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Kontinuierliches Tablettencoating

Konti-Upgrade für´s Tablettencoating

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Nach der Einführung des kontinuierlichen Modcos-Systems schließt Glatt gemeinsam mit Koopera­tionspartner Driam die Lücke zum kontinuierlichen Tablettencoating. Das kontinuierliche Driaconti-T-System ermöglicht ebenso wie Modcos eine vollständige Rückverfolgbarkeit jeder Tablette sowie die exakte und reproduzierbare Einstellung der Verweilzeit im Prozess.

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Integration von Modcos und Driaconti-T
Integration von Modcos und Driaconti-T
(Source: Glatt/Driam)

Kein Frage, die Kontiproduktion ist mittlerweile in der Pharmaproduktion fest etabliert. Doch bislang war nach der Tablettenpresse Schluss. Dosieren, Mischen, Granulieren und Verpressen – das war’s. Die Tablettenkerne wurden zwischengelagert und nach einer Relaxationszeit batchweise mit den gewünschten Überzügen versehen. Dann ging’s mit der ebenfalls kontinuierlichen Verblisterung weiter. Doch das hat sich in der Zwischenzeit geändert: Mittlerweile ist auch das Tablettencoating kontinuierlich.

„Der Wunsch nach der Integration kontinuierlich arbeitender Tablettenbefilmung wird mittlerweile häufiger an uns herangetragen“, berichtet Klaus N. Möller, Leiter Business Development Sales&Service bei Glatt in Binzen. Nach der Einführung kontinuierlicher Verfahren zur Nassgranulation, Wirbelschichtgranulation und -coating sowie der Direktverpressung will das Unternehmen deshalb nun eine der letzten Lücken in der kontinuierlichen Produktion mit Modcos schließen nämlich die zwischen Tablettenpresse und Blistermaschine.

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Grund genug für die Binzener ihr Modcos-System aufzurüsten und ein kontinuierliches Coatingsystem ergänzend zu integrieren.

Wer hat das nötige Konti-Know-how?

Die Suche nach einem geeigneten Technologiepartner war allerdings nicht ganz so einfach, denn kontinuierliche Coantingverfahren sind immer noch rar gesät und vielfach mit verfahrenstechnischen Nachteilen behaftet. Zum Teil seien die Systeme nicht ausgereift, berichtet Möller. Beim An- und Abfahren entstehen Verwurfmengen, die entsorgt werden müssen. Insbesondere die Verweilzeit der Tabletten im Prozess unterliegt zum Teil größeren Schwankungen. Die Rückvermischung beim Durchlauf führt dazu, dass die Tablettenkerne unkontrollierbar zu lange oder zu kurz in der Trommel verweilen und deshalb ungleichmäßig beschichtet werden. Dies führt gerade bei bei funktionalen Überzügen zu ungewünschten Varianzen der geforderten Freisetzungsprofile. „Wir haben gezielt nach einem strategischen Partner gesucht, mit dem wir die Integration eines kontinuierlichen Coatingverfahrens in die Modcos-Prozesskette vorantreiben können“, erzählt Möller. Und ganz wichtig: In dessen Anlage die beschriebenen Anforderungen gelöst werden konnten.

Fündig geworden sind die Binzener in Eriskirch am Bodensee. Hier beschäftigt sich der Anlagenbauer Driam bereits seit 1951 mit verschiedensten Coatingverfahren und bezeichnet sich heute selbst als Marktführer bei der Entwicklung von Spezial-Coatern in der Pharma- und Lebensmittelindustrie mit perforiert und unperforiert ausgeführten Trommeln. Basierend auf bestehenden Erfahrungen in der Lebensmittelbeschichtung hat Driam vor einigen Jahren für die Pharmaproduktion den „Driaconti-T pharma“ entwickelt, der laut Dr. Matthias Kruse, Vertriebsleiter bei Driam „eine erhöhte Aufmerksamkeit genießt“. Erste Projekte seien in den Abschlussgesprächen.

Der Takt macht den Unterschied

Der Clou des Systems: Die getaktete, kontinuierliche Befilmung der Tabletten. Konzipiert ist die Maschine als Durchlaufröhre mit einer zylindrischen Trommel. Zwischenwände unterteilen das System in einzelne Prozesskammern, die jeweils einem Teilschritt des Befilmungsprozesses entsprechen und die Charge in Minibatches portionieren. Der Transfer dieser Portionen von Sektor zu Sektor erfolgt über synchron betätigte Klappen in den Zwischenwänden. Bei einer Umdrehung öffnen sich die Zwischenwände und es entsteht eine Spirale, wodurch die Portionen dabei jeweils zeitgleich in die nächste Kammer befördert werden. Die Verweilzeit in den einzelnen Sektoren richtet sich nach der Art der Einlagen, der Prozessstruktur und der Befilmungsdicke und lässt sich frei gestalten. Sprühen und Trocknen erfolgen simultan während des Durchlaufs über die gesamte Länge der Trommel. Unterschiedliche Sprühlösungen können den verschiedenen Kammern zugeordnet werden, auch mehrlagige Lackfilme können in einem Durchlauf aufgebracht werden.

„Unsere Maschine vereinigt alle Vorteile der kontinuierlichen Herstellung und der Batch-Produktion mit allen Möglichkeiten der Rezepturvariation“, erklärt Kruse. Das Problem der Rückvermischung haben die Driam-Verfahrenstechniker durch einen Trick gelöst: Die Zwangsführung der Tabletten beim Kammerwechsel und die Aufteilung in Minichargen. Wie beim Modcos-System üblich, ist damit auch beim Driaconti-T die Rückverfolgbarkeit gewährleistet. Da die Tablettenbewegung ebenso wie der gesamte Prozess durchgehend kontrolliert werden, entstehen gleichmäßige Überzüge. „Wir haben gelernt, dass der Coater dank des Kammerkonzepts hinsichtlich der Rezepturen sehr flexibel ist sowie eine große Bandbreite an Durchsatz zulässt“, betont Kruse. Die Zusammenarbeit mit Glatt sehen beide Partner als echte Win-win-Situation. Glatt erhalte Zugang zu einer Best-in-Class Batch & Conti Technologie und die gemeinsamen Kunden von Driam profitierten von dem Know-how beider Firmen. Ein weltweit umspannendes Vertriebs- und Servicenetzwerk schafften eine perfekte Kundennähe mit Zugang zum Prozess-Know-how von Glatt.

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