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GTAI „Branche kompakt“

Chemiebranche in den USA schaltet einen Gang zurück und stagniert in Großbritannien

| Redakteur: Alexander Stark

In der Reihe „Branche kompakt“ liefert die Außenwirtschaftsagentur der Bundesrepublik Deutschland (GTAI) Analysen zu wichtigen Abnehmerbranchen der deutschen Exportwirtschaft. Aktuelle Berichte gehen dabei auf die Lage der Chemiesektoren in den USA und Großbritannien ein.

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Laut dem Verband American Chemistry Council (ACC) wird die US-Chemieindustrie 2019 um 2,5% und 2020 um rund 3% zulegen.
Laut dem Verband American Chemistry Council (ACC) wird die US-Chemieindustrie 2019 um 2,5% und 2020 um rund 3% zulegen.
(Bild: Dow Chemicals)

Berlin – Mit Bezug auf die Zahlen des American Chemistry Council (ACC) berichtet die Außenwirtschaftsagentur GTAI, dass die US-Chemieindustrie 2019 um 2,5 % und 2020 um rund 3 % zulegen wird. Die Prognose für das laufende Jahr liegt damit über einen %-Punkt unter den Erwartungen von 2018. Dennoch soll das Branchenwachstum von 2020 bis 2024 über dem der US-Gesamtwirtschaft liegen.

Eine wichtige Antriebsfeder ist dem Bericht „Branche kompakt“ zufolge die anhaltend gute oder zumindest befriedigende Konjunktur in inländischen Endverbrauchermärkten, wie dem Kfz-Sektor. Der wieder anziehende Wohnungs- und anhaltend starke Wirtschaftsbau, vor allem in den Großstädten, seien gute Nachrichten für Anbieter von Farben und Lacken. Die US-Nachfrage danach soll bis 2023 pro Jahr im Schnitt um moderate 2 % steigen.

Angetrieben durch die Petrochemie, insbesondere die Förderung von Öl und Gas aus Schiefergestein, sollen die Investitionen in der chemischen Industrie 2019 insgesamt um 5,4 % und 2020 um 4,9 % steigen. US-Produzenten investieren auch weiterhin in das Fracking. Allerdings haben die Produzenten mit verbilligtem Öl und Gas sowie den Sonderzöllen auf Stahl und Aluminium zu kämpfen. Diese verteuern den Bau von Pipelines und Bohrausrüstungen.

Die US-Produktion von anorganischen und petrochemischen Chemikalien sowie Kunstharzen, Kunstfasern und Synthesekautschuk soll laut ACC im Jahr 2019 um 4,8 % und 2020 um 4,3 % zunehmen. Das Wachstum bei Spezialchemikalien (2018: 3,7 %) soll sich im laufenden Jahr auf 2,2 % abschwächen.

Einen Wachstumsmarkt haben die Analysten beim chemischen Kunststoffrecycling ausgemacht: Ein 2019 veröffentlichter ACC-Bericht beziffert das wirtschaftliche Potenzial durch fortgeschrittene Kunststoffrecycling- und -verwertungstechnologien in den USA mit fast 9 Milliarden Euro. Getrieben wird das Wachstum auch durch die Gesetzgebung in acht US-Bundesstaaten, die Kunststoffabfälle künftig als wertvolle Ressource ansehen und deshalb auf fortgeschrittener Recyclingtechnologien setzen.

Unsicherheiten prägen Chemieindustrie im Vereinigten Königreich

Die Aussichten für die britische Chemieindustrie haben sich mit Blick auf den geplanten Ausstieg des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union verschlechtert, berichtet die GTAI. Aufgrund der engen Handelsbeziehungen zu europäischen Mitgliedsstaaten ist die Branche von den Handelsregeln nach einem Brexit abhängig. Rund 63 % der Unternehmen in der Chemie- und Pharmaindustrie sind im Exportgeschäft tätig. Dieser Anteil ist laut Chemical Industries Association (CIA) der höchste in der verarbeitenden Industrie. Insgesamt gehen 60 % der Ausfuhren in die EU. Drei Viertel der Importe stammen aus der EU. Deutschland hat laut GTAI einen Anteil von fast 20 % an den Gesamteinfuhren.

Besonders wichtig für den Handel zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich ist nach Auffassung der Analysten die europäische REACH-Verordnung für die Prüfung und Zulassung von Chemikalien. Bei einem No-Deal-Szenario würde die Regelung ihre Geltung verlieren und die entsprechenden Chemikalien wären dann nicht mehr in der EU zulässig.

Nach der jüngsten Umfrage der CIA im Juli 2019 blickt die Branche pessimistisch in die Zukunft. Zwar stieg die Produktion im ersten Quartal 2019 aufgrund eines einmaligen Sondereffekts. Im zweiten Quartal 2019 waren Produktion und Ausfuhren allerdings rückläufig. Die Investitionen der Chemie- und Pharmabranche halbierten sich laut CIA zwischen dem ersten Halbjahr 2018 und dem gleichen Zeitraum 2019. Mitgliedsunternehmen des Branchenverbands berichten bereits über eine Zunahme der Entlassungen in der ersten Jahreshälfte 2019.

Die Produktion der Chemiebranche wird nach aktuellen Prognosen des Industrieverbandes Make UK 2019 noch um 2 % zulegen. Allerdings erwartet der Verband für 2020 einen Rückgang um 0,4 %. In der Pharmabranche ist die Trendwende noch deutlicher: für 2019 wird ein Anstieg von 3,4 % erwartet, für 2020 eine Abnahme um 0,7 %. Lediglich die Kunststoffproduktion soll sich auch im kommenden Jahr positiv entwickeln, der Anstieg bleibt allerdings verhalten.

Weitere Länderberichte zum Chemiesektor und zu weiteren Branchen sind auf der Webseite der GTAI zu finden.

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