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Gemeinsam den Veränderungen entgegentreten
„Die Pharmaunternehmen bewegen sich vor allem Richtung Osten und die Zulieferfirmen müssen sich mit bewegen“, sagt Siegfried Drost, Geschäftsführer bei Uhlmann. Der weißhaarige Inhaber und Chef des Verpackungsspezialisten ist Sprecher einer strategischen Allianz von sechs mittelständischen Pharmazulieferern, die gemeinsam den neuen Zeiten entgegentreten wollen. Flankiert von seinen fünf Mitstreitern hat er auf der diesjährigen Interpack der versammelten Fachpresse Excellence United vorgestellt. Hinter dem neuen Namen verbergen sich sechs bekannte Apparatebauer, deren Maschinen vermutlich in keinem Pharmaunternehmen fehlen: Glatt, Fette Compacting, Bausch+Ströbel, Harro Höfliger, Visiotec und natürlich Uhlmann.
Der Impuls für die Zusammenarbeit komme aus dem Markt, sagt Drost. Bei zahlreichen Ausrüstungsprojekten in den vergangenen Jahren habe man sich die Klinke in die Hand gegeben. Jetzt wollen die sechs ihre Kompetenzen bündeln, entlang der Wertschöpfungskette Leistungen aus einer Hand anbieten und das Schnittstellenmanagement für den Kunden vereinfachen, der davon z.B. bei Turn-Key-Projekten profitieren soll. Seit Anfang 2011 schon gibt es gemeinsame Projektteams, und auf Projektebene soll auch die künftige Zusammenarbeit laufen – allerdings ohne finanzielle Verflechtungen. Auf gemeinsame Entwicklungen wollte sich Drost nicht festlegen lassen, denkbar sei eine gemeinsam entwickelte Bedienoberfläche, aber das sei momentan noch Zukunftsmusik.
Fest stehen allerdings die von Fette-CEO Olaf Müller formulierten Ziele der Allianz: „25 Prozent der Projekte wollen wir gemeinsam durchführen.“ Eventuellen Bedenken potenzieller Kunden, wer für ein Großprojekt einen Partner beauftrage, kaufe die anderen gleich mit, tritt Drost entgegen: „Wir drängen keinen, alle Mitglieder der Allianz einzubinden.“ Mangelndes Selbstbewußtsein kann man den sechs mittelständischen Familienunternehmen trotzdem nicht vorwerfen. Eine Allianz auf Premiumebene nennt Drost den strategischen Zusammenschluss und zieht den Vergleich zur Lufthansa-Gemeinschaft Star Alliance, in der ebenfalls die Besten zu finden seien. In kleinerem Umfang arbeiten einige Unternehmen bereits länger zusammen, wie z.B. Harro Höfliger und Uhlmann, die schon seit 1999 gemeinsame Projekte abwickeln und in der Schweiz ein Gemeinschaftsunternehmen betreiben.
Aber jetzt könnte die konzertierte Aktion ein Gegengewicht zu Unternehmen wie Bosch, Niro Pharma Systems oder Ima bilden, die über die letzten Jahre durch gezielte Zukäufe ihre Wertschöpfungskette vervollständigt haben. So wie zuletzt Bosch, das kurz vor der Interpack Oystar Hüttlin und Manesty gekauft hat. Die gesammelten Ressourcen der Allianz von immerhin weltweit 4800 Mitarbeitern brauchen jedenfalls den Vergleich nicht zu scheuen, und durch ein Service-Netzwerk von 600 Mitarbeitern sehen sich die sechs in der Lage, weltweit Support zu leisten und den Kunden auch in die Emerging Markets zu folgen. Schwerpunkt der Aktivitäten werden im Osten vor allem China und Indien sein, wo jüngst laut Olaf Müller die 101. FDA-Anlage an den Start gegangen sei.
Die Aufnahme neuer Mitglieder ist zurzeit nicht geplant, erst müssten sich die Strukturen angleichen und festigen, sagt Drost, aber man sei offen für weitere Unternehmen, die die Wertschöpfungskette ergänzen.
* Die Autorin ist Redakteurin bei PROCESS.
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