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Effiziente Geschäftsorganisation (EGO) - Folge 3 Eine starke Anlagennutzung dank EGO

Autor / Redakteur: Dr. Thomas Lellau / Dipl.-Medienwirt (FH) Matthias Back

Chemie und Pharma brauchen einen Paradigmenwechsel – in der Organisation, in der Bereichszusammenarbeit und hinsichtlich des Stellenwertes von Operational Excellence. Dank effektiver Geschäftsorganisation (EGO) lassen sich kundenorientierte Teamarbeit und Lösungsorientierung systematisch in Ihrer Organisation verankern.

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Der dritte Teil zeigt Verbesserungsmöglichkeiten der Anlagenauslastung mithilfe von EGO.
Der dritte Teil zeigt Verbesserungsmöglichkeiten der Anlagenauslastung mithilfe von EGO.
(Bild: Chemgineering)

In den ersten beiden Teilen wurde die Funktionsweise und Wirkung von EGO näher erläutert (siehe „Ein starkes EGO für die Produktion“) und anschließend Einsatzmöglichkeiten anhand von Anwendungsbeispielen aus der Praxis aufgezeigt (siehe „Ein starkes EGO in der Praxis“). Im dritten Teil geht es um die Verbesserung der Anlagenauslastung mithilfe von EGO.

Overall Equipment Effectiveness

Wenn es um Anlagennutzung geht, werden Ihre Investoren Sie als Betreiber mit drei Fragen konfrontieren:

Bildergalerie
  • 1. Wie hoch ist die aktuelle Auslastung?
  • 2. Wie lange können bestehende Anlagen die Bedarfe abdecken?
  • 3. Was wird getan, um die Auslastungssituation zu verbessern?

Um hier qualifiziert Auskunft geben zu können, hilft Ihnen ein Konzept für die Overall Equipment Effectiveness (OEE) bzw. Anlageneffektivität. Diese Schlüsselkennzahl stellt das anerkannte Maß für die Wertschöpfung einer Anlage dar. Die Kennzahl selbst wird als das Produkt der Verfügbarkeit der Anlage, ihrer Geschwindigkeit bzw. Rate, mit der die Anlage läuft, und der Qualität der Produkte (Anzahl Gutstücke) berechnet und in Prozent ausgedrückt: OEE = Verfügbarkeit x Rate x Qualität.

Störfaktoren sichtbar machen

Um die Anlagennutzung und damit die Wertschöpfung zu verbessern ist es zunächst wichtig, die Störfaktoren zu erfassen. Die daraus resultierenden Verluste werden üblicherweise sechs Verlusttypen zugeordnet, die erfahrungsgemäß das gesamte Spektrum abdecken (siehe Bildergalerie, Abb. 1). Die Abbildung zeigt die Verlusttypen und die jeweilige Zielsetzung. Die verfügbare Zeit einer Anlage, in der sie optimal produzieren kann, reduziert sich also aufgrund der Wirkung der Störfaktoren. Durch die Berechnung des OEE werden diese Störfaktoren sichtbar und liefern Ihnen den ersten Ansatzpunkt zur Verbesserung. Abbildung 2 zeigt die Zuordnung der Verlusttypen zur Verfügbarkeit, Rate und Qualität und die daraus resultierende Auswirkung bei der Berechnung der Komponenten.

Verfügbare Zeit nutzen

Neben der Erfassung der Störfaktoren ist die Definition der verfügbaren Zeit kritisch für Ihr OEE-Konzept. Wir unterscheiden den Netto OEE, der die tatsächliche Auslastung der Anlage angibt, und den Brutto OEE für die tatsächliche Effektivität der Produktion. Wie in Abbildung 3 zu sehen ist, ist es wichtig, geplante und externe Verluste zu unterscheiden.

Der Netto OEE für eine im Einschichtbetrieb laufende Anlage kann zwischen 25 und 30 Prozent liegen. Der Brutto OEE der gleichen Anlage wird zwischen 75 und 90 Prozent liegen. Die erste Kennzahl zeigt Ihnen, dass Sie in der Produktion noch Reserven haben, die z.B. durch ein alternatives Schichtmodell nutzbar sind. Die zweite Kennzahl zeigt Ihnen, wie gut die Auslastung der Anlage ist, wenn Sie läuft. Anhand dessen lässt sich berechnen, wie viel mehr Produkt die Anlage bei weniger Störungen ausbringen kann.

Ganzheitlicher Ansatz notwendig

Die Erhöhung des Netto OEE macht sich sofort in einer Verringerung der Kosten und damit in der Verbesserung Ihrer Margen bemerkbar. Dafür muss Ihr individuelles OEE-Konzept mit dem Management abgestimmt, das Personal in der Erfassung der Daten geschult und ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) etabliert werden. Sind das OEE-Konzept und der dazugehörige KVP etabliert, lassen sich die eingangs erwähnten Fragen der Investoren jederzeit objektiv beantworten.

* Der Autor ist Management Consultant, Chemgineering - The Technology Designers. E-Mail-Kontakt: thomas.lellau@chemgineering.com .

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