der Pharmaindustrie sind sehr hoch und müssen schon bei der Grundkonzeption berücksichtigt werden. Automatisierte Reinigbarkeit der geschlossenen Systeme ist sehr wichtig, ebenso wie die Dokumentation aller Vorgänge.“ In einem Punkt widersprach er einer gängigen Meinung: „Ich glaube nicht, dass die Forderung nach einer extrem sauberen Umgebung bei geschlossenen Produktionen sehr sinnvoll ist. Das Verfahren muss hermetisch dicht sein, übertreiben muss man die Reinlichkeit in der Umgebung dann nicht mehr.“

Tim Schrodt, Endress+Hauser, war Vorsitzender der EHEDG-Untergruppe „Sensoren“ und gab Einblicke in die Aufgaben, denen sich ein Messgerätehersteller für die Lebensmittel-, Chemie- und Pharmaindustrie stellen muss: „Aus unserer Sicht wäre es wünschenswert, die hygienischen Normen und Richtlinien zusammen zu führen. Wir haben mit extrem vielen verschiedenen Ausführen zu tun, was die Arbeit aufwändiger macht.“

Zulieferer müssen Hygiene-Standards einhalten

Als einzige Frau auf dem Podium steuerte Elsa Huen, Deutsche See, die Sichtweise der Lebensmittelindustrie zu. Elsa Huen ist verantwortlich für die Qualitätssicherung bei Deutsche See. Ihre Hauptaufgabe liegt darin, die Zulieferer der Rohware zu auditieren - eine große Herausforderung bei mehreren hundert Betrieben mit sehr unterschiedlichen hygienischen Ansprüchen. „Da wir offene Prozesse haben ist die Umgebung der Produktion extrem wichtig. Immer wieder fällt es bei Kontrollen auf, dass rostige oder farbabblätternde Geräte in der Nähe der Produktion stehen. Hier wirken wir intensiv auf unsere Zulieferer ein, die Hygiene-Standards einzuhalten.“

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