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Aus Chemieunfällen lernen

Chemieunfälle – Mehr Aufklärung erwünscht

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Durch diese Entscheidung wurde die Stickstoff-Zugabe in die Flüssigkeit gestoppt. Zwar fiel die Temperatur im unteren Teil des Reaktors innerhalb von vier Minuten relativ schnell, allerdings führte die fehlende Flüssigkeitsbewegung zur Zersetzung der organischen Peroxide im oberen Teil des Reaktors. Infolgedessen stieg die Temperatur der Flüssigkeit dort stetig an. Knapp 50 Minuten später ertönte ein Warnsignal des Temperaturkontrollsystems. Die Mitarbeiter nahmen aber an, dass dies auf die Gasphase über der Flüssigkeit zurückzuführen sei.

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Nach weiteren 30 Minuten beschleunigte sich die Zersetzung des organischen Peroxids, wodurch Temperatur und Druck nochmals abrupt anstiegen. Das Druckventil öffnete sich zwar vollständig, der Druckanstieg war aber so stark, dass der Reaktor nur wenige Minuten später – 2 Stunden und 55 Minuten nach dem Shut-Down der Anlage – explodierte.

Der Chemieunfall kostete einem Menschen das Leben, 25 weitere Menschen wurden verletzt. Mitsui Chemicals entschied sich später dazu, die Resorcin-Produktion aus ökonomischen Gründen einzustellen. Die Umsatzeinbußen durch den Unfall bezifferte das Unternehmen auf 68 Millionen US-Dollar für das Geschäftsjahr 2012/2013.

Für Shut-Downs geschult?

Die Ereignisse des Störfalls warfen schnell die Frage auf, warum die Mitarbeiter die Reaktion während des Anlagenstopps nicht unter Kontrolle bringen konnten. Vor allem der plötzliche, durch die Probleme mit der Dampfversorgung hervorgerufene Shut-Down der Produktionsanlage könnte die handelnden Personen überfordert haben. Waren die Anlagenfahrer für Anlagenstopps ausreichend geschult und trainiert?

Wir bleiben für Sie am Ball! „Bad news are good news “ - diese alte Journalistenweisheit bestätigt sich auch bei Chemieunfällen jeglicher Art. Diese Erfahrung machen wir auf process.de immer wieder, wenn unsere Zugriffszahlen in die Höhe schnellen. Doch die Eilmeldung, dass etwas passiert ist, ist nur das eine. Höher zu werten ist das „Warum“. Leider braucht man hier oft einen langen Atem – die Mühlen der Ursachenforschung mahlen langsam. Doch auch diesen journalistischen Auftrag haben wir uns auf die Fahne geschrieben. Wir bleiben für Sie mit regelmäßigen Übersichtsbeiträgen wie dem vorliegenden am Ball – versprochen! Dr. Jörg Kempf, stellvertretender Chefredakteur
Wir bleiben für Sie am Ball! „Bad news are good news “ - diese alte Journalistenweisheit bestätigt sich auch bei Chemieunfällen jeglicher Art. Diese Erfahrung machen wir auf process.de immer wieder, wenn unsere Zugriffszahlen in die Höhe schnellen. Doch die Eilmeldung, dass etwas passiert ist, ist nur das eine. Höher zu werten ist das „Warum“. Leider braucht man hier oft einen langen Atem – die Mühlen der Ursachenforschung mahlen langsam. Doch auch diesen journalistischen Auftrag haben wir uns auf die Fahne geschrieben. Wir bleiben für Sie mit regelmäßigen Übersichtsbeiträgen wie dem vorliegenden am Ball – versprochen! Dr. Jörg Kempf, stellvertretender Chefredakteur
(Bild: PROCESS)

Zudem zweifeln die Autoren des Journals an der Annahme, dass die Notabschaltung einer Anlage grundsätzlich eine sichere Vorgehensweise ist. In ihrer Untersuchung kamen sie zu dem Ergebnis, dass dem Chemieunfall kein kompletter Shut-Down vorangegangen war, um eine zügige Wiederaufnahme des Prozesses zu ermöglichen. Hätte man die Reaktion vollständig abgebrochen und den Produktionsverlust in Kauf genommen, wäre der Reaktor wohl nicht explodiert.

Beispiel Dupont

Welche verheerenden Folgen ein ungeplanter Shut-Down auslösen kann, mussten auch die Mitarbeiter von Dupont in einem Werk in La Porte im US-Bundesstaat Texas miterleben. Aus einer Chemieanlage traten am 15. November 2014 über 10 000 kg flüssiges Methylmercaptan aus. Der Unfall kostete vier Menschen das Leben.

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