Newsticker Oktober: Aktuelles aus der Prozessindustrie Verbio startet neue Chemieanlage für biobasierte Rohstoffe

Von Wolfgang Ernhofer 8 min Lesedauer

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Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

06.10.2026

Bitterfeld-Wolfen (dpa) *13:26 Uhr – Verbio startet neue Chemieanlage für biobasierte Rohstoffe

Der Biokraftstoffhersteller Verbio hat in Bitterfeld-Wolfen eine neue Anlage für biobasierte Chemikalien in Betrieb genommen. Aus Rapsöl sollen dort künftig Rohstoffe etwa für Wasch- und Reinigungsmittel, Schmierstoffe oder Kunststoffe entstehen – als Alternative zu Erdöl. Wie das Unternehmen mitteilte, investierte es knapp 100 Millionen Euro in die Anlage im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen. Verbio spricht von der weltweit ersten großtechnischen Ethenolyse-Anlage auf Basis von Rapsmethylester.

In der Anlage können nach Unternehmensangaben jährlich bis zu 60.000 Tonnen biobasierter Chemikalien produziert werden. Rapsmethylester wird bislang vor allem als Biodiesel genutzt. Nun soll der aus Rapsöl gewonnene Stoff auch zu chemischen Bausteinen verarbeitet werden, die fossile Rohstoffe ersetzen können.

Die Produkte müssen zunächst noch von Kunden für die jeweiligen Anwendungen zugelassen und erprobt werden. Die Produktionsmenge soll daher mit der Nachfrage nach und nach wachsen.

«Mit der neuen Anlage ergänzen wir unsere Bioraffinerie um eine weitere Wertschöpfungsstufe auf einer etablierten Rohstoffbasis», sagte Verbio-Chef Claus Sauter. Die Verarbeitung europäischen Rapsöls stärke die regionale Landwirtschaft und verringere die Abhängigkeit von globalen Lieferketten.

Die Investition fällt in eine schwierige Phase für die europäische Chemieindustrie. Hohe Produktionskosten und internationale Konkurrenz setzen die Branche unter Druck. Michael Carus vom nova-Institut sagte: «Die Anlage in Bitterfeld zeigt, welches Potenzial biobasierte Rohstoffe für eine wettbewerbsfähige und resilientere Chemieproduktion in Europa haben.»

Nach Angaben des Unternehmens entstehen rund 50 Arbeitsplätze. Künftig sollen etwa 130 Menschen für Verbio am Standort arbeiten. Der Hauptsitz des börsennotierten Unternehmens liegt in Zörbig in Sachsen-Anhalt.

Straßburg (dpa) *10:14 Uhr – Brüssel will Methan-Regeln wegen Energiekrise verschieben

Angesichts der ausufernden Energiepreise will die Europäische Kommission eine Klimaschutzmaßnahme für das Treibhausgas Methan vorerst lockern. «Wir werden den Exporteuren für ein weiteres Jahr Flexibilität in Bezug auf Methan erlauben», sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im Europaparlament in Straßburg. «Das spart in Krisenzeiten zusätzliche Kosten.»

Vergangene Woche hatte Energiekommissar Dan Jørgensen gesagt, seine Mitarbeiter seien angewiesen, eine entsprechende Verschiebung zu prüfen. Methan ist ein Treibhausgas und für Klimaerwärmung und Luftverschmutzung verantwortlich. Es entsteht etwa in der Landwirtschaft, auf Mülldeponien sowie in der Öl- und Gasindustrie. Seit 2024 sind in der EU Regeln in Kraft, die für weniger Methan-Emissionen aus dem Energiesektor sorgen sollen.

Ab 1. Januar 2027 müssen Unternehmen für bestimmte Lieferverträge auch nachweisen, dass der Produzent im Herkunftsland seine Methan-Emissionen mindestens so sorgfältig überwacht und dokumentiert, wie es die EU von ihren eigenen Unternehmen verlangt. Diese Vorschriften sollen nach Willen der Kommission nun verschoben werden. Die Behörde muss dies noch offiziell vorschlagen und die EU-Länder sowie das Europaparlament zustimmen.

Als ein Grund für eine mögliche Lockerung gilt neben hohen Preisen auch die Versorgungssicherheit. Schon im Juli hatte die Kommission auch nach Druck der US-Gaslobby den Mitgliedstaaten empfohlen, in den kommenden drei Jahren keine Strafen gegen Unternehmen zu verhängen, die gegen bestimmte EU-Klimaschutzvorschriften für Methan-Emissionen verstoßen.

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Um die Energiekosten zu senken und sicherzustellen, dass auch für die Verteidigung die nötigen Vorräte verfügbar sind, strebt die Kommission zudem Gespräche über europäische Raffinerien an, so von der Leyen. Eine neue sogenannte Taskforce soll die Energienachfrage der Mitgliedsstaaten bündeln, sagte die Spitzenpolitikerin weiter. Dann solle ein Anbieter beauftragt werden, die Beschaffung für alle gemeinsam zu organisieren. Mit Blick auf die hohen Energiepreise sagte sie zudem in Richtung der Mitgliedsstaaten, der richtige Ansatz sei, den Bedürftigsten zu helfen.

Ludwigshafen (dpa/lrs) *08:29 Uhr – Gefahrstoff ausgelaufen - stundenlanger Feuerwehreinsatz

Eine auf dem Gelände einer Speditionsfirma ausgetretene ätzende Flüssigkeit hat die Feuerwehr in Ludwigshafen rund 14 Stunden lang beschäftigt. Wie die Einsatzkräfte mitteilten, stürzte am Montagmittag ein Behälter mit der Flüssigkeit in einer Lagerhalle um. Diese habe sich dann im Gebäude ausgebreitet, hieß es.

Da sich in der Halle zahlreiche weitere Behälter befanden, musste das Gebäude den Angaben zufolge zunächst geräumt und der betroffene Bereich gesichert werden. Erst dann habe der umgekippte Behälter von Einsatzkräften in speziellen Schutzanzügen geborgen werden können, so die Feuerwehr. Eine Reinigungsfirma habe den Gefahrstoff anschließend entfernt.

Verletzt wurde bei dem Einsatz niemand. Die Feuerwehr führte demnach Messungen auf dem Betriebsgelände und der Umgebung ohne Auffälligkeiten durch. Für die Bevölkerung oder die Umwelt habe zu keinem Zeitpunkt Gefahr bestanden, teilte sie mit.

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