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Proteinproduktion Bühler und Protix gründen Joint Venture für industrielle Insekten-Produktion

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Tobias Hüser

Die Nachfrage nach alternativ erzeugten Eiweißquellen steigt zunehmend. Insekten sind natürliche und nachhaltige Proteinlieferanten und können dazu beitragen, den künftigen Mehrbedarf zu decken. Um dieses Potenzial zu nutzen, haben Bühler und Protix jetzt Bühler Insect Technologies gegründet. Das Gemeinschaftsunternehmen wird skalierbare, industrielle Lösungen für die Aufzucht und Verarbeitung von Insekten entwickeln.

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Insektenverarbeitung im Forschungslabor von Bühler
Insektenverarbeitung im Forschungslabor von Bühler
(Bild: Bühler)

Uzwil/Schweiz, Dongen/Holland – Das gewonnene Eiweiß wird primär als Nutztierfutter eingesetzt. „Gemeinsam sind wir in der Lage, nachhaltige und kosteneffiziente Lösungen für große Insektenproduzenten und -verarbeiter anzubieten, welche die komplette Wertschöpfungskette abdecken”, sagt Kees Aarts, CEO von Protix. Bühler Insect Technologies hat seinen Sitz in China und hat den operativen Betrieb bereits aufgenommen.

Bis zum Jahr 2050 werden neun Milliarden Menschen auf der Erde leben. Um sie alle nachhaltig zu ernähren, benötigen wir zusätzliche 250 Millionen Tonnen Eiweiß pro Jahr – 50 % mehr als wir heute produzieren. Gleichzeitig werden wichtige natürliche Ressourcen zunehmend knapp: So gelten heute bereits 30 % der Fischbestände als überfischt. Zwei Drittel aller erzeugten Pflanzenproteine – und sogar 80 % der Sojabohnenernte – werden zu Nutztierfutter verarbeitet. Große Erwartungen werden deshalb in alternative Proteinquellen gesetzt. Eine der vielversprechendsten Möglichkeiten, hochwertiges Eiweiß nachhaltig und mit einem kleinen ökologischen Fußabdruck zu gewinnen, sind Insekten. Fliegenlarven oder Mehlwürmer etwa sind einfach zu züchten und können sogar mit organischen Abfällen gefüttert werden. Sie sind bemerkenswert effizient darin, Futtermittel in Eiweiss umzuwandeln, und ihre Aufzucht benötigt nur wenig Platz.

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Aufgrund dieser überzeugenden Vorteile haben Insekten in den letzten Jahren das Interesse von Start-ups und etablierten Unternehmen in der Lebensmittelindustrie auf sich gezogen. Der Insektenproduzent Protix wurde 2009 in Holland gegründet. Mit einem hochqualifizierten Team hat die Firma innerhalb von wenigen Jahren eigene Anlagen und Lösungen entwickelt. Die umfassende betriebliche Erfahrung von Protix deckt dabei nicht nur den Zyklus der Zucht und Mast ab, sondern umfasst auch die Trennung und Extraktion von Eiweiß und Fett aus den Insekten. Mit einer Pilotanlage verarbeitet Protix 1600 Tonnen Larven pro Jahr und stellt hochqualitative Produkte auf Insektenbasis her. 2015 wurde das Unternehmen vom World Economic Forum als Technologiepionier ausgezeichnet.

Insektenprotein zu Pellets verarbeiten

„Protix hat einen industriellen Produktionsansatz aufgezeigt, der skalierbar und multiplizierbar ist. Damit wurde der Beweis erbracht, dass sich der Markt für Insektenproteine entwickeln lässt”, erklärt Ian Roberts, CTO von Bühler. Um die nächste Stufe zu nehmen, braucht Protix jedoch einen Partner, der die Anforderungen von großen, industriellen Verarbeitern versteht. Und hier kommt Bühler ins Spiel: Der Technologie- und Lösungsanbieter aus der Schweiz blickt auf über 150 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von skalierbaren, kosteneffizienten und hygienischen Anlagen und Prozessen für die Herstellung von Lebens- und Futtermitteln zurück. Bühler ist zudem im Bereich der Vermahlung tätig – einem der Schlüsselprozesse, um das Insektenprotein zu gewinnen. „Das Insektenprotein lässt sich ideal zu Pellets verarbeiten oder direkt als Futtermittel einsetzen“, so Roberts.

Bühler Insect Technologiy Solutions hat seinen Sitz in Liyang in China. Das Gemeinschaftsunternehmen wird sich auf die Entwicklung von Lösungen konzentrieren, mit denen sich Insektenlarven in industriellem Maßstab züchten und zu Produkten von höchster Qualität verarbeiten lassen. Dabei wird die ganze Wertschöpfungskette von der Aufzucht der Insekten bis zur Trennung und Extraktion von Eiweiß und Fetten abgedeckt. Der Fokus liegt zunächst auf den Larven der Schwarzen Soldatenfliege. Wegen ihrer eindrücklichen Fähigkeit, organische Abfälle in hochwertiges Eiweiß umzuwandeln, wird diese Spezies auch die „Königin der Abfallverwertung” genannt.

Zu einem späteren Zeitpunkt werden dann auch Lösungen für andere Arten wie etwa Mehlwürmer entwickelt. Die Insektenproteine sollen primär für die Herstellung von nachhaltigem Nutztierfutter eingesetzt werden – etwa für die Aquakultur, dem weltweit am schnellsten wachsenden Zweig der Landwirtschaft. Der Markt für entsprechende Verarbeitungslösungen verfügt über ein gewaltiges Potential: Bis 2050 könnte der Anteil der Insekten an der weltweiten Eiweißproduktion bereits 15 % betragen.

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