Forschungsprojekt iNEW Leuchtturmprojekt für klimafreundliche Verfahren nimmt wichtige Hürde

Redakteur: Alexander Stark

Wissenschaftler aus Jülich und von der RWTH Aachen entwickeln in einem ambitonierten Projek u.a. neue Technologien, um das klimaschädliche CO2 als Grundstoff für die nachhaltige stoffliche Wertschöpfung nutzbar zu machen. Die entwickelten Technologien sollen den produzierenden Unternehmen die Umstellung auf klimafreundliche Verfahren ermöglichen.

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V.l.: Prof. Rüdiger-A. Eichel, Thomas Rachel MdB, Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Marquardt, Prof. Dr. Andreas Pinkwart
V.l.: Prof. Rüdiger-A. Eichel, Thomas Rachel MdB, Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Marquardt, Prof. Dr. Andreas Pinkwart
(Bild: Forschungszentrum Jülich / Ralf-Uwe Limbach)

Jülich – Wie kann das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) industriell genutzt und im Strukturwandel zur Chance für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft im Rheinischen Revier werden? In dem Forschungsprojekt „Inkubator Nachhaltige Elektrochemische Wertschöpfungsketten“ (iNEW), das das Institut für Grundlagen der Elektrochemie des Forschungszentrums Jülich koordiniert, wird unter anderem an einer Antwort auf diese Frage gearbeitet. Nach erfolgreichem Start im Herbst 2019 konnten in einer ersten Projektphase die nötigen Rahmenbedingungen für die beteiligten Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft geschaffen werden, um gemeinsam Innovationen deutlich schneller als bisher in Richtung Marktreife zu entwickeln. Diese zweite Phase fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bis 2024 mit rund 24 Millionen Euro. Der Parlamentarische Staatssekretär im BMBF, Thomas Rachel MdB überreichte auf Burg Obbendorf die Förderurkunde. An der Feierstunde nahm auch NRW-Wirtschaftsminister Prof. Andreas Pinkwart teil.

iNEW arbeitet in enger Abstimmung mit dem nationalen Kopernikus-Projekt „Power-to-X“, bei dem herausgefunden werden soll, wie erneuerbare Energien stofflich gespeichert werden können und wie sie genutzt werden können, um aus CO2 verschiedene Grundchemikalien und synthetische Kraftstoffe herzustellen. Damit können in den Leitmärkten Energie, Chemie, sowie Transport & Verkehr klimaschädliche Energieträger auf fossiler Basis ersetzt werden: ein wichtiger Beitrag zur Reduktion der Treibhausgasemissionen und zur Umsetzung der Energiewende.

„Der Strukturwandel kann nur mit wissenschaftsbasierten Innovationen gelingen. Die entwickelten Technologien sollen unseren produzierenden Unternehmen die Umstellung auf klimafreundliche Verfahren ermöglichen. So verbinden wir effektiven Klimaschutz mit der Sicherung zukunftsfester Arbeitsplätze. Aus diesem Grund stellt das BMBF rund 24 Millionen Euro aus dem Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen für die Entwicklung und Anwendung dieser Zukunftstechnologie – hier bei uns im Revier – zur Verfügung“, sagte Forschungsstaatssekretär Thomas Rachel in der Feierstunde. NRW-Innovationsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart hob hervor: „Das Vorhaben iNEW 2.0 ist ein Leuchtturmprojekt im Rheinischen Revier. Aus der wissenschaftlichen Exzellenz des Forschungszentrums Jülich heraus entstehen wichtige Innovationen für eine klimaneutrale und wettbewerbsfähige industrielle Entwicklung. Damit trägt iNEW 2.0 entscheidend zur Schaffung von Wertschöpfung und zukunftsfähiger Beschäftigung in der Region bei und entfaltet gleichzeitig eine Strahlkraft als Vorbild weit über ihre Grenzen hinaus.“

„Als Keimzelle einer Innovations- und Technologieregion als auch als Beschäftigungsmotor für das Revier“ – so sieht Vorstandsvorsitzender Prof. Wolfgang Marquardt das Forschungszentrum Jülich im Strukturwandel. Dabei sei iNEW ein wesentlicher Baustein. „Die Aussagen des aktuellen IPCC Berichts zeigen uns deutlich, dass wir eine Neuausrichtung in Richtung einer klimaneutralen industriellen Wertschöpfungskette benötigen. Genau das leisten zukunftsfähige Power-to-X Technologien, die klimasensible Wertschöpfung nachhaltig ermöglichen, neue Arbeitsplätze schaffen oder bereits bestehende erhalten. Wissenschaftsbasierte Innovationen dieser Art strahlen als Leuchttürme weit über die Region hinaus.“ Das Forschungszentrum verstehe sich dabei als „Ankerpunkt“ für externe Partner aus Industrie oder Wissenschaft aus der Region.

Wissenschaftlicher „Kopf“ von iNEW ist Prof. Rüdiger Eichel, Direktor des Jülicher Instituts für Grundlagen der Elektrochemie. In seinem fachwissenschaftlichen Beitrag rückte auch er die Bedeutung des Projekts für die heimische Wirtschaft in den Vordergrund: „Damit die neuen Technologien schnell ihren Weg in die Anwendung finden und einen Beitrag zum Gelingen des Strukturwandels leisten können, bauen wir mit iNEW gemeinsam mit unseren Partnern aus der Wissenschaft, den vom Strukturwandel betroffenen Kommunen sowie der regionalen Wirtschaft eine offene Innovationsplattform auf.“ Das Projekt bringe Entwickler und Anwender der Technologien zusammen, so könnten die Erfahrungen der Nutzer direkt in die Entwicklung zurückfließen.

Neben der RWTH Aachen und dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, die als wissenschaftlicher Projektpartner eingebunden sind, arbeiten unter anderem die regional ansässigen Unternehmen Covestro Deutschland sowie RWE Power an dem Projekt mit.

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