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Es gibt aber noch einen weiteren Grund, sich mit der Modularisierung zu beschäftigen. Der Ingenieurmangel führt dazu, dass das Know-how in den Planungsabteilungen immer weiter abnimmt. Das Wissen um die Details wandert vom Anwender zum Hersteller der Module, eine Entwicklung, die in der Pharmabranche schon zu beobachten ist. Hier werden Fermenter, Mischer, Rührbehälter und Abfüllanlagen komplett fertig mit Steuerung vom Hersteller geliefert. Der Anwender setzt die Module nur noch zusammen, und bei Störungen ist schnell ein defektes Modul gegen ein neues ausgetauscht.
Schnittstellen: Das fordern Anwender!
Zweites Schwerpunktthema war die IT-Unterstützung im Lebenszyklus. In der CAE-Welt gibt es derzeit eine Vielzahl an Modulen, aber eine wichtige Forderung an ein Modul wurde dabei außer Acht gelassen: „die einheitlichen Schnittstellen“. Für fast jede Funktion gibt es ein Planungstool – Planungsmodul; von der Apparatetechnik, Rohrleitungstechnik, Messtechnik, Elektrotechnik bis hin zur 3D-Darstellung. Aber über einen einheitlichen Datenaustausch – oder besser – Datenabgleich wird heftig diskutiert. Dabei zeichnet sich ab, dass XML als IT-Format die größten Chancen hat. Über erste positive Erfahrungen wurde von Degussa berichtet. Jedoch ist man noch weit davon entfernt, für den Anwender einfach handhabbare Systeme liefern zu können.
Erste Forderung der Anwender ist eine Verbesserung der Kommunikation und Dokumentation. Da mehrere Gewerke gleichzeitig im Planungsprozess eingebunden sind – Apparatetechnik, Rohrleitungstechnik und Prozessleittechnik – müssen der Projektfortschritt und Änderungen den anderen sichtbar gemacht werden. Gerade bei der Modellierung der Arbeitsprozesse zeigt sich, dass die Kommunikation zwischen Verfahrenstechnik, Anlagentechnik und Prozessleittechnik verbesserungswürdig ist. Ein Vorschlag war die Nutzung von Blogs über Dokumentation und Lösung von Problemen, so wie es die Jugend über Twitter macht. Allerdings war hier die Mehrheit sehr skeptisch, da neben Akzeptanzproblemen und Datenschutzfragen speziell die Gefahr eines Informations-Overload gesehen wurde.
Zweite Forderung der Anwender ist die Nutzung der CAE-Systeme nicht nur im Planungsprozess, sondern über den ganzen Life Cycle. Der Instandhalter muss nämlich auch nach zehn Jahren noch bei Änderungen oder Erweiterungen der Anlage damit arbeiten können. Dazu ist eine Standardisierung der Schnittstellen wie z.B. ISO 15926 notwendig. Dabei ist es wichtig, dass alle großen CAE-Hersteller diese auch in zukünftigen Systemen anbieten. Ein Wermutstropfen bleibt dabei, denn auch ISO 15926 deckt nicht alles ab. Und was macht man mit dem Rest? Es bleibt also doch wieder bei einer Vielzahl von Schnittstellen. Irgendwie hat man das schon hinbekommen, und Erfolgsberichte über Einzelfälle gibt es immer wieder. Aber kostengünstig aus Sicht der Anwender ist das nicht.
Fazit: Es bleibt also genügend Gesprächsstoff für die nächste Konferenz März 2011 in Frankfurt.
* Der Autor ist freier Mitarbeiter bei PROCESS.
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