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China Market Insider Exxon Mobil beginnt Bau von World-Scale-Projekt in Südchina

| Autor / Redakteur: Henrik Bork / Wolfgang Ernhofer

In China entsteht eine neue Großanlage: Der Ethylen-Cracker mit einer Kapazität von 1,6 Millionen Jahrestonnen soll im Jahr 2023 mit der Produktion beginnen. Er ist das Herzstück eines petrochemischen Verbundprojektes, in das Exxon Mobil im Lauf der nächsten Jahre insgesamt zehn Milliarden Dollar investieren will. Neben Polyethylen- und Polypropylen-Anlagen soll in der ersten Bauphase auch ein Flüssigerdgas-Terminal errichtet werden.

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Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.
Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.
(Bild: ©sezerozger - stock.adobe.com)

Peking – Die Zeremonie zum Spatenstich musste virtuell stattfinden. Doch wegen der Größe von Exxon Mobils neuem Ethylen-Cracker nahm der chinesische Vizepremier Han Zheng persönlich an der Feier teil, per Livestream direkt aus der Großen Halle des Volkes in Peking. Zugeschaltet waren das Konzern-Management aus Texas und Manager am Bauort Zhanjiang in Südchina.

Aus chinesischer Sicht ist das unter strengsten Umweltschutzbedingungen gebaute Werk ein wichtiger Schritt beim Aufbau einer „grüneren“, modernen petrochemischen Industrie. Das offiziell „Exxon Mobil Huizhou Chemie-Komplex“ genannte Werk wird von der örtlichen Regierung auf ihrer Webseite als Aushängeschild der „grünen Transformation und Modernisierung“ der herstellenden Industrie in China bezeichnet.

Mit seiner milliardenschweren Investition wird Exxon Mobil über Nacht Mitglied eines noch sehr exklusiven Clubs von multinationalen Konzernen, denen der alleinige Besitz einer solchen Produktionsanlage in China erlaubt worden ist. Ein petrochemisches Verbundprojekt der BASF, ebenfalls mit einer Gesamtinvestition von zehn Milliarden Dollar und ebenfalls in der Südprovinz Guangdong, gehört auch dazu.

Geographisch ist der Standort Teil des chinesischen Mega-City-Clusters „Greater Bay Area“, zu dem Hong Kong, Macao und eine Reihe angrenzender, wirtschaftsstarke Regionen in Guangdong zählen. In dem Delta leben 70 Millionen Menschen. Es stellt nur ein Prozent des chinesischen Landmasse, erwirtschaftet jedoch 37 % aller chinesischen Exporte und 12 % des Bruttoinlandsproduktes der Volksrepublik.

Exxon Mobil wird nun der erste amerikanische Großkonzern, der in China Alleineigentümer eines solchen petrochemischen Standortes werden darf. Für den amerikanischen Konzern ist die Anlage ein wichtiger Teil seiner Diversifizierungsstrategie. Ähnlich wie die BASF setzen die Amerikaner auf das nach wie vor starke Wirtschaftswachstum in China, das selbst von der Coronavirus-Epidemie wohl nur kurzfristig und bedingt gebremst werden wird.

Während dem Markt für Benzin und andere Treibstoffe mittelfristig ein Nachfrage-Plateau vorhergesagt wird, werden die petrochemische Industrie und vor allem die Nachfrage nach C2- und C3-Chemie in China Prognosen zufolge noch eine gute Weile lang steigen.

„Selbst mit den schon angekündigten Investitionen wird in China die Nachfrage nach Ethylen und Propylen bis zum Jahr 2023 das Angebot hinter der Nachfrage herhinken“, schreibt die Beratungsfirma Mc Kinsey in einer Analyse der petrochemischen Industrie des Landes. Während es bei bestimmten chemischen Produkten in China schon Überkapazitäten gibt, trifft für Ethylen und Propylen derzeit eher noch das Gegenteil zu..

Genau wie der deutsche Branchenprimus setzen die Texaner mittel- und langfristig auf weiteres Wirtschaftswachstum in China, das auch die Nachfrage nach Plastik und Kunststoffen weiterhin steigen lassen wird. „Trotz des Schocks durch die Coronavirus-Pandemie glauben wir, dass China das Wachstum in der asiatisch-pazifischen Region anführen wird“, sagte Exxon Mobil-CEO Darren Woods während der virtuellen Eröffnungszeremonie. Er nannte den neuen Cracker in China eine „strategische Langzeitinvestitionen“.

In China werden mittlerweile mehr als 40 % aller globalen Einnahmen der chemischen Industrie erwirtschaftet. Rund 1,5 Billionen Dollar waren es im Jahr 2017. Selbst wenn man dort in den kommenden Jahren mit einem – für chinesische Verhältnisse eher gedämpftem – Wachstum von 5 % rechnete, würde Chinas chemische Industrie immer noch um die gesamte Kapazität der Chemie-Einnahmen von Ländern wie Brasilien oder Spanien wachsen – Jahr für Jahr.

Ein in China gleichzeitig zu beobachtender Trend zur Konsolidierung in der petrochemischen Industrie betrifft vor allem kleinere Unternehmen, weniger große Player. Vor allem strengere Umweltvorschriften, gekoppelt mit strengerer Umsetzung der Vorschriften, haben seit mehreren Jahren zur Schließung vieler chemischer Betriebe geführt. Im Jahr 2016 hatte China „klare Gewässer und üppig grüne Berge“ als zentrales Ziel seines 13. Fünf-Jahres-Planes genannt.

Das chinesische Presse-Echo auf den Baubeginn in Zhanjiang spiegelten deutlich wieder, dass Wachstum auch in der petrochemischen Industrie nur noch mit modernsten Umweltschutzmaßnahmen erwünscht ist. Der neue Ethylen-Cracker werde „Engpässe bei Polyolefin-basiertem Plastik“ in China beheben helfen, freute sich die „China Daily“, ein offizielles Sprachrohr der chinesischen Regierung. Zugleich freue man sich über ein „fortschrittliches und umweltfreundliches Projekt“, das den Aufbau eines „grünen petrochemischen Komplexes“ im Süden Chinas voranbringe, schrieb die Zeitung.

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* Der Autor ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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