Elastomer-Dichtungen

Die Herausforderung für Elastomerdichtungen: Reinstwasser, CIP und SIP

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Auf die Temperatur kommt’s an

Generell muss der Konstrukteur oder Anwender berücksichtigen, dass die Beständigkeiten elastomerer Dichtungswerkstoffe von den tatsächlichen Einsatztemperaturen abhängen. So kann eine positive Beständigkeit gegenüber einem abzudichtenden Medium in einem niedrigeren Temperaturbereich durchaus gegeben sein, bei deutlich höheren Temperaturen hingegen nicht. Deshalb ist es schwer, eine vorbehaltlose pauschale Aussage über die Einsatzmöglichkeiten von Werkstoffen zu geben.

COG testet seine Werkstoffe häufig in enger Zusammenarbeit mit Kunden oder versierten Fachunternehmen, um Testergebnisse mit hoher Aussagekraft zu erzielen. Für den Test mit WFI wurden Testringe in eine bestehende Anlage eines namhaften pharmazeutischen Unternehmens eingebaut und getestet. Die dort bisher eingesetzten FDA-konformen Silikon-Dichtungen wurden schon nach kurzer Zeit beschädigt und mussten regelmäßig im zweiwöchigen Turnus ausgetauscht werden. Der getestete Werkstoff Vi 602 wurde als Sterildichtung konzipiert und eingebaut. Die Austauschintervalle konnten deutlich verlängert und eine Optimierung der Anlage hinsichtlich Wartungsfreundlichkeit und Wirtschaftlichkeit erreicht werden.

Diese Art von Referenztests sind für den Anwender und Konstrukteur essentiell wichtig und gehören zu den Kernaussagen, denn die Ergebnisse dieser Versuche verraten dem Fachmann die grundsätzliche Eignung eines Werkstoffs. Deshalb sind diese Tests in der Regel ausreichend, und der Dichtungswerkstoff kann ohne weitere aufwändige Tests direkt eingesetzt werden. Wird der Werkstoff jedoch in Grenzbereichen oder mit erheblichen Abweichungen gegenüber den Testparametern eingesetzt, so ist eine kompetente Beratung der Anwendungstechnik unbedingt zu empfehlen.

Tests unter Realbedingungen

Einlagerungstests oder auch Tests in speziellen Prüfanlagen sind nicht immer ausreichend, da diese die Praxisbedingungen nur simulieren können. Dabei ist es irrelevant, ob es sich bei den neu einzusetzenden Dichtungswerkstoffen um einen Einsatz in Neukonstruktionen oder in Bestandsanlagen handelt. Viele Produktionsanlagen in der Lebensmittel-, Pharmaindustrie und Biotechnologie sind individuell aufgebaut und können nur durch entsprechende Feldversuche unter Realbedingungen direkt vor Ort ein abschließendes Ergebnis liefern und damit eine entsprechende Sicherheit geben. In der Praxis erfolgt der Einbau von Prüfmustern in bestehende Produktionsanlagen oder Prototypen und die Dichtungen werden unter realen Bedingungen, auch über einen üblichen Einsatzzeitraum, getestet. Erst in diesem Praxistest zeigt dann ein neuer Werkstoff das tatsächliche Potenzial für die individuelle Anwendung.

Aus diesem Grund streben einige Dichtungshersteller zunehmend Kooperationen mit Unternehmen entsprechender Branchen an, um ihre Werkstoffe unter realistischen Produktionsbedingungen testen zu lassen. Mit diesen Tests haben auch andere Anwender eine größere Sicherheit, da die Werkstoffe, die sich im ersten Schritt in unabhängigen Laboren und danach unter Praxisbedingungen erfolgreich bewährt haben, in der Regel auch viel versprechende Werkstoffe für eigene Anwendungsgebiete sind.

Fazit

Die Einführung und der Einsatz von modernen Elastomer-Dichtungswerkstoffen muss in der Lebensmittel-, Kosmetik- und Pharmaindustrie professionell begleitet werden. Freigaben nach Lebensmittelrichtlinien, wie FDA oder USP Class VI alleine reichen heutzutage meistens nicht mehr aus. Diese Hochleistungswerkstoffe müssen zudem auch den üblichen Wechselwirkungen im Produktionsprozess standhalten. Eine schwierige Herausforderung, die nur wenige Dichtungswerkstoffe meistern. Herstellerkompetenz, erfahrene Anwendungsberatung und externe, unabhängige Tests bieten optimale Voraussetzungen für ein sicheres und einwandfreies Dichtergebnis.

* Der Autor ist Leiter Anwendungstechnik, C. Otto Gehrckens GmbH & Co. KG, Pinneberg.

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