Tablettenpressen reparieren

Ersatzteil oder Nachahmerprodukt – zwei Fallstudien bringen Klarheit

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Druckrollen aus High-End-Stahl

Im Tablettierprozess kann dies verheerende Folgen haben: Durch den schnelleren Verschleiß und den entstehenden Rattermarken übertragen sich Beschädigungen auf die Stempelköpfe und von dort auf weitere Druckrollen und einzelne Kurven. Es wird ein Teufelskreis in Gang gesetzt.

Fette Compacting stellt seine Druckrollen ausschließlich aus einem High-End-Werkzeugstahl her, der einem intensiven Wärmebehandlungsprozess unterzogen wird. Dies führt zu einem besonders gleichmäßig verteilten, stabilen Gefüge, wie die Analysen unter dem Rasterelektronenmikroskop gezeigt haben.

Ein wichtiger Qualitätsfaktor für den Stahl ist beispielsweise der Kohlenstoffgehalt: Bei den Druckrollen des Wettbewerbers liegt der Anteil von Kohlenstoff im übersättigten Bereich. Dies kann die Gesamtfestigkeit und Haltbarkeit des Bauteils verschlechtern und sogar zu vorzeitigen Brüchen führen.

Das Original lag dagegen unterhalb der Übersättigungsgrenze. Ähnliche Unterschiede konnten die Labors auch beim Chromgehalt feststellen: Ein erhöhter Anteil von Chrom im Stahl bewirkt, dass die Metallstruktur spröder wird und an Festigkeit verliert. Das Nachahmerprodukt wies in den Tests einen mehr als doppelt so hohen Chromanteil im Vergleich zum Original auf.

Beim Kauf nicht nur auf den Preis achten

Bei der Beschaffung von Ersatzteilen empfiehlt es sich, das Hauptaugenmerk nicht auf den Ein-standspreis zu richten, sondern stattdessen auf das umfassendere Abrechnungsverfahren der Total Cost of Ownership (TCO).

Dieses Verfahren bezieht neben den Anschaffungskosten auch Faktoren wie Wartung und Reparatur mit ein. Durch die erhöhten Folgekosten bei Nachahmerprodukten sinkt in einer TCO-Rechnung schnell die Attraktivität vordergründig preisgünstigerer Fremdteile. Ein Unternehmen, das von Anfang an in Originalteile investiert, spart sich diese hohen Folgekosten.

Ein Wechsel des Anbieters kann zudem eine Veränderung der Teileeigenschaften zur Folge haben, wodurch gemäß GMP-Regularien eine zeitaufwändige Neuvalidierung notwendig wird. In jedem Fall ist jedoch zumindest eine Re-Qualifizierung der Tablettier-Prozesse erforderlich.

Für den Tablettenhersteller gilt es dabei stets, eine reproduzierbare Qualität zu gewährleisten. Hierbei sind vor allem Faktoren wie Reinheitsanforderungen oder die Verwendung von Materialien relevant, welche nicht mit dem Produkt reagieren. Die Materialeigenschaften sind mit entsprechenden Zertifikaten zu belegen. Können die genannten Aspekte nicht nachgewiesen werden, besteht das Risiko eines Produktionsstopps durch die Behörden und die Anpassung gemäß der GMP-Anforderungen.

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