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BtL-Treibstoffe Ein marktreifes Verfahren für BtL-Treibstoff lässt noch auf sich warten

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Biodiesel und Bioethanol sind umstritten, weil sie mit Nahrungsmitteln konkurrieren und manche Automotoren nach der Tankfüllung zu stolpern beginnen. Mit BtL-Treibstoffen der 2. Generation gibt es diese Probleme nicht, dafür kämpfen die Verfahrenstechniker aber mit den Tücken des Herstellungsprozesses.

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Eine Tankfüllung mit Stroh gefällig – BtL-Verfahren machen es, wenn auch auf verfahrenstechnischen Umwegen, möglich.
Eine Tankfüllung mit Stroh gefällig – BtL-Verfahren machen es, wenn auch auf verfahrenstechnischen Umwegen, möglich.
(Bild: gemeinfrei/Pixabay/jplenio / Pixabay )

In der Evolution der Biotreibstoffe folgen auf die Biokraftstoffe der 1. Generation, also Bioethanol und Biodiesel, die BtL-Treibstoffe, die als biosynthetische Kraftstoffe der 2. Generation alle Vorteile synthetischer Kraftstoffe vereinen, aber gleichzeitig deren großen Nachteil ausgleichen sollen: Vollständig aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt, wären sie klima- und C02-neutral und damit der perfekte Kompromiss für die Kraftstoff- und Autoindustrie.

Soweit die Theorie, die stellvertretend für die gesamte Branche Dr. Joachim Schommers, Leiter der Entwicklungsabteilung Dieselmotoren bei Daimler Chrysler, noch im Dezember 2010 auf dem 4. Biokraftstoff-Kongress in bunte Power-Point-Folien verpackt präsentierte. Und so sieht es auch der Plan der Bundesregierung vor, die jede Menge Geld in die Hand nimmt, um entsprechende Projekte zu fördern.

Doch mittlerweile hat die Realität die Visionen eingeholt und gezeigt, dass die BTL-Technik sehr viel komplexer ist als das Verfahren, mit dem zurzeit aus Rapsöl Rapsmethylester oder aus Weizen und Zuckerrohr Bioethanol hergestellt wird.

Selbst das Freiberger Unternehmen Choren, das seit 1998 eine Pilotanlage betreibt und dessen Carbo-V-Verfahren im Technikwettstreit lange die Nase vorn hatte, hat es bisher nicht geschafft, seiner 2008 gebauten Anlage so viel BtL-Kraftstoff abzuringen, dass Sundiesel, so der von VW kreierte Markenname, die Zapfsäulen füllt.

Droht dem BTL-Verfahren in Deutschland also nach einem vielversprechenden Start ein Begräbnis erster Klasse? Und woran liegt es, dass die Verfahrenstechniker trotz intensiver Förderung nicht schon längst ein marktreifes Verfahren präsentieren können?

„Die Technik ist nicht trivial, das macht man nicht beim Landwirt in der Scheune“, sagt Dr.-Ing. Thorsten Gottschau von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe knapp aber treffend. Der Vorgang, in dem aus Biomasse ein motortauglicher Treibstoff entsteht (siehe Schema) ist kaum weniger komplex als der Raffinerieprozess, in dem dazu noch jahrzehntelange verfahrenstechnische Tüftelei steckt, und auch kaum billiger.

Die BtL-Realisierungsstudie der dena aus dem Jahr 2007 errechnet für einen Komplex, der aus Lager, Pyrolyse, Vergasung, Gasreinigung, Gaskonditionierung, Fischer-Tropsch-Synthese, Synfuelerzeugung, Kraftwerk, Sauerstofferzeugung und der angeschlossenen Infrastruktur besteht, eine Summe, die je nach eingesetzter Technik zwischen 500 und 700 Millionen Euro liegt. Basis der Berechnungen ist eine Verarbeitungskapazität von einer Million Tonnen Biomasse und ein Ausstoß von 200 000 Tonnen Diesel pro Jahr.

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