Wasserstoffstrategie H2 statt Öl und Methan: Norwegen setzt auf Wasserstoff

Redakteur: Dominik Stephan

Norwegen wird gerne als Vorreiter der Batterie-elektrischen Mobilität ins Feld geführt - dabei gehört das Land auch zu den Antreibern in Sachen Wasserstoff. Einmal wegen der großen Wasserkraftwerke des bergigen Landes, zum zweiten aber auch, um so die Erdgas-Produktion, die Norwegen zu einer der wohlhabendsten Nationen der Welt gemacht hat, ins neue Jahrtausend zu retten.

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Erdgasverflüssigung in Norwegen: Mit der Produktion von Wasserstoff aus Erdgas könnte für die Offshore-Industrie des Landes ein neues Zeitalter beginnen.
Erdgasverflüssigung in Norwegen: Mit der Produktion von Wasserstoff aus Erdgas könnte für die Offshore-Industrie des Landes ein neues Zeitalter beginnen.
(Bild: www.nehmzow.de/Linde)

Norwegen setzt auf Wasserstoff: Das nordeuropäische Land stößt zur Europäischen Initiative für Innovation und industrielle Zusammenarbeit (IPCEI) für Wasserstoff und will seine Aktivitäten und Initiativen mit denen der europäischen Partner verzahnen. Norwegens Regierung erwartet davon unmittelbar eine deutlich erleichterte Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette aber auch eine abermals beschleunigte Technologie-Entwicklung sowie gesteigerte Anreize, in große Wasserstoffprojekte auf dem Industrie- und Verkehrssektor zu investieren.

Tatsächlich könnten die Skandinavier gleich doppelt vom Wasserstoffboom profitieren: Einmal, um Überschussstrom in "grünen" Wasserstoff umzuwandeln und so Märkte in Kontinentaleuropa mit Energie aus norwegischer Wasserkraft zu beliefern (das Land deckt über 90 % seines Strombedarfes mit mehr 1.600 Wasserkraftwerken), andererseits, um die Erdgasproduktion in der Nordsee emissionsneutral zu machen. So könnte bereits auf See Wasserstoff aus Erdgas gewonnen und das zurückbleibende CO2 in den unterseeischen Gaslagernstätten gespeichert werden (die Nutzung der Erdgasfelder als Kohlenstoffsenke erprobt etwa das Projekt "Northern Lights", derzeit mit Abgasen aus der Abfallverbrennung in Oslo oder einer Zementfabrik in Brevik).

Bereits in den nächsten Tagen und Wochen soll ein erster Überblick über diejenigen Wasserstoffprojekte erstellt werden, die als Norwegens Beitrag bei der Etablierung von Konsortien auf europäischem Niveau fungieren können. Norwegens Frist zur Einreichung von Projekten endet voraussichtlich bereits Mitte Januar 2021.

Die Hauptverantwortung für die norwegische Beteiligung an IPCEI für Wasserstoff liegt bei der staatlichen norwegischen Energieagentur Enova. Die Agentur wird z.B. für Ausschreibungen und Auswahl norwegischer Projekte verantwortlich sein. Enova wird bei dieser Aufgabe unter anderem von Innovation Norway und dem Norwegian Research Council unterstützt.

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