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Aus dem Leben eines Auditors

Chargenvalidierung als Rechenaufgabe

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

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Mischen ist leicht, schwer hingegen die Validierung – Wie homogen ist eine Mischung? Und was passiert, wenn mehrere Teilchargen vereint werden? Das ist nicht etwa höhere Mathematik, sondern in der Regel mit gesundem Menschenverstand zu meistern. Dafür plädiert jedenfalls unser Auditor.

Eine Schwachstelle in vielen Firmen ist die Validierung von Blendungs- bzw. Mischungsprozessen. D.h. mehrere (Teil-) Chargen werden zu einer Charge vereint oder es wird z.B. ein Hilfsstoff untergemischt. Wesentliche Eigenschaft einer Charge sollte die Homogenität sein. Dass dies reproduzierbar funktioniert, ist im Rahmen der Prozessvalidierung nachzuweisen. So viel sinnbefreites Agieren, wie in diesem Bereich sieht man aber selten.

Beispiele gefällig? Ein bestimmter Wirkstoff wird zur Verbesserung der Fließfähigkeit mit 0,5 % eines bestimmten Hilfsstoffs versetzt und damit zu einer Arzneimittelcharge. Um die Homogenität nachzuweisen, nimmt man Proben an, je nach Detailverliebtheit, drei bis 27 Stellen des eingesetzten Mischers. Bei diesem, im Allgemeinen recht gut aufgestellten, Auditee waren es neun Probenahmestellen. Zum Nachweis der Homogenität wurde der Gehalt des Wirkstoffs gemessen, der Grenzwert der Spezifikation wurde von 98,5 – 101,0 % (für den reinen Wirkstoff) auf 98,0 – 100,5 % (für das Arzneimittel) angepasst.*

In einem anderen Fall werden bis zu fünf Teilchargen eines Wirkstoffs geblendet, um auf eine Chargengröße von 1000 kg für den Verkauf zu kommen. Der Ansatz für Validierung war ähnlich; statt Gehalt, hat man den Trocknungsverlust, gemäß Spezifikation 2,0 %, als Indikator für die Homogenität herangezogen. In der Praxis sah das dann so aus, dass dreimal fünf Teilchargen mit einem Trocknungsverlust zwischen 0,02 % und 0,16 % (also: 0,0 – 0,2 %) gemischt wurden.*

Wenn Sie jetzt nicht verstanden haben, worum es mir geht, kann ich Sie damit trösten, dass in beiden geschilderten Fällen auch meine Auftraggeber, d.h. letztendlich deren Sachkundige Personen (QP), nicht nachvollziehen konnten, dass ich dies jeweils überhaupt als Mangel eingestuft habe, geschweige denn als schwerwiegenden.

Wenigstens die Anforderung, dass OOS-Chargen (Chargen, welche die Anforderungen der Spezifikation nicht erfüllen) nicht mit geblendet werden dürfen, hat sich inzwischen so weit herumgesprochen, dass sich nur noch selten jemand dabei erwischen lässt.

*P.S.: Als Auditor ist es meine Aufgabe Abweichungen und Mängel festzustellen aber nicht dem Auditee vorzuschreiben, wie er das zu tun hat. In beiden Fällen wurde ich jedoch gefragt, wie ich vorgehen würde. In Fall 1 hätte ich den Hilfsstoffgehalt bestimmt; in Fall 2 hätte ich für die Validierungsversuche jeweils eine Teilcharge mit einem signifikant höheren Trocknungsverlust untergemischt.

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