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Leitwarten optimieren Blick in die Prozess-Leitwarten der Zukunft

Redakteur: Frank Jablonski

Die Arbeit in den Leitwarten der Prozessindustrie ist von extremen Gegensätzen geprägt: Lange Zeit ist alles ruhig, aber wehe der Prozess droht aus dem Ruder zu laufen. Dann wird aus der Ruhe schnell hektische Betriebsamkeit. Um in beiden Situationen den Überblick zu behalten, forschen Leitsystemhersteller an neuen Konzepten.

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Dr. Peter Terwiesch, Vorstandsvorsitzender ABB Deutschland, rückt den Mensch in den Vordergrund: "ABB erforscht das effiziente Zusammenspiel von Mensch und Technik, gerade in Leitwarten bei der Bedienung von Anlagen."
Dr. Peter Terwiesch, Vorstandsvorsitzender ABB Deutschland, rückt den Mensch in den Vordergrund: "ABB erforscht das effiziente Zusammenspiel von Mensch und Technik, gerade in Leitwarten bei der Bedienung von Anlagen."
(ABB)

Ladenburg - Social Media und Industrieanlagen - zwei Bereiche, die nichts miteinander zu tun haben? Mitnichten, wie die Forscher bei ABB in Ladenburg zeigen. Die deutschen Wissenschaftler arbeiten mit ihren schwedischen Kollegen daran, dass auch künftige Generationen mit veränderten Nutzungsgewohnheiten von technischen Geräten in Leitwarten den Überblick behalten. Um eine Ahnung zu bekommen, wie die Zukunft werden wird, lohnt sich ein Blick in die Gegenwart. So haben die Wissenschaftler von ABB bei Kunden untersucht, wie die Mitarbeiter in Leitwarten arbeiten.

Eine überraschende Erkenntnis ist, dass die allseits bekannten farbigen Haftnotizen nicht nur in Redaktionen und anderen Büros massenweise genutzt werden, sondern auch Lieblinge in der Prozessindustrie sind. Mit Ihnen kommunizieren die Anlagenfahrer und erinnern sich und Kollegen an wichtige Sachverhalte.

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Eine Alternative dürfte vielen "Bürotätern" ebenfalls bekannt vorkommen: Screenshots die per E-Mail versendet die nachfolgende Schicht über aktuelle Veränderungen informiert, gehören zum täglichen Alltag, wie die Experten beobachtet haben. Und um es komplett zu machen: Ganz dem allgemeinen Trend folgend, wird in Betrieben immer häufiger auch mit Smart-Phones und Co. fotografiert, um über Wartungshistorie oder nicht normale Zustände von Reaktoren, Wärmetauschern oder Messgeräten anderen Kollegen gegenüber zu dokumentieren.

Social Media im Leitsystem 800xA

Solche Beobachtungen und Überlegungen haben die ABB-Forscher dazu inspiriert, ein "Facebook for Plant" zu entwickeln: mit dem Prototypen im schwedischen Forschungszentrum wird hiermit derzeit der Einsatz von Social Media in der Leitwarte getestet. Mit dem bekannten Erscheinungsbild der Timeline wird über Anlagenzustände auf einen Blick, chronologisch sortiert, informiert. Kommentare und Bilder oder Dokumente können so abgelegt und angeschaut werden. Auf diese Weise kann ein Boiler schnell eine eigene "Facebook"-Seite bekommen, die alle Informationen für die "Freunde" bündelt.

Einer der Aspekte, die die Entwickler dabei im Sinn haben, ist die Sicherheit zu erhöhen. Laut häufig gehörter Meinung wird ein Mehr an Sicherheit praktisch ausschließlich über automatisierte Sicherheitssysteme gewährleistet. Wenn man aber Unfälle analysiert, wie beispielsweise das Unglück auf der Explorations-Ölbohrplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko im Jahr 2010, wird deutlich, welch wichtigen Beitrag Anlagenfahrer zur Sicherheit einer Anlage liefern. So nennt der Untersuchungsbericht als einen wichtigen Faktor, dass vorhandene Messwerte nicht richtig interpretiert wurden, und empfiehlt, zukünftig bessere Anzeigen- und Alarmsysteme zu entwickeln.

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