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Wie Rafael Moure-Eraso, Vorsitzender des U.S. Chemical Safety Boards (CSB), in einem Bericht erläutert, musste der Prozess zur Herstellung des Pflanzenschutzmittels Methomyl bereits einige Tage vor dem Störfall unterbrochen werden, da in einen Lagertank von Methylmercaptan Wasser eingedrungen war.
Als das Problem mit dem Wasserleck und der Chemikalienverdünnung behoben schien und die Produktion wiederaufgenommen werden sollte, traten erneut Probleme auf. Die Zufuhrleitung aus dem Methylmercaptan-Tank war verstopft, da sich in der Rohrleitung ein Feststoff durch Reaktion des Methylmercaptans mit Wasser gebildet hatte. Im weiteren Verlauf der erneuten Problembehebung drang die Chemikalie unbemerkt in ein mit der Rohrleitung verbundenes Lüftungssystem ein.
Die genauen Umstände, wie dieses Leck entstehen konnte, sind bislang noch nicht geklärt. Auf diesem Weg gelang das Methylmercaptan in die Produktionshalle, da das Lüftungssystem routinemäßg über eine Armatur geöffnet wurde, um eine Flüssigkeit aus dem System abzuleiten, die sich aufgrund technischer Defizite regelmäßig in der Lüftung bildete.
Da dieser Vorgang von den Mitarbeitern manuell und nicht in ein geschlossenes System durchgeführt wurde, konnte das Methylmercaptan unkontrolliert in die Produktionshalle eindringen und dort mit der Luft ein tödliches Gas bilden. Aus Sicht von Moure-Eraso hätte der Störfäll in La Porte verhindert werden können, wenn in den USA die gleichen Sicherheitsvorschriften wie in Europa gelten würden.
Wie beide Beispiele zeigen, bleiben ungeplante Anlagenstopps eine große Gefahrenquelle, die nur von einem bestmöglich geschulten Personal zu bewältigen ist.
* Der Autor ist freier Mitarbeiter der PROCESS. Kontakt: redaktion@process.de
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