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Besonders problematisch wird es, wenn es um neue Technologien, neue Verfahren, neue Vorgehensweisen geht, bei denen die Folgen für Mensch und Umwelt nicht oder nur ungefähr abschätzbar sind.
Technikbewertung und Technikverantwortung
Wie bewertet man Technik? Gemäß VDI 3780 so: „Das Ziel allen technischen Handelns soll es sein, die menschlichen Lebensmöglichkeiten durch Entwicklung und sinnvolle Anwendung technischer Mittel zu sichern und zu verbessern. (...) Darüber hinaus gilt es, einen möglichst sinnvollen Gebrauch von den stets nur in begrenztem Umfang vorhandenen Ressourcen (…) zu machen. (...) Funktionsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit werden jedoch nicht um ihrer selbst willen erstrebt. Technische Systeme werden hergestellt und benutzt, um menschliche Handlungsspielräume zu erweitern. Sie stehen im Dienste außertechnischer und außerwirtschaftlicher Ziele.“
Das sind beeindruckende Aussagen. Wer aber kennt die VDI-Richtlinie 3780? In welchem Mitgliedsunternehmen des ZVEI wird sie systematisch herangezogen, wenn es um die Bewertung neuer Technologien geht? Übrigens: „Technikbewertung“ und „Technikfolgenabschätzung“ werden vielfach in einen Topf geworfen. Doch hat Technikfolgenabschätzung nur bedingt etwas zu tun mit der Technikbewertung, wie sie die VDI-Richtlinie 3780 empfiehlt. Denn bei der Technikbewertung geht es nicht nur um die Produkte, Verfahren oder Systeme, sondern auch um die Bedingungen und Folgen ihrer Verwendung:
- Stand der Technik analysieren,
- Folgen dieser Technik und möglicher Alternativen abschätzen,
- Folgen beurteilen,
- Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten ableiten.
Diese Form der Technikbewertung sollte – natürlich in angepasster Form – in jedem Unternehmen und besonders in einem Unternehmen der Automatisierungstechnik angewendet werden. Denn so idealistisch, so glänzend, wie sich die Automatisierungstechnik üblicherweise darstellt, ist sie ja nicht immer.
Beispielsweise ist eine Aussage wie: „Die Automatisierungstechnik dient dem Menschen.“ schon recht apodiktisch, besagt sie doch ohne Wenn und Aber: Automatisierung ist ethisch. Der Blick auf moderne Militärtechnik zeigt die Problematik einer solchen Behauptung.
Fazit
Die institutionalisierte Technikbewertung nach VDI 3780 ist hervorragend geeignet, im Unternehmen sichtbar zu machen, dass man es mit einer solchen Doktrin ernst meint. Sie sollte integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie sein. Das ist auch im Hinblick auf neue Mitarbeiter von Bedeutung. Jedes Unternehmen bemüht sich um „die besten Köpfe“ – und genau diese sind hinsichtlich Fragen der Ethik sehr sensibilisiert und wollen eine überzeugende Antwort von ihrem Unternehmen. Und die kann nur so lauten: Automatisieren heißt Verantwortung übernehmen! Ziel ist die Automatisierung mit Ethik.
D. Schaudel, SCHAUDELconsult, Freiburg
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