BAVC-Konjunkturumfrage Jedes zweite Chemieunternehmen sieht seine Existenz gefährdet

Quelle: BAVC/ Arbeitgeberverband Chemie und verwandte Industrien für das Land Hessen e.V.

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Die wirtschaftliche Lage der Chemie- und Pharmabranche spitzt sich immer weiter zu: Jeder zweite Betrieb fürchtet aktuell um seine wirtschaftliche Existenz. Im Fokus stehen dabei neben der Versorgungssicherheit vor allem die Kosten für Gas und Strom. Vor diesem Hintergrund warnen die Arbeitgeber vor zu hohen Forderungen in den anstehenden Tarifverhandlungen.

Die wirtschaftliche Perspektive der Chemieindustrie hat sich im Jahresverlauf deutlich verschlechtert.
Die wirtschaftliche Perspektive der Chemieindustrie hat sich im Jahresverlauf deutlich verschlechtert.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

In einer aktuellen Umfrage des Bundesarbeitgeberverbands Chemie stehen zahlreiche Unternehmen vor einer existenziellen Bedrohung. Wenn die Preise für Energie auf dem jetzigen Niveau bleiben, stünde jeder fünfte Betrieb vor dem Aus. Vor allem Unternehmen aus dem industriellen Mittelstand mit 200 bis 1000 Beschäftigten wären hiervon betroffen.

Hinzu kommt, dass die Margen in der gesamten Branche unter Druck sind: Kaum einem Unternehmen gelingt es noch, steigende Preise vollständig an die Kunden weiterzugeben. Drei von vier Unternehmen konnten im September bestenfalls die Hälfte der eigenen Mehrkosten weiterreichen. Eine weitestgehende oder vollständige Weitergabe der hohen Energie- und Rohstoffpreise gelingt derzeit nur knapp sechs Prozent der Betriebe, also jedem 17. Unternehmen.

Entsprechend kritisch schätzen die Unternehmen ihre Lage ein: Im September bewerteten 46 % der Unternehmen die eigene wirtschaftliche Situation als „kaum befriedigend“ oder sogar „schlecht“. Seit Jahresanfang hat sich der Anteil der Betriebe mit einer negativen Beurteilung der Geschäftssituation damit mehr als verdoppelt. Der Blick nach vorne fällt noch düsterer aus: Sieben von zehn Unternehmen rechnen für die kommenden Monate mit einer weiteren Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage.

„Dieses Stimmungsbild ist mehr als ein Alarmsignal, es ist ein Hilferuf der gesamten Branche“, resümiert BAVC-Hauptgeschäftsführer Klaus-Peter Stiller. „Die Politik muss so schnell wie möglich Maßnahmen aufsetzen, die Standort und Beschäftigung stabilisieren. Vor allem brauchen wir Planungssicherheit durch einen Schutz gegen die Kostenlawine bei Strom und Gas. Was dort aktuell passiert, ist von einem normalen Marktgeschehen so weit entfernt, dass die Unternehmen dies aus eigener Kraft nicht stemmen können.“ Der Chemie-Standort Deutschland habe seit Beginn des russischen Einmarschs in die Ukraine massiv an Wettbewerbsfähigkeit verloren. „Jede Anlage, die jetzt heruntergefahren werden muss, droht zu einer Industrieruine zu werden. Das müssen wir gemeinsam mit der Politik verhindern, sonst droht ein dauerhafter Verlust von Arbeitsplätzen.“

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Vor schwierigen Tarifverhandlungen

Auch die Sozialpartner sieht Stiller in der Pflicht: „Die IGBCE muss endlich auch tarifpolitisch in den Krisen-Modus schalten und ihre Erwartungen an die dramatische Lage der Branche anpassen. Zusätzliche dauerhafte Kostensteigerungen sind in der Breite der Branche derzeit nicht tragbar.“ Die Wettbewerbsfähigkeit wie auch die Geschäftserwartungen hätten sich seit der Brücken-Regelung vom April deutlich verschlechtert. „Wenn der Verzicht auf dauerhafte Tarifsteigerungen im Frühjahr richtig war, ist er es in diesem Winter erst recht. Wir brauchen einen Pakt für Wettbewerbsfähigkeit, kein Wettrennen um Lohnprozente.“

Auch Hessen Chemie-Hauptgeschäftsführer Dirk Meyer betonte, dass die Chemie-Branche vor der Wiederaufnahme der Tarifverhandlungen unter einem immensen wirtschaftlichen Druck stehe. Durch den Energiepreisschock sei die Produktion in der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Hessen alleine in den letzten vier Monaten um über acht Prozent zurückgegangen und die Geschäftserwartungen befänden sich auf einer rasanten Talfahrt. „Die wirtschaftliche Perspektive hat sich im Jahresverlauf deutlich verschlechtert. Daher ist jetzt eine Tarifpolitik gefragt, die die Unternehmen und ihre Beschäftigten durch die Krise trägt“, betont Meyer. Im April hatten die Chemie-Sozialpartner nach zwei Verhandlungsrunden auf Bundesebene eine Einmalzahlung in Höhe von 1400 Euro als Brückenlösung vereinbart und sich auf den Herbst vertagt. Die Verhandlungen werden nun am 17. und 18. Oktober in Wiesbaden fortgesetzt.

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