Standortfaktoren DIHK und VFA: Bürokratie und schleppende Digitalisierung belasten Pharmabranche

Redakteur: Alexander Stark

Zwischen der Virusanalyse und der Zulassung des ersten Corona-Impfstoffs in Deutschland vergingen weniger als ein Jahr. Dieses schnelle Verfahren bei der Entwicklung von Arzneimitteln sei ansonsten in Deutschland nicht realisierbar, bemängeln DIHK und VFA.

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Der VFA hat die Standortfaktoren von Pharmaunternehmen in Deutschland auf den Prüfstand gestellt.
Der VFA hat die Standortfaktoren von Pharmaunternehmen in Deutschland auf den Prüfstand gestellt.
(Bild: VFA)

Berlin – Den Zahlen einer von DIHK und des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (VFA) in Auftrag gegebenen Studie zufolge bilden langwierige und bürokratische Prozesse für Pharmaunternehmen eine der größten Hemmnisse für den Standort Deutschland. Für 56 % der Betriebe sei es äußerst wichtig, dass etwa klinische Studien schneller umgesetzt und Produktionsstätten schneller aufgebaut werden können.

Laut VFA-Präsident Han Steutel sind „komplizierte Verfahren durch die Vielzahl der Akteure leider ein Charakteristikum in Deutschland“. Insbesondere, wenn es um das Thema Gesundheit gehe. In der Notsituation der Pandemie hätten ohne Zweifel alle gut zusammengearbeitet. Aber im Normalbetrieb genüge es nicht mehr für einen Platz ganz vorne im globalen Wettbewerb.

Insgesamt 50 % der Umfrageteilnehmer drängen auf bundeseinheitliche Datenschutzvorgaben, um beispielsweise länderübergreifende Studien schneller zu realisieren.

Für 56 % der Betriebe ist zudem besonders wichtig, einen leichteren und datenschutzkonformen Zugang zu Gesundheitsdaten zu erhalten. "Unternehmen benötigen Daten, um Innovationen entwickeln zu können", so der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Dercks.

Auch beim Ausbau einer leistungsfähigen und vernetzen digitalen Infrastruktur sehen die befrageten Biotech- und Pharmafirmen noch deutlich Luft nach oben. Für 46 % der Betriebe ist es auch besonders wichtig, dass die digitale Vernetzung weiter vorangebracht wird. Sie sei zum Beispiel wichtig, um Studien über verschiedene Standorte hinweg zu realisieren, betonen Verband und Handelskammer. Dabei seien auch einheitliche technische Systeme notwendig.

Etwas besser bewerten die Unternehmen dagegen Förderungsinstrumente und Finanzierungsmöglichkeiten sowie Erstattungsregeln von Arzneimitteln. Dennoch sehen die Betriebe auch hier Handlungsbedarf: Bessere Wagnis- und Beteiligungsfinanzierungen haben für 37  der kleinen und mittleren Betriebe hohe Priorität. Viele Pharmafirmen wünschen sich neue Vergütungsmodelle, die etwa effizienter an den individuellen Therapieerfolg gekoppelt sind.

Von zentraler Bedeutung ist für Biotech- und Pharmafirmen zudem der Patentschutz. Für 80 % dieser Unternehmen ist dies wichtig oder äußerst wichtig, damit sich hohe Forschungs- und Entwicklungskosten für Innovationen wirtschaftlich auszahlen. Das betont auch Steutel vom vfa.

Relativ zufrieden sind die Unternehmen mit der Fachkräftesituation, dem Netzwerk an Zulieferern und Dienstleistern vor Ort sowie der Forschungsinfrastruktur und Forschungsvernetzung.

Teils unzureichende Standortbedingungen haben forschende und produzierende Pharmafirmen in der Corona-Krise kompensiert, indem sie eigene Weichenstellungen vorgenommen haben: 84 % haben Digitalisierungsprozesse in ihren Unternehmen vorangebracht, 52 % neue Produkte und Verfahren entwickelt und 34 % die Lieferketten umgestellt.

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