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Aus dem Leben eines Auditors

Mausstärke – Wo der Nager im Mehl liegt

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Wo liegt der Nager im Mehl?
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Wo liegt der Nager im Mehl? (Bild: ©amenic181 - stock.adobe.com; dedMazay - stock.adobe.com, [M]-Sahlmüller)

Vom Umgang mit Maus, Ratte und Co. – Über das Thema Schädlinge schweigt sich die Pharmabranche vornehm aus. Aber es gibt sie: verirrte Mäuse oder sechs- bzw. achtbeinige Krabbler, die ökologische Nischen in der Produktion besetzen. Unser Auditor lüftet jetzt das ewige Geheimnis, wie kreativ Arzneimittelbetriebe mit der Plage umgehen.

Pest Control – klingt nicht nur deutlich archaischer als Lenkung von Schädlingen, es trifft vor allem besser die Bandbreite der Methoden, die man z.B. in Indien findet. Weit verbreitet sind die „Mouse Boards“, Bretter, die waagrecht vor offenen Toren fixiert werden und die kein Nager dieser Welt überwinden kann – dummerweise ist der Boden darunter meist so uneben, dass Mäuse und Ratten ohne Probleme unter der Barriere durchschlüpfen können. Gerne gezeigt werden auch Klebefallen, in denen man auch schnell ‘mal einen seiner Schuhe verlieren kann.

Martialischer sind die Werkzeuge, über die man nicht spricht, beispielsweise die Schere, mit der Geckos halbiert werden, oder Verfahren, die man zu verheimlichen versucht und die man nur mitbekommt, wenn dem Facility Manager nicht mitgeteilt wurde, dass sich der Auditor auch nach Sonnenuntergang noch auf dem Werksgelände aufhält. Die Chemiekeule, die als knapp ein Meter hohe Wolke das Firmengelände bedeckt, dürfte beim Antrag auf den „Blauen Engel“ ähnliche Erfolgsaussichten haben wie „Agent Orange“.

Aber fassen wir uns doch einmal an die eigene Langnase. Wie sieht es in Europa zum Thema Pest Control aus? Wenn ein Arzneiträgerstoff betriebsintern unter „Mausstärke“ firmiert, kann sich der geneigte Auditor schon denken, wo dort der Nager im Mehl liegt. Michael Anisfields Story über die ISO-Schädlingsbekämpfungskatze(n) wird gerne bei Schulungen erzählt, um die Absurdität mancher Systeme aufzuzeigen. Ich kann die Geschichte bestätigen, ich war damals kurz nach ihm im selben Werk.

Südlich der Alpen findet man dann auch ‘mal merkwürdige Gerippe in den Nagerfallen – als Holsteiner kommt man da nicht sofort darauf; dass dies bis zur Gewichtskonstanz getrockneten Überreste von Eidechsen sind. Ich war ernsthaft in Versuchung zu diskutieren, wie weit man diese Reptilien in knapp vier Wochen bei um die 30 °C entfeuchten kann. Da wir uns aber schon bei den Fallen für die Fluginsekten ein Bild von der Performance des beauftragten Schädlingsbekämpfers machen konnten, habe ich darauf verzichtet, das Thema weiter zu vertiefen. In den Produktionsräumen hingen etwa einen Quadratmeter große Klebefolien, die alle vollflächig bedeckt waren. Der Akzeptanzbereich lag bei bis zu 50 Flug­insekten und wurde bis dahin noch nie überschritten; wahrscheinlich waren die Insekten in den Vormonaten und -jahren einfach größer und es reichten 49 handtellergroße Insekten, um die Folie zu be­decken und innerhalb des Akzeptanzkriteriums zu bleiben.

Ihr Karl Metzger

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