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Interview: Smart Maintenance

Die Instandhaltung der Zukunft – Teil 3

| Redakteur: Dr. Jörg Kempf

(Bild: Dominik Butzmann/T.A. Cook)

Auf dem Weg zur digitalen Transformation suchen Unternehmen nach immer besseren Methoden der Datenerfassung und vor allem -analyse, mit der sie aus zunächst unstrukturierten Informationen entscheidungsrelevante Fakten ziehen können. Im Teil 3 unserer Interview-Serie erläutert Dieter Körner, Partner bei der internationalen Managementberatung T.A.Cook, welchen Einfluss das auf die Instandhaltung der Zukunft hat.

PROCESS: Welche Rolle spielt die Datenauswertung in der Cloud für die Instandhaltung?

Körner: Auf der einen Seite sind große Betreiber daran interessiert, ein möglichst großes Datenvolumen zu generieren, um ihre produktionskritischen Anlagen zu benchmarken und zu optimieren. Auf der anderen Seite entwickeln sich neue Modelle der Zusammenarbeit mit den Anlagenherstellern, wie pay-per-use oder pay-per-performance. Damit verwischen sich die Grenzen zwischen dem Hersteller einer Anlage und dem Betreiber einer Anlage. Deshalb müssen wichtige Fragen geklärt werden: Wem gehören die Daten, wie wird der Datenaustausch gewährleistet und welche Vereinbarungen müssen bei der Verwendung der Daten berücksichtigt werden. Das erfordert natürlich eine Abkehr von den traditionellen Geschäftsmodellen hin zu langfristigen und vertrauensbasierten Partnerschaften. Die Datenauswertung in der Cloud bietet hierbei die Möglichkeit, ein System aus Indikatoren zu nutzen, das zeigt, welche Maßnahmen welche Wirkung entfalten. Auf dieser Basis können dann z.B. Bonus- und Malusregelungen gestaltet werden.

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PROCESS: Wie sehen konkret die Voraussetzungen aus, die Unternehmen dafür schaffen müssen?

Körner: Betreiber und Anlagenhersteller haben ein großes Interesse daran ihr spezifisches Wissen und ihre Kernkompetenzen zu erhalten. Deshalb liegt ein Fokus auf dem sinnvollen und vor allem sensiblen Umgang mit den zur Verfügung stehenden Daten. Dafür müssen vorab Parameter festgelegt werden, wer welche Daten zu welchen Aktivitäten nutzen darf. Als Betreiber möchte ich zum Beispiel nicht, dass ein Hersteller von Pumpen oder anderen Aggregaten steuernd in meine Prozesse eingreift. Hinweise und Empfehlungen sind sinnvoll, sind aber an den Betreiber zur Umsetzung zu übergeben. Denn das Outsourcing von Leistungen hat oft auch zur Folge, dass Kernkompetenzen im Unternehmen verloren gehen. Ähnliches könnte geschehen, wenn Daten und damit verbundenes Wissen ohne ausreichenden Schutz an Externe gegeben werden. Deshalb ist es wichtig, die Frage zu beantworten, welche Daten im Unternehmen verbleiben müssen, um zukünftige Abhängigkeiten zu vermeiden.

PROCESS: Als Experte im Bereich Operational Excellence unterstützen Sie Unternehmen auch bei der Digitalen Transformation. Was raten Sie Ihren Kunden?

Körner: Wir befassen uns intensiv mit den Themen der Digitalisierung und verstehen uns als ‚Digital Implementer‘. Viele Betreiber haben unterschiedliche Herangehensweisen und Schwerpunkte bei der Digitalisierung ihrer Anlagen. Doch die Erfahrung hat gezeigt, dass der Business Case oft nicht klar formuliert ist. Auch konkrete Pläne, wie die praktische Umsetzung in die Prozesse erfolgen soll, fehlen häufig. Wir konzeptionieren für unsere Klienten ihre individuelle „Digital Roadmap“ und helfen diese zu implementieren. Meist wird viel über Technik gesprochen. Aber schlussendlich ist der Mensch, der wesentliche Faktor für eine erfolgreiche Umsetzung. Das erfordert ein Umdenken in den Unternehmen hin zu mehr Transparenz und Einbeziehung der Mitarbeiter bei den digitalen Strategien – diese müssen geschult, vorbereitet und häufig auch beruhigt werden Eine Grundvoraussetzung für erfolgreiche Implementierung sind deshalb klare Strukturen und eine durchlässige Organisationsform, die den Wandel unterstützt, forciert und fordert.

PROCESS: Folgt dann der digitale Instandhalter?

Körner: Bevor man den digitalen Instandhalter fordert, muss man die Prozesse verstehen in denen ein Instandhalter eingebunden ist. Es macht wenig Sinn, punktuell Mobile Devices und Smart Glasses in die Abläufe zu integrieren. Zuvor gilt es, ein solides Fundament, wie z.B. einen optimierten Work Order Management Prozess von der Meldung, über die Planung, bis hin zur Fertigmeldung zu schaffen. Viele Unternehmen machen aber den zweiten Schritt vor dem Ersten und sind enttäuscht von der resultierenden geringen Produktivitätssteigerung.

PROCESS: Also bildet die Digitalisierung die Chance für ein Change Management?

Körner: Umgekehrt, das Change Management ist die Chance für die Digitalisierung. Nur wenn man vorher die Prozesse strukturiert, die Organisationen sauber aufstellt und die Mitarbeiter beteiligt, kann man Digitalisierungsinitiativen erfolgreich angehen. Viele haben Angst vor Veränderungen. Deshalb binden wir die Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Ebenen von Anfang an in den Veränderungsprozess ein. Unsere Expertenkenntnis, Methodik und Tools werden so mit der Unternehmenskenntnis der Mitarbeiter kombiniert. Kreativität und der Transfer in praxisgerechte Lösungen sind gewährleistet. Und das ist genau das, was von einer intelligenten Instandhaltung gefordert wird.

Ergänzendes zum Thema
 
Über Dieter Körner und T.A. Cook

PROCESS: Die Innovationszyklen der Technologien werden immer kürzer. Wie sieht die Instandhaltung in zehn Jahren aus?

Körner: Produktion und Instandhaltung werden noch stärker zusammenwachsen. Mit verbesserter Analytik und Algorithmen wird es der Instandhaltung gelingen, konkrete wertsteigernde Empfehlungen für die Anlagenbetreiber zu geben. Maschinen müssen auch weiterhin gewartet werden, aber mögliche Störungen können frühzeitig prognostiziert und damit ungeplante Ausfälle vermieden werden. Es steckt also noch viel Potenzial in der Instandhaltung. Sie wird vorausschauender, effektiver und kostengünstiger agieren.

Teil 1 und Teil 2 unserer dreiteiligen Interview-Serie lesen Sie hier:

Die Instandhaltung der Zukunft – Teil 1

Interview: Smart Maintenance

Die Instandhaltung der Zukunft – Teil 1

24.06.19 - Anlagen und Fabriken verändern sich angesichts Digitalisierung und Industrie 4.0 grundlegend. Mit zunehmendem Einsatz von intelligenten Sensoren bekommen die Betreiber z.B. weitaus mehr Daten aus der Produktion an die Hand als bisher. Eine der Herausforderungen ist es nun, diese Daten in Informationen, Erkenntnisse und Wissen zu wandeln. Erst damit ist eine intelligente, vorausschauende Wartung und Instandhaltung möglich, die letztendlich eine höhere Anlagenverfügbarkeit bewirkt. Den Weg dorthin – und mögliche Stolpersteine - beschreibt Dieter Körner, Geschäftsführer und Partner von T.A.Cook, in einer dreiteiligen Interview-Serie. lesen

Die Instandhaltung der Zukunft – Teil 2

Interview: Smart Maintenance

Die Instandhaltung der Zukunft – Teil 2

01.07.19 - Marktbedingungen und gesetzliche Rahmenbedingungen haben einen entscheidenden Einfluss auf die Produktion. Ob eine Anlage voll am Limit im Drei-Schicht-Betrieb oder nur im Zwei-Schicht-Betrieb fährt, hat entscheidenden Einfluss auf die Instandhaltungsstrategie. Doch wie identifiziert man die richtige Maintenance-Strategie? Teil 2 unserer Interview-Serie mit Dieter Körner, Geschäftsführer und Partner von T.A.Cook. lesen

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