Chemieparks in China Chemieparks in China ziehen weltweit Investitionen an

Redakteur: Jon Augestad

Milliardeninvestitionen sind in den letzten Jahren in Chinas Chemieparks geflossen und haben eine leistungsstarke chemische Industrie entwickelt, die nicht nur Basischemikalien, sondern zunehmend Feinchemikalien und Spezialitäten herstellt. Bei den Konzepten haben häufig europäische oder amerikanische Standorte Pate gestanden.

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Die wichtigsten Chemieparks Chinas im Überblick:

Tianjin Economic and Technological Development Area (TEDA)

TEDA wurde unter den ersten nationalen Entwicklungszonen bereits im Jahre 1984 gegründet, 40 km von Tianjin and 120 km von Peking entfernt. Ihre ursprüngliche Planungsfläche betrug 33 Quadratkilometer und ist derzeit fast komplett entwickelt. 2005 erhielt TEDA die Genehmigung für die Entwicklung einer weiteren Zone, TEDA West auf einer Fläche von 48 Quadratkilometer. Die Hauptindustriezweige der Zone umfassen derzeit Telekommunikation (61 Prozent), Maschinenbau, insbesondere Automobilindustrie (25 Prozent), Biopharmazeutika (5 Prozent) und Lebensmittelindustrie (6 Prozent). Darüber hinaus hat die TEDA Verwaltungskommission drei spezialisierte Industrieparks eingerichtet: Microelectronics Industrial Park (4,6 Quadratkilometer), Yatsen Scientific and Industrial Park (10 Quadratkilometer) und Chemical Industrial Park (27 Quadratkilometer). Weiterhin liegen die Tianjin Export Processing Zone (2,5 Quadratkilometer) und der Tianjin University Scientific and Technological Park in deren Zuständigkeit.

Von 2004 bis 2005 stieg das BIP in dieser Zone um 25 Prozent auf 64,2 Milliarden Renminbi. Die Wertschöpfung der Sekundärindustrie erhöhte sich um 29 Prozent auf 54,1 Milliarden RMB und des Dienstleistungssektors um 4,1 Prozent auf 10,1 Milliarden Renminbi. Die Einwohnerzahl in TEDA betrug Ende 2005 105000. Ende Mai 2006 erreichten die Gesamtinvestitionen der insgesamt 4190 ausländischen Firmen hier ca. 30 Milliarden Dollar. Die Gesamtzahl der inländischen Investoren lag Ende 2005 bei 9185; ihre Gesamtinvestitionen betrugen ca. 42 Milliarden Renminbi. Die sektoralen Prioritäten im Hinblick auf die industrielle Entwicklung liegen in der High-Tech-Industrie und im Dienstleistungssektor.

Die Tianjin Economic and Technological Development Area (TEDA) ist verkehrsseitig regional, national sowie international gut erschlossen. Tianjin gehört zu den Bahnverkehrsknoten Chinas und hat einen internationalen Flughafen. Außerdem besteht eine Anbindung an das nationale Autobahnnetz, und die Entfernung bis zu Tianjins internationalem Hafen beträgt nur 5 Kilometer.

TEDA folgt dem „getrennten Verwaltungskommissions- und Entwicklungsgesellschafts-Modell“, wobei die TEDA Investment Holding die Rolle der Entwicklungsgesellschaft übernimmt. Die Geschäfte der Holding bestehen in der Entwicklung der Grundstücke, dem Aufbau der Infrastruktur und dem Betrieb der öffentlichen Ver- und Entsorgungseinrichtungen (Wasser, Abwasser, Strom, Dampf, Gas). Die TEDA Verwaltungskommission ist laut ISO 14001 zertifiziert und der Öko-Plan von TEDA, der besonders Maßnahmen für Wasser- und Abfallrecycling beinhaltet, wurde 2003 durch die State Environmental Protection Administration SEPA genehmigt.

Der TEDA Chemiepark (CIP) wurde 1996 als Satellitenzone gegründet. Von der gesamten Planungsfläche von 27 Quadratkilometern wurden bis April 2006 ca. 2,5 Quadratkilometer besiedelt. Zuständig für die Entwicklung des Parks ist die TEDA CIP, ein Staatsbetrieb, der unter der TEDA Verwaltungskommission agiert. TEDA CIP ist verantwortlich für die Investitionsförderung, das Bereitstellen der Umweltinfrastruktur, die Organisation des Sicherheitsmanagements und die Durchführung der Umwelt- und Sicherheitskontrollen.

Die Investitionsförderung wird durch die begünstigten politischen Rahmenbedingungen auf drei Ebenen unterstützt. TEDA CIP folgt der nationalen Circular Economy-Initiative und fördert die Ansiedlung von Firmen, die Reststoffe weiterverarbeiten. Darüber hinaus gelten auch hier die allgemeinen Steuerbegünstigungen der TEDA, und den attraktiven Investitionsvorhaben werden günstigere Flächennutzungsrechte angeboten. Zurzeit bildet TEDA CIP noch keinen Infrastrukturverbund, sondern der Park ist an die öffentlichen Versorgungsnetze (Strom, Wasser, Dampf) angeschlossen. Eine Kläranlage für die industriellen Abwässer ist derzeit im Bau und die Errichtung eines parkeigenen Heizwerks geplant. Die Industrieabfälle werden durch von den Firmen beauftragte Entsorgungsbetriebe beseitigt. Gegenwärtig hat jedes Unternehmen noch sein eigenes Notfallschutzsystem, aber die Integration dieser Systeme wird angestrebt.

Die Präferenz dieses Chemieparks ist die Entwicklung der Feinchemikalienindustrie. Die Gesamtzahl der Investoren betrug im April 2006 29, von diesen haben bereits fünf mit der Produktion begonnen, während sich die anderen Anlagen noch in der Bauphase befinden. Zu den inländischen Investoren gehören u. a. Tianjin Zhongwei Pharmaceutical (Vitamin B1), Tianjin DEK Chemical (Farbstoffe und Pigmente), Suanhuan Lucky New Materials Inc. mit der Produktion von gesinterten Magneten und Cenway Technologies, spezialisiert auf Kräuterextrakte und Spezialchemikalien.

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Neben den chinesischen Firmen dominieren in TEDA CIP Investoren aus Japan und den USA in Form von Joint-Ventures (JV) und „wholly foreign companies“ mit eigenen Direktinvestitionen (FDI). Zu den amerikanischen Investoren gehören das JV Cabot Chemical (Tianjin) , mit der Gesamtinvestition von 60 Millionen Dollar, das Carbon Black herstellt, und die FDI PQ (Tianjin) Silicates Technology, mit einer Gesamtinvestition von 8,4 Millionen Dollar, die Silicate produziert. Die Japaner sind präsent in den JVs Tokai Carbon Tianjin (50 Millionen Dollar), Tianjin Toho Lead Recycling (4,75 Millionen) und Tianjin Cosmo Polyurethane (258 Millionen Renminbi).

Tokai Carbon hat eine Produktionskapazität von 40000 Tonnen pro Jahr Carbon Black, Tianjin Toho von 12000 Tonnen pro Jahr Sekundärbleigemischen, und Tianjin Cosmo ist auf Polyether- und Polyurethanharze fokussiert. Zu den FDIs der Japaner zählt Tianjin Sekisui Plastics (5,6 Millionen Dollar), die Piocelan, einen Harzverbundwerkstoff von Polyethylen und -styrol, produziert. Zu den Recyclingunternehmen am Standort gehört Taiding (Tianjin) Environment Technology, die 30.000 Tonnen jährlich Elektro- und Elektronikabfall verwerten kann. 2005 stieg die Industrieproduktion in TEDA CIP auf 263 Millionen. Im April 2006 waren die zwischenbetrieblichen Wertschöpfungsketten am Standort jedoch noch wenig entwickelt. Um den Produktionsverbund weiter auszubauen, zählen u. a. die Down-Stream-Produzenten zu den zukünftigen Zielkunden des Chemieparks.

Shanghai Chemical Industry Park (SCIP)

Die Errichtung des Shanghai Chemical Industry Park SCIP als eine spezifische Zone mit Fokus auf die Petrochemie begann 2001. SCIP liegt 50 Kilometer von Shanghai entfernt an der Hangzhou Bay. Die Planungsfläche des Parks beträgt 29,4 Kilometer und wird in drei Phasen entwickelt. Auf Grund der Knappheit an freien Flächen in Shanghai musste das Land für die Bauphasen 1 und 3 vom Meer zurückgewonnen werden. Am weitesten entwickelt ist derzeit das Areal für Phase 1, dessen Grundstücke zum großen Teil von ausländischen und besonderes von deutschen Investoren gemietet wurden.

Zu den Direktinvestitionen gehören die BASF-Anlagen für 80000 Tonnen pro Jajr an THF, 60000 Tonnen pro Jahr Poly-THF und 8000 Tonnen jährlich an Polyisocyanat mit Gesamtinvestitionen von ca. 335 Millionen Dollar, die Degussa-Anlagen für 9000 Tonnen jählich an Polyester und 8500 Tonnen jährlich an Colorants mit Gesamtinvestitionen von ca. 36 Millionen Dollar sowie der geplante Komplex für 100000 Tonnen jährlich an Methylmethacrylat und Plexiglas-Spezialitäten und ebenso die britische LUCITE-Anlage für 90000 Tonnen jährlich an Methylmethacrylat mit Gesamtinvestitionen von 110 Millionen Dollar.

Für den integrierten Standort von Bayer ist eine Gesamtinvestition von 1,8 Milliarden Euro geplant. Der Bayer-Standort hat bzw. baut Produktionskapazitäten von 10000 Tonnen Polyisocyanat jährlich, 200000 Tonnen Polycarbonat jährlich, 200000 Tonnen Bisphenol A jährlich, 172000 Tonnen Diphenylcarbonat jährlich , 230000 Tonnen Methylendiisocyanat jährlich und 150000 Tonnen TDI jährlich. Der Bau der meisten Anlagen begann 2003/04. Die Inbetriebnahme war 2005/06. Der Start der Methylmethacrylat-Anlage von Degussa ist für 2009 geplant. Die Methylendiisocyanat- und TDI-Anlagen von Bayer sollen 2008 die Produktion aufnehmen.

Als Joint-Ventures wurden auf dem Areal der ersten Ausbaustufe der Cracker (900000 Tonnen Ethylen jährlich) von Shanghai SECCO Petrochemical Co. (Joint Venture von SINOPEC, SPCc und BP) für 2,73 Milliarden Dollar, die Isocyanatanlage von Shanghai Lianheng Isocyanates (Join-Venture von GPCd, SHYGe, SCACCf, BASF und Huntsman) für 1,12 Milliarden Dollar, die Bisphenol-A-Anlage (120000 Tonnen jährlich) von Shanghai SINOPEC Mitsui Chemicals (Join Venture von SINOPEC und MGCg) sowie die Formaldehydanlage (80000 Tonnen jährlich) von Shanghai Shenxing Chemical Industrial errichtet. Neben den ausländischen Investoren haben die inländischen Unternehmen SCACC, GPC und SHYG auch eigene Anlagen für die Produktion von PVC, Aceton, ABS, SBR, PVDF und HFA errichtet.

Das Areal der zweiten Ausbaustufe mit einer Fläche von 13,4 Quadratkilometer ist hauptsächlich für die Down-Stream-Kunden der Unternehmen von Areal 1 geplant, d. h. für die Investitionen in Feinchemikalien und Derivaten. Gegenwärtig stehen diese Grundstücke noch weitestgehend leer und die SCIP Development Co. ist auf der Suche nach potenziellen Investoren, um den Produktionsverbund am Standort weiter auszubauen. Die Reagenzienanlage von TCI (Shanghai) Development aus Japan mit einer Direktinvestition von 70 Millionen Dollar ist bereits in Betrieb gegangen. Die Erschließung für das Areal 3 wurde 2004 beendet und die Grundstücke sind für bereits identifizierte Großinvestoren reserviert. Zu den einzurichtenden Anlagen gehören ein Cracker, eine Raffinerie, ein gasbetriebenes Kraftwerk und ein Hafen.

Ähnlich wie der Tianjing-Chemiepark (TEDA) wird auch der Shanghai-Chemiepark (SCIP) nach dem „getrennten Verwaltungskommissions- und Entwicklungsgesellschafts-Modell“ gemanagt. Dabei ist das SCIP Administration Committee (SCIPAC) verantwortlich für das Projektgenehmigungsverfahren und die Koordination der Geschäfte zwischen der Stadtverwaltung, SCIP und SCIP Development Co. Ltd. (SCIPDC) für die Entwicklung und den Bau der Infrastruktur sowie der Ver- und Entsorgungseinrichtungen, die Investorensuche und Grundstücksvermietung. SCIPDC ist ein Staatsbetrieb, dessen Anteile hauptsächlich die Unternehmen am Standort halten.

Für den Bau und Betrieb der Ver- und Entsorgungseinrichtungen hat SCIPDC zahlreiche Joint-Ventures mit großen ausländischen Firmen gegründet. Dazu zählen das Wasserwerk für 340 Millionen Renminbi und die Kläranlage für 398 Millionen Renminbi mit Sino-French Water Development, eine Tochter der Suez Gruppe aus Hongkong, und die Abfallverbrennungsanlage für 510 Millionen Hong Kong Dollar mit Swire SITA Waste Services unter Suez Gruppe und der New World Gruppe aus Hongkong. Außerdem wurden als ein 70:30 Join-Venture das Heizkraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung mit Singapore SembCorp Utilities für 2,81 Billionen Renminbi und das Anleger- und Tanklager für 210 Millionen Dollar mit Vopak aus den Niederlanden errichtet. Mit Industriegasen werden die Produzenten im SCIP von Sinopal, einem Join-Venture zwischen Air Liquide und Praxair mit der Investition von 120 Millionen Dollar, versorgt Alle Einrichtungen sind 2004/06 in Betrieb gegangen. Damit wächst im Shanghai Chemiepark auch ein starker Infrastrukturverbund. Ein zukünftiges Ziel am Standort stellt ebenfalls die Integration des Umweltschutzes und die weitere Umsetzung der „Circular Economy“-Strategien dar.

Chinas Öko-Industrieparks: Pilotprojekte für nachhaltige Entwicklung und Kreislaufwirtschaft

Nachhaltige Entwicklung, Kreislaufwirtschaft und Verbundstandorte spielen auch für Chinas Volkswirtschaft eine maßgebliche Rolle. Zahlreiche neue Gesetze sollen umsetzen, was in den westlichen Ländern längst zum Standard gehört: Ressourceneinsparung, Umweltschutz, Sicherheit. Das explosive Wirtschaftswachstum und der erhöhte Lebensstandard sowie das Bevölkerungswachstum und die ungleichmäßige regionale Ressourcenverteilung bei Fehlen einer Strategie für nachhaltige Entwicklung haben in den letzten Jahrzehnten in China zu regionalen Ressourcenknappheiten bei Rohstoffen, Energie und Wasser und zu erheblicher Umweltverschmutzung und -zerstörung geführt. Die Regierung hat das Problem erkannt und beschloss 2002 offiziell die „Circular Economy“ (Kreislaufwirtschaft) als neue umfassende Entwicklungsstrategie, die das kontinuierliche Wirtschaftswachstum durch erhöhte Ressourcenproduktivität und Ökoeffizienz bei Produktion und Konsum ermöglichen soll.

Der Staatsrat hat für die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft in der zukünftigen Wirtschaftsentwicklung ein zusätzliches Signal gegeben, als er 2004 die Aufgabe der Förderung von der State Environmental Protection Administration (SEPA) auf die National Development und Reform Commission (NDRC) übertrug.

Seit 2000 wird das Konzept der „Circular Economy“ in China auf drei Ebenen umgesetzt: auf der Mikro- bzw. Firmenebene in Form von „Cleaner Production“ (Cleaner Production Promotion Law 2003), auf der Meso- bzw. Industrieparkebene in Form von „Eco-Industrial Parks EIPs)“ und auf der Makroebene in Form von „Eco-Cities und -Provinces“.

Auf der Industrieparkebene erstellt ein Umweltforschungsinstitut teilweise in Zusammenarbeit mit der Industrieparkverwaltung einen Öko-Plan für den jeweiligen Park in Anbetracht der regionalen Beschränkungen und Chancen. Diese Pläne befassen sich nur mit der industriellen Produktion und konzentrieren sich hauptsächlich auf die inner- und zwischenbetrieblichen technologischen Maßnahmen, wie z.B. Energiekaskadierung, gemeinsame Nutzung der Infrastruktur, Austausch der Nebenprodukte und Recycling der Abfälle sowie auf die ökonomischen Instrumente, wie beispielsweise Subventionen für Umweltinvestitionen oder Preisgestaltung für Ressourcen. Nachdem der Öko-Plan durch die State Environmental Protection Administration genehmigt ist, bekommt der Park den Status eines „Öko-Industrieparks“. Im Mai 2006 trugen bereits 16 Industrieparks in China dieses Label (siehe Tabelle 1).

In Kürze soll mit der Prüfung der Implementierung der Öko-Pläne gemäß den 2006 festgelegten „Standards for EIPs in China“ begonnen werden. Trotz einiger erfolgreicher Pilotprojekte (z.B. TEDA /Tianjin Economic and Technological Development Area und Dalian-ETDZ / Economic and Technolocical Development Zone) ist deren Implementierung u. a. auf Grund der Vernachlässigung der wirtschaftlichen Aspekte nur langsam fortgeschritten. Mit dem Ziel der effizienteren Implementierung findet gegenwärtig ein langsamer Paradigmenwechsel bzgl. der Kreislaufwirtschaft statt. Dabei wird „Circular Economy“ nicht mehr als Ansatz für Recycling angesehen, sondern eher als eine Strategie für die Anpassung der industriellen Struktur, Entwicklung neuer Technologien und Reformation der Industriepolitikh. Das „Circular Economy Promotion Law“ befindet sich derzeit in der Entwurfsphase und wird voraussichtlich 2007 oder 2008 in Kraft treten.

Quelle: Dechema

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