Rohstoffversorgung Hohe Importabhängigkeit aufgrund kritischer Rohstoffversorgung

Autor / Redakteur: Stefanie Michel / Matthias Back

Kein modernes Industrieprodukt ohne Metalle: Obwohl Deutschland über eine lange Bergbautradition verfügt, müssen heute 100 % aller metallischen Rohstoffe eingeführt werden – darunter auch die für viele Hightech-Branchen unabdingbaren Seltenen Erden. Eine so hohe Importabhängigkeit macht verwundbar. Und so ist nicht nur die Volatilität der Rohstoffpreise ein Risiko, das es zu meistern gilt. Denn daneben gibt es auch Versorgungsrisiken, die politisches Handeln erfordern. Die Sicherung freier Marktzugänge steht dabei im Mittelpunkt.

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Risiken bei der Rohstoffversorgung – speziell bei seltenen Erden – steht ein steigender Bedarf gegenüber.
Risiken bei der Rohstoffversorgung – speziell bei seltenen Erden – steht ein steigender Bedarf gegenüber.
(Bild: Michel)

Metallrohstoffe – viel Wind um nichts? Das klang wohl provokant genug, um am 4. März – zum Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe „Talk im Technikum“ des Augsburger Bifa-Umweltinstituts – eben dieses Technikum bis auf den letzten Platz zu füllen. Das Thema Rohstoffe „bewegt" also noch immer, auch wenn die Diskussion aktuell nicht mehr in der Breite geführt wird, wie das vor fünf oder sechs Jahren war, als beträchtliche Preisbewegungen an den Metallrohstoffmärkten für Wallungen in der Öffentlichkeit sorgten.

Anhaltend schwache Preisentwicklung

Warum der „Wind“ mittlerweile abgeflaut ist, verrät ein Blick auf die einschlägigen Rohstoffpreisindices – beispielsweise auf den Rohstoffpreisindex der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (VBW). Abgesehen von den üblichen saisonalen „Aufs und Abs“ zeigt der Trend seit geraumer Zeit tendenziell nach unten – auch im Januar 2015, als die Preise aller metallischen Industrierohstoffe teils deutlich nachgaben.

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Beispielsweise verbilligte sich Kupfer um 9,5 %, der Nickelpreis sank um 7,7 %. Blei gab um 6 % im Preis nach, Aluminium um 5,9 %. Der Zinkpreis schmolz um 2,9 % ab, der von Eisenerz um 2,4 %, Zinn wurde um 2,2 % billiger. Die Preise für die sogenannten Seltenen Erden, denen eine besondere industriepolitische Bedeutung zugemessen wird, blieben unverändert. Lediglich die Edelmetallpreise zogen weiter an: Gold um 4,1 %, Silber um 5,3 % und Platin um 2,2 %.

Ursache für den deutlichen Preisauftrieb im Edelmetallbereich ist nach Einschätzung von VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt „die zunehmende Verunsicherung der Märkte, insbesondere im Hinblick auf die Russland-Krise und die Entwicklung in Griechenland“. Ansonsten stehen die Metallpreise eher unter dem Druck der geringen weltwirtschaftlichen Dynamik, die wiederum geprägt ist von einem Abflachen des Wachstums in China, der Wirtschaftskrise in Russland sowie der Konjunkturschwäche in der Eurozone. Deshalb rechnet Brossardt „auch für die kommenden Monate nur mit einer schwachen Preis-entwicklung“.

Bei der Rohstofffrage besteht weiterhin Handlungsdruck

„Folglich spielt in der aktuellen Diskussion die Verknappung von Rohstoffen keine größere Rolle mehr“, diagnostizierte Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Rommel, Leiter des Bifa-Umweltinstituts beim Augsburger Technikumstalk. Das war nicht immer so. So führte der Aufstieg der Schwellenländer – nicht zuletzt das rasante Wirtschaftswachstum Chinas – zu einem kräftigen Anstieg der weltweiten Nachfrage nach metallischen Rohstoffe, mit dem das Angebot kaum Schritt halten konnte, was sich schließlich in einem Preisauftrieb niederschlug. „2009, in der Weltwirtschaftskrise, sind die Preise eingebrochen, dann wieder gestiegen, jetzt geben sie langsam wieder nach“, sagte Dr. Hubertus Bardt, Rohstoffexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), in Augsburg.

Trotzdem darf die gegenwärtige Entspannung an der Preisfront nicht Anlass sein, das Thema Rohstoffversorgung ad acta zu legen. Schließlich ist der Preis nur eines der zahlreichen Risiken, die mit dem Rohstoffthema verbunden sind. „Auch wenn sich die Situation auf den globalen Rohstoffmärkten etwas entspannt hat, existieren nach wie vor strukturelle Probleme und Wettbewerbsverzerrungen“, warnt BDI-Präsident Grillo. „Es besteht weiterhin Handlungsdruck.“

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