Europäische Pharmastrategie Pharmaverbände fordern mehr Mut bei Umsetzung der europäischen Arzneimittelstrategie

Redakteur: Alexander Stark

Die Europäische Kommission hat am 25. November 2020 ihre Arzneimittelstrategie für Europa vorgelegt. Sie will damit Patientinnen und Patienten den Zugang zu innovativen und erschwinglichen Arzneimitteln garantieren und die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit sowie die Nachhaltigkeit der EU-Arzneimittelindustrie unterstützen. Die Pharmabranche reagierte verhalten auf die Pläne.

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Die EU-Pharmastrategie soll eine krisenfeste Arzneiversorgung sichern.
Die EU-Pharmastrategie soll eine krisenfeste Arzneiversorgung sichern.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Brüssel – Die nun von der Europäischen Kommission vorgelegte Arzneimittelstrategie soll es Europa ermöglichen, seinen Arzneimittelbedarf – auch in Krisenzeiten – durch solide Lieferketten zu decken. Wie die Kommissionspräsidentin von der Leyen erklärte, habe die Covid-19-Pandemie deutlich gemacht, dass die europäischen Gesundheitssysteme dringend gestärkt werden müssten. Dazu würde auch der Zugang zu sicheren, wirksamen und hochwertigen Arzneimitteln zu erschwinglichen Preisen zählen.

Die Strategie enthält Maßnahmen zur Gewährleistung der Zugänglichkeit, Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit von Arzneimitteln. Sie soll diversifizierte und sichere Lieferketten sichern, die offene strategische Autonomie der EU in der Welt garantieren und ökologisch nachhaltige Arzneimittel fördern. Zur Umsetzung der Arzneimittelstrategie legt die Kommission eine Agenda mit legislativen und nichtlegislativen Maßnahmen vor, die sie in den kommenden Jahren anstoßen will.

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie reagierte in einer ersten Stellungnahme zurückhaltend auf die vorgelegte Strategie. Die Pharmastrategie müsse die formulierten Ziele auch weiterhin mit Augenmaß und im Dialog mit den Stakeholdern umsetzen, teilte der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie mit. Die Standortstärkung muss laut BPI-Hauptgeschäftsführer Dr. Kai Joachimsen dabei Priorität haben.

Grundsätzlich begrüßte Joachimsen die Zielstellung der Europäischen Kommission, die Pharmaindustrie in ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Wenn es aber um Vorschläge für verbesserte Rahmenbedingungen gehe, die das Potential hätten, den Wirtschaftsstandort Europa zu stärken, bleibe die Kommission leider weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. So sei etwa die Verhinderung von Lieferengpässen weit weniger priorisiert worden, als erwartet. Hier wünscht sich der Verband konkrete Lösungsansätze und habe auch bereits zahlreiche Vorschläge eingebracht.

Auch der Verband der forschenden Pharmaunternehmen Vfa forderte mehr Mut bei der Umsetzung der Pharmastrategie. Eine EU, die sich mit einer Vielzahl von Einzelmaßnahmen als supra-nationaler Reparaturbetrieb verstehe, greife zu kurz, so Vfa-Präsident Han Steutel. Es sei Zeit für eine Arzneimittelstrategie, die den Weg in die Zukunft weist. „Anders gesagt: Jetzt ist die Zeit, mutiger zu werden,“ so Steutel weiter. Die EU brauche langfristige Projekte wie eine nachhaltige Strategie für seltene Erkrankungen, die bei einmal getroffenen politischen Entscheidungen bleibe. Die Einführung einer europäischen Nutzenbewertung für Arzneimittel würde ebenso ein Zeichen setzen, wie die Schaffung eines gemeinsamen Gesundheitsdatenraums, sagte der Vfa-Präsident.

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