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Katalysatorenhersteller Süd-Chemie ist für die Zeit nach dem Erdöl bestens gerüstet

| Autor/ Redakteur: Anke Geipel-Kern / Anke Geipel-Kern

Der Münchner Konzern Südchemie präsentiert sich als Unternehmen, das geschickt die Entwicklung von Katalysatoren mit moderner Verfahrenstechnik verschränkt.

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Katalysatoren für die Raffinerietechnik sind ein Bestandteil des Süd-Chemie-Portfolio. Bilder: Süd-Chemie
Katalysatoren für die Raffinerietechnik sind ein Bestandteil des Süd-Chemie-Portfolio. Bilder: Süd-Chemie
( Archiv: Vogel Business Media )

Süd-Chemie macht meist nicht viel Wirbel, wenn es um die eigene Publicity geht. Doch, als im Juli das 150-jährige Jubiläum anstand, übte sich selbst der sonst eher zurückhaltende Vorstandsvorsitzende Dr. Günter von der Au in Eigenlob. Grund genug dazu hat er allemal: Seit drei Jahren kann sich die Konzernleitung über ein zweistelliges Wachstum freuen.

2006 überschritt der Umsatz erstmals die Milliardengrenze, und auch die weiteren Ziele sind ehrgeizig. Bis zum Jahr 2010 wollen die Münchner den Umsatz auf 1,2 Milliarden Euro steigern, und das aus eigener Kraft.

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Der Spezialchemie-Konzern konzentriert sich auf zwei Kerngeschäfte: Katalysatoren und bentonitbasierte Adsorbentien. Seit dem Verkauf des Katzenstreugeschäftes im letzten Jahr legt von der Au den Schwerpunkt vor allem auf Industrieanwendungen. Große Hoffnungen setzt er in das Katalysatorengeschäft, das zurzeit etwas weniger als die Hälfte des Umsatzes bringt.

Katalysatoren sind nicht nur der Motor in der Chemieindustrie, sondern spielen auch für die Elektronik-, die Auto- und die Energieindustrie eine wichtige Rolle. Experten schätzen den weltweiten Katalysatorenmarkt auf zehn Milliarden US-Dollar. Entsprechend rosig sind die Prognosen für die Zukunft.

Zwar gibt es im Katalysatorenmarkt namhafte Konkurrenten, doch Dr. Hans-Joachim Müller im Vorstand seit April für das Katalysatorengeschäft verantwortlich, zeigt Selbstbewusstsein. „Kein Wettbewerber ist so breit aufgestellt wie Süd-Chemie.“ Tatsächlich machen Katalysatoren made by Süd-Chemie eine Vielzahl von Anwendungen möglich: Die Palette reicht von der Klebstoffherstellung über die Produktion von Düngemitteln bis zur Herstellung von Kunststoffbausteinen und Treibstoffen.

Auch die Feinchemie profitiert von den Süd-Chemie-Katalysatoren. Immerhin 25 Prozent des Umsatzes im Geschäftsbereich Katalyse entfallen auf dieses Geschäft. „Der Anteil ist steigend“, betont Müller.

Erdgas und Biomasse

Als wichtiges Zukunftsfeld hat die Konzernspitze die Suche nach Alternativen zum Erdöl identifiziert. „Wir wollen umweltverträgliche Lösungen für die Zeit nach dem Erdöl entwickeln“, erklärt der Konzernchef. Gas-to-Liquid, Coal-to-Liquid und Biomass-to-Liquid, unter diesen Stichworten firmieren die neuen Technologien, die übrigens auch im Mittelpunkt von „Defining the Future“ standen.

Schon zum dritten Mal fand die Konferenz statt, nach Bahrein und Shanghai diesmal in München, nur unweit des Lenbachplatzes in der die Konzernzentrale residiert. Fast 400 Verfahrensentwickler und Katalysatorenanwender diskutierten zwei Tage über aktuelle Entwicklungen in der Katalysatorenentwicklung. Katalysatoren, die aus Erdgas, Kohle oder Biomasse Benzin, Diesel und Kunststoffe erzeugen, haben die Münchner schon länger im Portfolio. Doch jetzt schlägt die Stunde der Umsetzung.

Vorzeigeprojekt bei der Erdgasverflüssigung ist zurzeit ein zehn Millionen Euro schweres Werk in Katar. Ab Ende dieses Jahres sollen hier Katalysatoren entstehen, die Erdgas in Kraftstoff sowie petrochemische Basis- und Zwischenprodukte verwandeln.

Mit dem bereits vor drei Jahren gegründeten Join-Venture Süd-Chemie Qatar W.L.L. das zwei lokale Partner integriert, ist der Münchner Konzern nicht nur der erste Katalysatorenhersteller in diesem Gebiet, sondern hat auch Gespür für einen unübersehbaren Trend bewiesen. Mittlerweile verlagern nämlich immer mehr Chemie- und Petrochemieunternehmen ihren Investitionsschwerpunkt in den Mittleren Osten.

Auch bei einer weiteren zukunftsträchtigen Technologie will Süd-Chemie vorne mit dabei sein: der Weißen Biotechnologie. Im Visier ist hier vor allem die Umwandlung von Biomasse in Treibstoff und Grundchemikalien. Noch ist die Bioraffinerie, die Dr. Markus Rarbach, Leiter der Biokatalyse der Süd-Chemie auf der Future-Konferenz in bunten Folien auf die Leinwand skizziert, Zukunftsmusik.

Doch die Entwicklung ist bereits angestoßen. Schon seit 2003 kooperieren die Münchner mit Choren, die in Freiberg eine Biomasseanlage betreibt in der Süd-Chemie-Katalysatoren das Synthesegas in Kraftstoffe oder Wasserstoff umwandeln. Und auch beim bayrischen Clusterprojekt „Industrielle Prozesse mit Biogenen Building Blocks und Performance Proteinen“ (IBP) ist man mit im Boot.

Ziel des ambitionierten Projekts: Lignocellulose-haltige Biomasse soll mithilfe der sequentiellen enzymatischen Hydrolyse (SEH-Verfahren) industriell nutzbar gemacht werden. Ganz aktuell ist ein Vorhaben, das die Biodiesel-Gewinnung aus Jatropha zum Ziel hat, und bei dem Süd-Chemie die Katalysatoren entwickelt.

Eine wichtige Konzern-Strategie ist die Kooperation mit Verfahrenstechnikanbietern, die Entwicklung des Katalysators ist eben nur die halbe Miete. Mehrwert entsteht erst in Kombination mit verfahrenstechnischem Know-how. Prominenteste Beispiele sind die Zusammenarbeit mit Lurgi und Linde sowie Uhde (EnviNOx-Verfahren, siehe PROCESS 9-07, S. 80).

Das von Lurgi entwickelte Megamethanolverfahren hält Müller für besonders zukunftsträchtig, und auch Lurgi glaubt, damit den künftigen Schlüssel-Rohstoff für C1-Bausteine in der Hand zu haben. Im ersten Schritt entsteht aus Kohle oder Erdgas Synthesegas, das katalysatorgesteuert zu Methanol umgesetzt wird.

Der zweite Schritt, das Methanol-zu- Propylen-Verfahren (MTP), nutzt die zeolithbasierten MTPROP-Katalysatoren, die den mehrstufigen Syntheseprozess von Methanol über Diethylether zu Propylen ermöglichen. Der kürzlich von Air Liquide gekaufte Konzern baut derzeit zwei Anlagen in China, die Ende 2008 je 500 000 Tonnen Propylen aus Kohle erzeugen sollen.n

Die Autorin ist Redakteurin bei PROCESS.E-mail: anke_geipel-kern@process.de

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Anke Geipel-Kern

Anke Geipel-Kern

Leitende Redakteurin PROCESS/Stellvertretende Chefredakteurin PharmaTEC, PROCESS - Chemie | Pharma | Verfahrenstechnik