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Abluftwäscher

Hier haben Reizgase keine Chance

| Autor/ Redakteur: Christian Schmitt* / Anke Geipel-Kern

Abluftwäsche entfernt Reizgase bei der Herstellung homöopathischer Mineralsalze: Bei der nasschemischen Herstellung homöopathischer Salze entstehen säurehaltige Abgase. Der Einbau eines Abluftwäschers hilft Arzneimittelunternehmen den Arbeitsplatz sicher zu gestalten und die Mitarbeiter vor den schädlichen Gasen zu schützen.

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Einbausituation des Abluftwäschers beim Arzneimittelhersteller.
Einbausituation des Abluftwäschers beim Arzneimittelhersteller.
(Bild: DHU;)

Die Herstellung homöopathischer Heilmittel erfordert mitunter aufwändige chemische Verfahrensweisen. Etwa um wertvolle mineralische Wirkstoffe zu gewinnen. Das stellt die Fabrikanten vor nicht geringe Herausforderungen. Denn die Wirkstoffe sollen schonend isoliert werden. Zugleich muss die erforderliche Arbeitssicherheit herrschen und die Prozesse selbst sollen rationell ablaufen.

Homöopathische Heilmittel wie spagyrische Essenzen und Schüßler Salze werden aufgrund ihrer schonenden Wirkung von der Naturheilkunde begleitend zur Schulmedizin oder auch unabhängig davon empfohlen.

In vier Stufen zum Homöopathischen Wirkstoff

Bei der Herstellung handelt es sich zumeist um einen aufwändigen, vierstufigen Prozess aus Gärung, Destillation, Veraschung und erneutem Zusammenfügen der verschiedenen Wirkstoffe. Die pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Ausgangssubstanzen werden dabei nasschemisch aufgebrochen, etwa mit Schwefelsäure beträufelt und erhitzt.

Neben den gewünschten Salzen entstehen dabei aber auch zwei Anhydride der Schwefelsäure: Schwefeldioxid (SO2) und Schwefeltrioxid (SO3). Schwefeldioxid ist ein farbloses, stechend riechendes Gas, das die Schleimhäute reizt und in höherer Konzentration durchaus gesundheitsschädlich wirkt.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat dementsprechend für Schwefeldioxid eine Maximale Arbeitsplatz-Konzentration (MAK-Wert) von 2,7 mg/m3 festgelegt.

Beim gleichfalls entstehenden Schwefeltrioxid (SO3) besteht die Gefahr, dass es im erhitzten, gasförmigen Zustand eingeatmet wird, in der Lunge erneut Schwefelsäure bildet und dadurch lebensgefährliche Lungenödeme auslöst.

Nasschemische Fertigung birgt hohe Risiken

Da für die Herstellung homöopathischer Heilmittel größere Mengen organischer Substanzen verascht werden als bei vergleichbaren analytischen Prozeduren, bestehen hier auch grundsätzlich höhere Risiken.

Das führt bei den Herstellern dazu, dass sie in der Regel sehr sorgfältig den Empfehlungen des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung folgen. Neben allgemeinen Schutzmaßnahmen wie gut belüftete Arbeitsräume, Augen- und Handschutz, werden von ihnen vor allem geschlossene Apparaturen für den Laborbetrieb bevorzugt.

So kommen z.B. Muffelöfen zum Einsatz, quader- oder zylinderförmige Kammeröfen aus Keramik, in denen die zu veraschenden Sub­stanzen in einer hermetisch abgeschlossenen Atmosphäre kontrolliert erhitzt werden. Das Glühgut wird in einem Tiegel eingeführt, die Muffel verschlossen und anschließend über rundum angebrachte, elektrische Heizelemente erhitzt.

Die organischen Anteile des Glühguts verbrennen und entweichen gasförmig (Glühverlust). Zurück bleibt der anorganische Anteil, die Asche (Glührückstand). Sie enthält die wertvollen Mineralsalze.

Der Jahresbedarf an Mineralsalzen für die homöopathischen Heilmittel bleibt überschaubar niedrig. Er kann an verschiedenen übers Jahr verteilten Tagen und in mehreren Glühvorgängen pro Tag gewonnen werden. Es handelt sich also nicht um routinierte, sich täglich wiederholende Arbeitsabläufe. Deshalb gilt der Arbeitssicherheit besonderes Augenmerk.

Laborabzug und Wäscher bieten zusätzlichen Schutz

Ein Hersteller homöopathischer Heilmittel hatte beim Gewinnen der Mineralsalze in wachsendem Maße mit den begleitenden exothermen Reaktionen zu kämpfen. Diese hatten den bestehenden Abzug beschädigt. Außerdem war durch die säurehaltige Abluft die Lüftung angegriffen und zerstört worden. Es sollte also ein neuer Abzug samt integriertem Abluftwäscher installiert werden.

Für diesen Umbau musste das Labor entkernt und der Raum völlig neu gestaltet werden. Sämtliche Fertigungsschritte finden nun innerhalb des Abzugs statt und alle entweichenden Gase werden direkt in den Abluftwäscher gesaugt und dort gereinigt.

Die Karlsruher Firma Greif Laborlösungen und der Mannheimer Spezialist für technische Keramiken und Umweltapparate, Kyocera Fineceramics Solutions, sind auf solche Umbauten vorbereitet. So lieferte Kyocera Fineceramics Solutions in diesem Fall den Abluftwäscher Fridurit C180, sein derzeit größtes Gerät, das sich durch besonders hohe Abscheidegrade auszeichnet. Das heißt, selbst bei verhältnismäßig kurzen Verweilzeiten erzielt es dennoch Reinigungswerte nahe 100 Prozent. Auf diese Weise reinigt der C180 bis zu 1800 m3 Luft pro Stunde.

Doppelt hält besser

Die Anlage insgesamt ist redundant ausgelegt. Das heißt zwei Abluftventilatoren sorgen dafür, dass die gefährdenden Gase selbst beim Ausfall einer Maschine zuverlässig in den Wäscher gesaugt werden. Außerdem wurde der Volumenstrom des Abzugs erhöht, um einen zusätzlichen Puffer zu haben. Die Anlage erfüllt damit sehr hohe Sicherheitsanforderungen.

Der Wäscher selbst arbeitet weitgehend automatisch. Eine in das Gerät integrierte pH-Elektrode überwacht kontinuierlich das Waschmedium. Fällt der pH-Wert unter einen bestimmten Grenz­wert, wird der Waschflüssigkeit sofort Lauge aus einem eigens bereitgestellten Vorrat beigemischt.

Für den Laborumbau konnte ein Standardgerät genutzt werden. Das hielt die Kosten für Abzug und Abluftwäscher erfreulich gering. Der Umbau selbst nahm zwei Wochen in Anspruch und schloss eine ausgedehnte Testphase ein. Inzwischen läuft die Anlage seit über einem Jahr reibungslos.

Aus Betreibersicht war es besonders hilfreich, von Anfang an alle am Projekt beteiligten an einem Tisch zu versammeln – Auftraggeber, Planer, Abzugsbauer und Lüftungstechniker. So konnte jeder sein fachliches Know-how einbringen und die für den Umbau erforderlichen Parameter wurden ebenso zügig wie verbindlich aufeinander abgestimmt.

Dieses Projekt verdeutlicht, Arbeitssicherheit und rationalisierte Prozesse müssen auch in Laborumgebungen keine bloßen Ansprüche bleiben. Sie lassen sich mit eingespielten, berufserfahrenen Partnern in kurzer Zeit und zu vertretbaren Kosten realisieren.

* * Der Autor ist Produktionsleiter Fridurit Umweltapparate der Kyocera Fineceramics Solutions GmbH. Kontakt: Tel. +49-621-486-1592

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