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CO2-basiertes Methanol Der Run auf CO2-basierten Kohlenwasserstoff hat begonnen

Ein Gastbeitrag von Dusica Banduka* 5 min Lesedauer

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Das Hürther Nova-Institut widmet sich in einer aktuellen Analyse dem Aufstieg von Kohlendioxid als erneuerbare Kohlenstoffquelle. Demnach sollen sich die Kapazitäten von derzeit 1,3 Millionen Tonnen bis 2030 vervierfachen. Vielversprechende Anwendungen reichen von Chemikalien, synthetischen Kraftstoffen und Polymeren bis hin zu Proteinen und Mineralien.

Ein neuer Bericht des Nova-Instituts zeigt das Potenzial von CO2 für Chemikalien, synthetische Kraftstoffe, Polymere, Proteine und Mineralien.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Ein neuer Bericht des Nova-Instituts zeigt das Potenzial von CO2 für Chemikalien, synthetische Kraftstoffe, Polymere, Proteine und Mineralien.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Methanol auf der Basis von CO2 ist derzeit eine der fortschrittlichsten und vielversprechendsten CCU-Technologien zur Herstellung von Kraftstoffen und chemischen Grundstoffen. Diese Technologie kann als Speichersystem für Solar- und Windenergie oder als Ausgangsstoff für erneuerbare Chemikalien (z.B. Formaldehyd) oder Polymere (über die Methanol-to-Olefins-Technologie) verwendet werden. Methanol kann auch als Kraftstoffzusatz verwendet werden und ist auch für die Schifffahrtsindustrie als alternativer Kraftstoff für Schiffe von großem Interesse. Dieser kann Schweröl erfolgreich ersetzen, ohne dass die Motoren ausgetauscht werden müssen.

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Das Nova-Institut hat rund 25 Unternehmen identifiziert, die Methanol auf CO2-Basis entwickeln, meist auf der Grundlage der CO2-Hydrierung, einige von ihnen entwickeln elektrochemische Verfahren. Im Jahr 2011 nahm das Pionier-Unternehmen Carbon Recycling International (CRI) in Island eine Methanol-Pilotanlage mit einer Kapazität von 4.000 t/a in Betrieb. Im Jahr 2022 wurde in China eine neue Anlage in Betrieb genommen, die auf der von CRI lizenzierten Technologie basiert. Zwei weitere neue Anlagen sollen bis 2025 in China und Norwegen in Betrieb genommen werden. Viele andere Technologieanbieter und Unternehmen haben angekündigt, bis 2030 kommerzielle Anlagen zu errichten, die eine Kapazität von 1 Mt/a für CO2-basiertes Methanol erzielen sollen.

Fischer-Tropsch-Technologien in Mittelpunkt

Viele Unternehmen arbeiten an der Nutzung von CO2-basiertem Synthesegas mithilfe von Fischer-Tropsch-Technologien zur Herstellung maßgeschneiderter CO2-basierter Kohlenwasserstoffe wie Kerosin, Diesel, Naphtha und Wachsen. Sie ist eine der derzeit am weitesten entwickelten Technologien zur technischen Nutzung von CO2. Als Schwerpunkt gilt hierbei die Kerosinfraktion, bei der die Quote nachhaltig produzierter Flugtreibstoffe (SAF) entsprechende Projekte extrem vorantreibt, Märkte sichert und hohe Investitionen in den europäischen Chemieparks fördert.

Alle genannten Fraktionen entstehen im Zuge von Fischer-Tropsch-Prozessen, die auch andere Produkte wie Naphtha oder Wachse für die chemische Industrie verfügbar machen. Insbesondere Wachse erzielen gute Marktpreise. Eine der ersten kommerziellen Anlagen auf Basis CO2-basierter Fischer-Tropsch-Kohlenwasserstoffe soll im Jahr 2025 in Betrieb gehen und wird von dem norwegischen Unternehmen Nordic Electrofuel betrieben. Dieses plant, eine Anlage mit einer Kapazität von 10 Ml/a in Betrieb zu nehmen und zukünftig schrittweise zu erweitern. Insgesamt ermittelte das Nova-Institut 15 Unternehmen, die CO2-basierte Kohlenwasserstoffe entwickeln. Bei diesen handelt es sich entweder um Technologieanbieter CO2-basierter Synthesetechnologien, die die Fischer-Tropsch-Technologie für die kommerzielle Herstellung von Kraftstoffen nutzen, um Unternehmen, die Technologien anderer Anbieter nutzen, um aus ihren Emissionen einen Mehrwert zu schaffen, sowie um Konsortialprojekte.

Erweiterung der Palette von Chemikalien auf CO2-Basis

Die biotechnologische CO2-Umwandlung ist nach wie vor von großem Interesse und bietet großes Potenzial zur Herstellung zahlreicher chemischer Grundstoffe und Polymere. Das Nova-Institut hat 13 Unternehmen identifiziert, die im Bereich der biotechnologischen Umwandlung von CO2 in Chemikalien tätig sind. Die Hauptakteure verfügen über ein großes Portfolio und könnten Chemikalien wie Methan, Ethanol, Milchsäure oder Butanol anbieten. Eine der fortschrittlichsten Technologien in diesem Bereich zählt zum Unternehmen Lanza Tech, das derzeit drei kommerzielle Anlagen für Ethanol auf CO2-Basis in China und Belgien betreibt, die für Kraftstoff- und Ethylensynthese verwendet wird. Ein weiteres ist das Unternehmen Electrochaea, das Methan produziert, welches in das Erdgasnetz eingespeist werden kann. Electrochaea verfügt über mehrere Pilotanlagen in Europa und den USA im industriellen Maßstab und will bis 2025 mehr als 320.000 Tonnen Methan pro Jahr produzieren.

In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Verbesserungen bei der elektrochemischen Umwandlung von CO2 in Chemikalien erzielt, was zu einem steigenden Interesse der wichtigsten Akteure und zur Gründung mehrerer Start-ups in diesem Bereich führte. Die Analysten ermittelte 18 Unternehmen, die in diesem Entwicklungsbereich aktiv sind und sich primär auf CO (oder Synthesegas), Methanol, Ameisensäure oder Ethylen konzentrieren. Viele Pilotanlagen sind bereits in Betrieb. Die CO- (oder Synthesegas-) Produktion über diesen Weg wird bald in einer kommerziellen Anlage, kombiniert mit der Fischer-Tropsch-Technologie, zur Herstellung von Kohlenwasserstoffen eingesetzt werden.

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Wichtigste CO2-Nutzung für Polymere

Verschiedene Anbieter machen CO2-basierte Polycarbonate bereits kommerziell erhältlich. Eine der größten verfügbaren Mengen sind aromatische PC, die auf einer von Asahi Kasei lizenzierten Technologie basieren. Die Gesamtproduktionskapazität von etwa 900 kt/a aromatischem PC entspricht ca.16 % der weltweiten Produktionskapazität für aromatisches PC. Darüber hinaus bieten mehrere Unternehmen weltweit aliphatische Polycarbonate wie Polypropylencarbonat (PPC) für eine breite Palette von Anwendungen an. Versionen mit hohem Molekulargewicht werden für thermoplastische Anwendungen eingesetzt, während Versionen mit niedrigem Molekulargewicht als Polycarbonatpolyole verwendet werden und im PU-Sektor als Schaumstoff oder Beschichtung Anwendung finden. Der CO2-Anteil kann bei diesen Polymertypen bis zu 50 Gewichtsprozent betragen. Das nova-Institut hat 14 Unternehmen identifiziert, die CO2-basierte Polycarbonate für verschiedene Anwendungen entwickeln. Diese Unternehmen sind überwiegend in Asien ansässig.

Darüber hinaus wurden fünf Unternehmen ermittelt, die PHA auf CO2-Basis entwickeln, wobei ein Unternehmen, Newlight Technologies, die kommerzielle Kapazität erreicht hat und plant, diese bis 2024 zu erweitern. Viele CO2-basierte Chemikalien können für Polymeranwendungen genutzt werden, zeitgleich arbeiten einige Unternehmen an Projekten, die auf diese Endanwendung abzielen.

Lebens- und Futtermittel aus CO2-basierten Proteinen

Einzellige Proteine (Single Cell Proteins, SCP) beschreiben Mikroorganismen oder isolierte Proteine, die mikrobiell synthetisiert werden. Mikroorganismen sind nicht nur in der Lage, große Mengen an Proteinen (bis zu 70 %) zu produzieren, sondern liefern auch große Mengen an Fettsäuren, Vitaminen und Mineralsalzen. Sie können als Tierfutter und für den menschlichen Verzehr dienen. SCP auf CO2-Basis kann eine vielversprechende Alternative sein, um den wachsenden Proteinbedarf zu decken und gleichzeitig einen Anstieg tierischer Futtermittel für die Proteinproduktion auf Tierbasis zu vermeiden. Das Nova-Institut hat 13 Unternehmen identifiziert, die CO2-basierte Proteine auf der Grundlage biotechnologischer Umwandlung entwickeln. Diese Unternehmen sind überwiegend in Europa und Nordamerika ansässig. Einige Technologien haben den Pilotmaßstab erreicht, während die erste kommerzielle Anlage noch 2023 von dem Unternehmen Solar Foods in Finnland eröffnet werden soll.

Bauen mit CO2-basierten Mineralien

Die Ex-situ-Mineralisierung oder „enhanced rock weathering“ (ERW) kann in Laborumgebungen oder Industrieanlagen eingesetzt werden. Derzeit befinden sich einige Technologien auf dem Markt, die den Karbonisierungsprozess nutzen, um Ersatzprodukte für die Zementindustrie herzustellen. Als Ausgangsmaterial können Industrieabfälle wie Hochofen- und Stahlschlacke dienen. Diese Technologien ermöglichen die Herstellung von Zement mit einem geringeren Kohlenstoff-Fußabdruck als alternatives Bau- und Konstruktionsmaterial. Das Nova-Institut ermittelte 15 Unternehmen, die eine verstärkte auf Gesteinsverwitterung-basierende Mineralisierung entwickeln. Die meisten dieser Unternehmen sind in Europa und Nordamerika ansässig. Einige Technologien haben bereits den kommerziellen Maßstab erreicht, beispielsweise das Unternehmen Green Ore, und werden häufig in Verbindung mit anderen industriellen Abfallquellen eingesetzt. Mehrere andere kommerzielle Anlagen sind bis zum Jahr 2030 geplant.

Referenzen: De la Garza, A. 2023: The Inflation Reduction Act Includes a Bonanza for the Carbon Capture Industry (www.time.com). Last access 23-03-01. https://time.com/6205570/inflation-reduction-act-carbon-capture/

IPCC 2022: Climate Change 2022 Mitigation of Climate Change. Last access 2022-12. https://www.ipcc.ch/report/ar6/wg3/downloads/report/IPCC_AR6_WGIII_FullReport.pdf

Kähler, F., Porc, O., Carus, M. 2023: RCI Report: Carbon Flows. Compilation of supply and demand of fossil and renewable carbon on a global and European level. Renewable Carbon Initiative, February 2023 (Ed.), Download at www.renewable-carbon-initiative.com

* Dipl.-Ec. Dušica Banduka arbeitet als Projektleiterin Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation und Presse beim Nova-Institut.

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