TÜV Süd

Energiemanagementsystem erfolgreich eingeführt

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Um das Energiemanagementsystem zu entwickeln, wurden mehrere mehrtägige Workshops mit Vertretern ausgewählter Abteilungen veranstaltet. Diese bilden seitdem das sogenannte Energieteam, das auch in einem Organigramm festgehalten und in die Organisationsstruktur des Unternehmens eingebettet ist. Gemeinsam mit dem Energiemanagementbeauftragten beleuchtete das Team in einem ersten Workshop zunächst die einzelnen Energieverbraucher und entwickelte eine sogenannte energetische Bewertung – sowohl für den Strom- als auch für den Wärmeeinsatz der Brauerei.

Mit der energetischen Bewertung wurde für alle Teilnehmer deutlich, wo im Produktionsprozess die größten Strom- und Wärmeverbräuche liegen. Auf dieser Grundlage diskutierte die Gruppe die Frage der Beeinflussbarkeit einzelner Anlagen und konkrete Möglichkeiten zur Steigerung der Energieeffizienz. So wurde beispielsweise festgestellt, dass sich das System zur Nutzung von Abwärme weiter ausbauen lässt. Bei einigen Anlagen wurde die Abwärme schon von einem Wärmeträger abgeführt und zur späteren Nutzung in gut isolierten thermischen Speichern zwischengelagert. Bei anderen Anlagen wird die Abwärme nach wie vor an die Umwelt abgegeben, sodass sich durch ihre Integration in das bestehende System Möglichkeiten zur Energieeinsparung ergeben.

Workshop: Von der Idee zur Maßnahme

Doch nicht nur technische Maßnahmen standen auf der Agenda. Auch Ideen, die auf einem veränderten Mitarbeiterverhalten basieren, wurden in der Gruppe diskutiert. Die solide energetische Bewertung wurde somit zum Ausgangspunkt für die folgenden Workshops. In konzentrierten Sitzungen entwickelte das Energieteam beispielsweise einen detaillierten Messplan, plante Maßnahmen zur Mitarbeitersensibilisierung, diskutierte konkrete Energieeffizienzvorgaben für die Einkaufsabteilung und formulierte das elektronisch gelenkte Handbuch.

Zu den ersten erfolgreich umgesetzten Energiezielen zählt die Inbetriebnahme eines eigenen Blockheizkraftwerkes (BHKW). Die Anlage erzeugt bei einem Wirkungsgrad von mehr als 90 % Strom und Wärme. Als neue hocheffiziente Wärmequelle löst das BHKW nun in einigen Produktionsschritten den Energieträger Dampf ab. Weil das BHKW sowohl mit Erdgas als auch mit Biogas betrieben werden kann, ist auch das aufbereitete Faulgas aus der hauseigenen, anaeroben Wasseraufbereitung als Brennstoff geeignet. Und auch aus den Gärresten der Maische – und somit auf Basis nachwachsender Rohstoffe – kann mit einer Biogasanlage verwertbares Biogas erzeugt werden. So liefert der Abfall aus den Produktionsprozessen einen Teil der benötigten Energie, die der Produktion in einem Kreislauf wieder zugeführt wird. Mit der Implementierung des Energiemanagementsystems nach ISO 50.001 hat die Brauerei die grundlegenden Rahmenbedingungen geschaffen, um ihre Energieeffizienz systematisch und kontinuierlich zu steigern. Denn fortwährend wird das nun etablierte System verbessert und konkretisiert: durch jährlich neue anspruchsvolle Energieziele, regelmäßige Audits sowie die fortwährende Arbeit an dem Handbuch.

Dafür orientiert sich die Norm am PDCA-Zyklus, einer gängigen Managementmethode. PDCA steht im Englischen für „plan, do, check, act“. Zunächst wird eine Vision entworfen, beispielsweise eine um 5 % gesteigerte Energieeffizienz innerhalb der nächsten fünf Jahre. Im Zuge des PDCA-Zyklus werden die für das Erreichen der Vision notwendigen konkreten Maßnahmen umgesetzt und individuell evaluiert. So wird überprüft, ob die Vision auch tatsächlich erreicht wurde. Ist das nicht der Fall, muss die Unternehmensleitung gegensteuern. Der Zyklus beginnt jährlich von vorn, sodass sich ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess ergibt und immer weitere Einsparmöglichkeiten ermittelt und umgesetzt werden können.

Voraussetzung schaffen für Steuererstattung

Mithilfe der Kontrollmechanismen des PDCA-Zyklus gewährleistet die Norm, dass die mittel- und langfristigen Effizienzziele auch tatsächlich erreicht werden können. Die Brauerei leistet somit nicht nur einen Beitrag zum nachhaltigen Energieeinsatz, sondern senkt auch ihre Produktionskosten. Weil das im Sinne des Gesetzgebers ist, der eine der tragenden Säulen der Energiewende in der Steigerung der Energieeffizienz sieht, bildet ein durch unabhängige Dritte zertifiziertes Energiemanagementsystem auch die Voraussetzungen für steuerliche Entlastungen, wie zum Beispiel, den Spitzenausgleich.

Der Artikel ist zuerst auf unserem Schwesterportal vom MM Maschinenmarkterschienen.

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