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China Market Insider Darum erschwert Chinas Zoll den Export von Schutzmasken und Test-Kits

| Autor / Redakteur: Henrik Bork* / Dipl.-Medienwirt (FH) Matthias Back

Millionen von Gesichtsmasken und Schutzanzügen können wegen neuer Zollbestimmungen gerade nicht aus China exportiert werden. Auch Beatmungsgeräte, Schutzhandschuhe und Infrarot-Thermometer aus chinesischer Produktion scheitern seit Mittwoch vergangener Woche häufig am Fehlen neuer Papiere für den Zoll. Die Hintergründe lesen Sie auf Process.

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Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.
Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.
(Bild: ©sezerozger - stock.adobe.com)

Peking/China – „Rien ne va plus – nichts geht mehr“: China macht die Export-Grenzen für medizinische Versorgungsgüter nahezu komplett dicht. Die strengeren Zollbestimmungen von China ins Ausland sind eine Reaktion auf den Verkauf teils minderwertiger medizinischer Güter im Land. Die neuen Maßnahmen sollen “inmitten des globalen Kampfes gegen die neuartige Coronavirus-Krankheit (COVID-19) die Qualität der medizinischen Versorgungsgüter sicherstellen”, zitierte Chinas amtliche Nachrichtenagentur Xinhua einen zuständigen Beamten.

Kritiker, darunter viele Unternehmer und Industrieverbände in China, bezeichnen sie als überzogen. Während diese Güter weltweit dringend benötigt werden, stapelten sie sich nun in den Fabriken und Häfen.

Die Zollbeschränkungen sind eine Folge der Teils heftigen Kritik an nutzlosen medizinischen Produkten „made in China”. In Spanien etwa wies eine dringend erwartete Lieferung von Covid-19 Test-Kits der Firma „Shenzhen Bioeasy Biotechnology” massive Qualitätsprobleme auf und wurde postwendend zurückgeschickt.

China verstehe seine wichtige Rolle im Kampf gegen das Coronavirus, wolle dieser aber „mit voller Verantwortung und Integrität” nachkommen, zitierte die Hongkonger Zeitung South China Morning Post den Manager einer Firma, der medizinische Güter aus China nach Afrika verkauft.

Die Kritiker bezeichneten die neuen Zollbestimmungen hingegen als überzogene Reaktion auf einzelne schwarze Schafe und forderten ihre schleunige Aufhebung. „Es ist nicht verhältnismäßig, dass die Regierung bloß wegen einer einzigen Firma eine gesamte Industrie lahmlegt”, zitierte dieselbe Zeitung den Manager einer chinesischen Firma aus der Provinz Jiangsu, die Covid-19-Schnelltests produziert. Die neuen Exportregeln verursachten ihm gerade Einkommensverluste in Höhe von 500 Millionen Yuan (rund 65 Millionen Euro), sagte der Manager.

Während die Zollbestimmungen viele Produzenten medizinischer Hilfsgüter in China betreffen, wirken sie sich besonders hart auf die Hersteller von Covid-19-Test-Kits aus. Als sich das Coronavirus Anfang dieses Jahres trotz des Lockdowns der Millionenstadt Wuhan vermehrt innerhalb von anderen Teilen Chinas ausbreitete, hatten die Zentralbehörden in Peking 23 heimischen Firmen spezielle Lizenzen zum Verkauf dieser Test-Kits auf dem heimischen Markt erteilt.

Seit Mittwoch vergangener Woche ist nur noch diesen 23 Firmen der Export von Covid-19-Tests erlaubt. Ausländische Zertifizierungen, etwa aus den USA oder Europa, sind nicht mehr ausreichend für eine Exportgenehmigung. Dieselbe Regel gilt auch für chirurgische Masken, Schutzanzüge, Ventilatoren und Infrarot-Thermometer.

China ist für viele dieser nun weltweit knapp gewordenen Güter der mit Abstand größte Produzent Viele Krankenhäuser, Gesundheitsbehörden und Konzerne rund um den Globus versuchen derzeit, solche Coronavirus-relevanten medizinischen Bedarfsmittel in China zu kaufen.

Die plötzlich stark gestiegene Nachfrage - zunächst innerhalb Chinas, später dann international - hatte Branchenkennern zufolge innerhalb der vergangenen Wochen nicht nur ein vereinzeltes schwarzes Schaf in Shenzhen, sondern ganze Heerscharen chinesischer Profiteure auf den Plan gerufen.

Viele Produzenten in China, die über Nacht in die Herstellung von Schutzmasken oder Ventilatoren eingestiegen sind, hätten sich lediglich schnell irgendwelche Maschinen gekauft, jedoch keinerlei Erfahrung oder Zulassungen seitens der Behörden vorzuweisen, zitierte das Online-Nachrichtenportal 36k einen medizinischen Großhändler namens Chen Guohua. Nicht nur viele der Produkte seien gefälscht, sondern auch die dazugehörigen Exportlizenzen.

* Der Autor ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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