Leitwarten optimieren

Blick in die Prozess-Leitwarten der Zukunft

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Wie Leitsysteme das Personal unterstützen

Daher ist aus Sicht von Dr. Martin Hollender vom ABB Forschungszentrum in Deutschland der Mensch ist bei der Führung hochautomatisierter komplexer Prozesse unverzichtbar, vor allem wenn kritische und unvorhergesehene Ereignisse auftreten. Aber auch bei kontinuierlichen Verbesserungsprozessen kommt den Anlagenfahrern eine Schlüsselrolle zu. Das Leitsystem sorge dafür, dass die Anlagenfahrer sich fortlaufend ein korrektes Gesamtbild über den Prozesszustand aufrechterhalten können – „situation awareness“. Moderne Leitsysteme unterstützen das Wartenpersonal dabei, sich die Kompetenzen aufzubauen, um unvorhergesehene Situationen zu beherrschen und sich entwickelnde Probleme frühestmöglich zu erkennen und zu beheben.

Bleibt die Frage, ob es auch einen "modernen" Umgang mit großen Mengen an Informationen und Daten gibt. Nicht erst seit gestern untersuchen die Experten von ABB und anderen Leitsystemherstellern wie Massendatendisplays gestaltet sein müssen. Ihre Auslegung und Gestaltung war immer schon komplex. Allein die Kalibrierung von solchen Anzeigen war sehr aufwendig. ABB hat jetzt als Pilot in einer Müllverbrennungsanlage eine ganz neue Display-Darstellung getestet. Extrem reduziert, funktioniert diese lediglich über mehr oder weniger horizontal ausgerichtete Pfeile, ohne offensichtliche Zuordnung.

Auf den ersten Blick ist nicht erkennbar, welche Messstelle dargestellt wird. Die Messwerte werden normiert dargestellt, das heißt, der Zeiger ist horizontal, wenn ein Messwert sich wie erwartet verhält. Je größer die Abweichung von dem erwarteten Wert, desto mehr wird der Zeiger gekippt. Störungen zeigen sich als charakteristisches Muster der Zeiger. Um mit dieser Ansicht arbeiten zu können, gehört schon Erfahrung dazu, gibt Hollender zu. So gibt es in der Forschung eben immer auch unerwartete Aspekte, wie er weiter ausführt: "Überrascht hat uns, dass dies in erster Linie kein Werkzeug für Anlagenfahrer ist (die nur ihre Schicht im Blick haben) man jedoch sehr gut langsame Prozesse erkennen kann." Ein Schicht- oder Betriebsleiter könne mit dieser Art der Darstellung beispielsweise gut erkennen, wenn sich ein Wärmetauscher nach und nach zusetze. Hier sind schon erste Anwendungen bei Kunden im Angebot. So könnten Anfang nächsten Jahres erste Installationen live gehen.