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Länderreport Polen

Chemieindustrie beim Nachbarn

| Autor / Redakteur: Heiko Steinacher, Germany Trade and Invest / Wolfgang Ernhofer

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(Bild: wikimedia commons)

Nach überstandener Wirtschaftskrise geht es mit der Chemieindustrie wieder bergauf. Auch die Polnischen Unternehmen haben sich größtenteils erholt und erwarten Umsatzsteigerungen für 2012. Deutsche Unternehmen bleiben wichtige Lieferanten und Handelspartner.

Warschau – Nach einem bereits guten Vorjahr soll sich der Chemiemarkt in Polen 2012 weiter erholen, unter anderem durch eine erhöhte Nachfrage nach leichten Polymeren. Davon können deutsche Unternehmen profitieren, da einheimische Anbieter den Bedarf an Spezialkunststoffen nicht decken können. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Chemikalien in Polen ist mit 35 bis 40 Prozent des EU-Durchschnitts noch niedrig. Nach mehreren gescheiterten Anläufen will die Regierung den Chemiesektor bis Herbst 2013 nun vollständig privatisieren.

Marktentwicklung/-bedarf

Der Jahresumsatz mit Chemikalien ist 2011 nach Schätzungen der Polnischen Kammer für die Chemische Industrie um beachtliche 12 Prozent gestiegen. Einige Sparten, wie die Bauchemie, rechnen auch in diesem Jahr noch einmal mit Zuwachs. Allerdings werden die

dank der Fußball-EM in den letzten Jahren stark forcierten Infrastrukturinvestitionen 2012 einknicken. Der Wirtschaftsbau erholt sich zusehends, der Wohnungsbau dagegen nur zögerlich. Lieferanten fertiger Kunststoffprodukte wie Fenster-, Türrahmen und Bodenbeläge blicken aber angesichts der gestiegenen Anzahl der Baugenehmigungen (2011: +2 Prozent, Zuwachs vor allem im 2. Halbjahr) wieder optimistischer nach vorn.

Farben, Lacke und Kunststoffe

Anbieter von Farben und Lacken sowie von industriellen Kunststoffen leiden nach wie vor unter Bestellrückgängen seitens der Kfz-Konzerne. Zwar investieren einige Zulieferer in Kapazitätserweiterungen, doch halten sich die Autobauer im Land zurück. Manche Kunststoffe in Primärformen weisen hohe Wachstumsraten auf - etwa solche auf Basis von Polyethylen. Der anhaltende Trend zur Leichtbauweise sorgt für einen hohen Bedarf an Rohrsystemen, Energie- und Kommunikationskabeln aus hochwertigen Polymeren. Polymere, Epoxidharze und Polyamide in Grundformen werden in größeren Mengen im Land hergestellt. Dagegen ist Polen bei Polyamidkunststoffen, aber auch bei expandierendem Polystyrol, Polyethylen und Polypropylen auf Lieferungen aus dem Ausland angewiesen.

Zu Kunststoffgroßabnehmern entwickelten sich in den letzten Jahren die Flachbildschirmhersteller. Die Nachfrage nach solchen Geräten soll in den nächsten drei Jahren weltweit um circa 3 Prozent pro Jahr zulegen. Ebenfalls Bedarf an Kunststoffen haben die Produzenten elektrischer Hausgeräte. Diese sind von der Stagnation im Wohnungsbau zwar betroffen, doch profitieren sie von der zunehmenden Nachfrage nach Geschirrspülern, Waschmaschinen und Kühlschränken aus polnischer Fertigung sowohl in West- als auch in Osteuropa.

In einigen technischen Einsatzbereichen benötigt Polen weiterhin große Mengen an speziellen Gummierzeugnissen. Der Bedarf an Gummi für die Reifenproduktion ist indes angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage des Kfz-Sektors zurückgegangen.

Pharmaprodukte

Polens Pharmamarkt kletterte 2011 um rund 4 Prozent (2010: +2 Prozent). Der Apothekenmarkt (in Einzelhandelspreisen) wuchs auf 22 Milliarden bis 22,5 Milliarden Zloty an (Zl; rund 5,3 Milliarden bis 5,5 Milliarden Euro; durchschnittlicher Wechselkurs 2011: 1 Euro = 4,12 Zl). Das Segment der (teilweise) erstattungsfähigen Arzneien legte 2011 um 3,5 Prozent auf etwa 17 Milliarden Zl und der Bereich der Over-the-counter (OTC)-Medikamente um knapp 7 Prozent auf 7,9 Milliarden Zl zu.

Kooperationen

Die Potenziale für die Zusammenarbeit mit polnischen Chemieunternehmen sind vielfältig. Meist gibt es dabei einen direkten Umweltbezug - zum Beispiel durch Energieeinsparung. So arbeitet die BASF eng mit dem Hersteller von Isolationsmaterialien Termoorganika zusammen. Auch bei der schadstoffintensiven Produktion von anorganischem Dünger ist deutsches Know-how gefragt (mit dem Ziel der Emissionsreduzierung). Da Polen angesichts seiner starken Kohleabhängigkeit auf moderne Carbon Capture Storage (CCS)-Anlagen zur Abscheidung von CO2 setzt (bisher zwei Pilotprojekte), können sich ebenso im Zusammenhang mit sauberen Kohletechnologien weitere Kooperationsmöglichkeiten ergeben.

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