Datenbank zu Medikamentenrückständen EU-Projekt beleuchtet Umweltrisiken von Medikamenten

Redakteur: Alexander Stark

In den nächsten sechs Jahren wird ein großes europäisches Forschungskonsortium ein Instrumentarium zur besseren Risikobewertung von Medikamenten in der Umwelt entwickeln.

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Das Projekt Priorisation and Risk Evaluation of Medicines in the Environment (Premier) soll ein neuartiges Informations- und Bewertungssystem zur Identifizierung und Bewertung der Umweltrisiken von Arzneimitteln entwickeln, insbesondere für solche mit mangelnder Datenverfügbarkeit.
Das Projekt Priorisation and Risk Evaluation of Medicines in the Environment (Premier) soll ein neuartiges Informations- und Bewertungssystem zur Identifizierung und Bewertung der Umweltrisiken von Arzneimitteln entwickeln, insbesondere für solche mit mangelnder Datenverfügbarkeit.
(Bild: Innovative Medicines Initiative)

Lüneburg – Medikamentenrückstände können in die Umwelt gelangen und dort Schaden anrichten. Ein großer Teil der verwendeten Medikamente landet nach der Ausscheidung in der Kanalisation. Einige pharmazeutische Wirkstoffe werden in den Kläranlagen nur teilweise entfernt und finden so ihren Weg in Oberflächengewässer oder ins Trinkwasser. Das kann zum Beispiel zu einer Geschlechtsumwandlung bei Fischen führen, die durch die Rückstände der Antibabypille im Wasser ausgelöst wird.

Insgesamt 25 europäische Partner arbeiten im Projekt Premier zusammen, das von der niederländischen Radboud Universität und dem Pharmaunternehmen Astra Zeneca geleitet wird. Das Institut für Nachhaltige Chemie der Leuphana Universität Lüneburg ist an dem Vorhaben beteiligt.

Ziel des Projekts ist einerseits die Entwicklung einer Datenbank mit Eigenschaften bestimmter Wirkstoffe mit deren Hilfe ihr Umweltrisiko bewertet werden kann. Außerdem untersuchen die Leuphana und ihre Partner durch intensive Literaturrecherche, Befragungen und Workshops mit Experten der Industrie, inwieweit die Berücksichtigung von Umweltaspekten bereits bei der Entwicklung von Wirkstoffen möglich ist.

„Wir brauchen innovative und langfristige Lösungsansätze, um mit dem Problem von Arzneimittelrückständen in der Umwelt umzugehen. Dafür arbeiten jetzt zum ersten Mal Wissenschaft, Industrie, Beratungsfirmen und Behörden direkt zusammen“, berichtet Leuphana-Nachhaltigkeitswissenschaftler Professor Klaus Kümmerer. Ihm und seinem Team war es bereits gelungen, ein Antibiotikum zu entwickeln, das nach seiner medizinischen Verwendung zerfällt. „Benign by Design“ heißt die Antwort der Wissenschaftler vom Institut für Nachhaltige Chemie und Umweltchemie auf die massive Umweltverschmutzung und -gefährdung durch Medikamente. Kennzeichen des Ansatzes ist es, neue Wirkstoffe schon von Beginn an so zu planen, dass sie umweltverträglicher werden.

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