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Lieferketten der Pharmabranche Corona-Pandemie macht Abhängigkeiten der Pharmaindustrie sichtbar

| Autor / Redakteur: Michael Wallraven / Wolfgang Ernhofer

Die europäische Pharmaindustrie hat jahrelang Produktion nach Asien und auf andere Kontinente ausgelagert. Nach dem Ausbruch des neuartigen Coronavirus wird die Abhängigkeit der Branche von diesen Ländern extrem sichtbar. Doch wie ist die Situation in den Lieferketten der Pharmabranche aktuell?

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Michael Wallraven, Geschäftsführer der LLamasoft Deutschland, ist Experte zum Thema internationale Lieferketten.
Michael Wallraven, Geschäftsführer der LLamasoft Deutschland, ist Experte zum Thema internationale Lieferketten.
(Bild: Llamasoft)

Im Zusammenhang mit der Corona-Krise wird aktuell viel über die Konsequenzen für verschiedenste Lieferketten geschrieben. Gerade die langfristige Verfügbarkeit von Lebensmitteln, Hygiene- und Arzneimitteln wird von den Verbrauchern stark angezweifelt, was sich an den vielen Hamsterkäufen zeigt. Die das Angebot übersteigende Nachfrage nach Mundschutzmasken, Schutzkleidung und Handdesinfektionsmitteln wurde rasch sichtbar und besorgte die Bevölkerung. Aktuell ist zudem in vielen deutschen Apotheken der Wirkstoff Paracetamol vergriffen. Bereits zu Beginn der Krise wurde so spürbar, wie unverzichtbar einige Länder Asiens für viele Branchen geworden sind.

Es mangelt an alternativen Bezugsquellen

In der Pharmaindustrie ist China neben Indien oft die einzige Bezugsquelle, besonders bei frei verkäuflichen, sogenannten Over-the-Counter-Produkten und im Generika-Umfeld. 90 % aller Wirkstoffe für Generika werden aktuell in China hergestellt. Bei den noch geschützten Medikamenten kommen Schätzungen nach zu urteilen etwa 50 % der Wirkstoffe aus China. Insgesamt spricht der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie derzeit von Wirkstoffen für 136 verschiedene Arzneimittel, darunter auch Antibiotika, die aus China bezogen werden. Auch wenn Indien sich als alternative Quelle für generische oder rezeptfreie Medikamente etablieren könnte, hängt die Branche noch immer stark von chinesischen Lieferungen, Wirkstoffen und wichtigen Ausgangsmaterialien ab.