Newsticker Oktober: Aktuelles aus der Prozessindustrie Bayer will über zwei Milliarden Dollar in US-Werk investieren

Von Wolfgang Ernhofer 5 min Lesedauer

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Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

02.10.2026

New Albany (dpa) *21:42 Uhr – Bayer will über zwei Milliarden Dollar in US-Werk investieren

Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer will 2,2 Milliarden Dollar (1,95 Mrd. Euro) in einen neuen Produktionsstandort in den Vereinigten Staaten investieren. Dadurch werden in New Albany im US-Bundesstaat Ohio voraussichtlich rund 600 hoch qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen werden, wie das Unternehmen mitteilte. Dort soll die Herstellung von pharmazeutischen Wirkstoffen und Fertig-Arzneimitteln an einem Standort vereint werden.

«Für Bayer sind die Vereinigten Staaten seit langem ein wichtiger Produktionsstandort und bedeutendes Innovationszentrum», sagte Konzernchef Bill Anderson. «Am neuen Standort bringen wir Produktionskompetenz und qualifizierte Fachkräfte zusammen, um Patienten in den Vereinigten Staaten und weltweit mit innovativen, hochwertigen Arzneimitteln zu versorgen.»

Bayer hat in den vergangenen fünf Jahren mehr als sieben Milliarden Dollar in Pharma-Forschung und -Entwicklung sowie Produktion in den USA investiert.

01.10.2026

Leuna (dpa/sa) *17:05 Uhr – Insolvenzverfahren über Leuna Polyamid offiziell eröffnet

Das Insolvenzverfahren über das Chemieunternehmen Leuna Polyamid GmbH ist offiziell eröffnet. Zum Insolvenzverwalter wurde der bisherige Sachwalter Lucas Flöther berufen, wie das Unternehmen mitteilte. Seit dem 20. Juni habe sich das Unternehmen in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gefunden. Im September sei begonnen worden, die Anlagen schrittweise anzuhalten.

«Die letzten Produktmengen werden in den ersten Oktobertagen die Anlage verlassen.» Anschließend würden die Beschäftigten mit der Sicherung, Entleerung und Reinigung der Anlagen beginnen. «Überwacht wird dies durch das Landesverwaltungsamt als zuständige Behörde für die Gefahrenabwehr.»

Vor wenigen Wochen hatte die Leuna Polyamid die Suche nach einem neuen Investor für eine der größten Produktionsanlagen im Chemiepark Leuna für gescheitert erklärt. Geschäftsführer Martin Naundorf hatte angekündigt, die Produktion ab Ende September schrittweise herunterfahren zu müssen. Dies werde nicht nur mehrere Wochen dauern, sondern auch einen Großteil der mehr als 400 Mitarbeiter weiterhin nötig machen.

Jetzt hieß es, die Beschäftigten würden zunächst für das Abfahren und die Sicherung der Anlagen weiter am Standort tätig sein.

«Mittelfristig werden wir gemeinsam mit der Arbeitsagentur sowie vielen Unternehmen am Standort und in der Region nach Lösungen für die weitere Beschäftigung suchen.» Trotz der schwierigen Lage der Branche gebe es weiterhin Investitionen in der chemischen Industrie und damit Interesse an gut ausgebildeten Fachkräften.

Leuna (dpa/sa) *14:53 Uhr – Leuna startet neue Abwasserreinigung für Bioraffinerie

Der Chiemieparkbetreiber Infraleuna hat neue Infrastruktur mit einem Investitionswert von rund 43 Millionen Euro in Betrieb genommen. Eine moderne Abwasserbehandlungsanlage, die nach Betreiberangaben besonders ressourcenschonend arbeitet und zugleich Biogas produziert, ist für die am Standort entstehende künftige Bioraffinerie des Unternehmens UPM entwickelt worden. Die Anlage soll demnach künftig die Abwässer der Raffinerie vorbehandeln, die Biochemikalien aus Holz herstellen soll.

Der finnische Konzern UPM investiert in die Bioraffinerie 1,3 Milliarden Euro. Laut Chemieparkbetreiber Infraleuna handelt es sich um eine weltweit einzigartige Anlage, deren Produkte fossile Rohstoffe ersetzen und etwa in Verpackungen, Textilien, Kosmetikprodukten oder Gummi eingesetzt werden können.

Die vollständige Inbetriebnahme ist laut Umweltministerium für 2027 geplant. Dann soll die Raffinerie jährlich rund 220.000 Tonnen der Biochemikalien produzieren. Die am Donnerstag dafür in Betrieb genommene Abwasserbehandlungsanlage liefert den Angaben nach eine Biogasleistung von sechs Megawatt, die kontinuierlich in das Erdgasnetz am Standort eingespeist wird.

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Der Chemiestandort Leuna stehe beispielhaft für erfolgreiche industrielle Innovation, sagte die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Elisabeth Kaiser, anlässlich der Inbetriebnahme vor Ort. Infraleuna-Geschäftsführer Christof Günther sprach vom «nächsten großen Schritt» für Leuna als Standort für nachhaltige Chemie.

Bad Homburg (dpa) *09:45 Uhr – Bis zu 750 Millionen: Fresenius kauft Biopharma-Tochter ganz

Der Gesundheitskonzern Fresenius übernimmt seine Biopharma-Tochter mAbxience komplett und stärkt damit sein Geschäft mit Nachahmerarzneien. Für die übrigen Anteile im Umfang von 45 Prozent bezahlt der Dax-Konzern bis zu 750 Millionen Euro, wie er in Bad Homburg mitteilte. Verkäufer sind die Unternehmen Insud und Invim. Der Vertrag wurde den Angaben zufolge am Mittwoch unterschrieben und vollzogen. Behördliche Genehmigungen seien nicht nötig gewesen.

Vom Kaufpreis stehen 50 Millionen Euro unter einer Bedingung: Fresenius muss sie nur bezahlen, wenn bestimmte Produktionsstätten zugelassen wurden. Der Konzern war bereits im August 2022 mit einem Anteil von 55 Prozent bei mAbxience eingestiegen.

Mit der Komplettübernahme stärkt Fresenius den Zugang zum wachstumsstarken Markt mit Biosimilars, biotechnologisch hergestellten Medikamenten für Arzneien, deren Patent abgelaufen ist. Da zugleich Gesundheitssysteme weltweit unter finanziellem Druck stehen, spielen günstige Nachahmermittel eine wichtige Rolle für die Versorgung.

Für zahlreiche biologische Arzneimittel laufe künftig der Schutz aus, erklärte Fresenius. «Dieser wachstumsstarke Markt dürfte sich bis 2035 auf mehr als 180 Mrd. Euro versechsfachen.»

Fresenius-Chef Michael Sen sagte: «Mit dem Abschluss der Übernahme von mAbxience erreichen wir den nächsten Meilenstein beim Aufbau eines führenden, vertikal integrierten Biopharma-Geschäfts von relevanter Größe.» Die Biosimilars-Plattform sei nun komplett im Biopharma-Geschäft von Fresenius Kabi gebündelt und decke die gesamte Wertschöpfungskette von der Entwicklung bis zur Vermarktung ab.

Als Fresenius vor vier Jahren erstmals in mAbxience investiert hatte, war das Marktpotenzial groß, der Biosimilars-Markt habe sich in einer frühen Phase befunden, hieß es weiter. Seitdem habe er sich dynamisch entwickelt.

Wiesbaden (dpa) *08:46 Uhr – Mehr heimischer Kraftstoff: Raffinerien steigern Produktion

Raffinerien in Deutschland haben im ersten Halbjahr 2026 mehr Benzin und Diesel hergestellt und damit die Abhängigkeit von Importen verringert. 11 Millionen Tonnen Motorenbenzin einschließlich Flugbenzin aus heimischer Produktion und 15,8 Millionen Tonnen Diesel bedeuteten ein Plus von 1,8 Prozent beziehungsweise 9,4 Prozent zum Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Zugleich verringerte sich die Einfuhr sowohl von Benzin (minus 23 Prozent) als auch Diesel (minus 23,9 Prozent) um jeweils knapp ein Viertel. Wegen der gestiegenen Weltmarktpreise für Rohöl infolge des Iran-Kriegs hielt sich die Ersparnis aber in Grenzen: Der Wert des importierten Benzins war mit 479 Millionen Euro gerade einmal 2,5 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Die Dieselmenge war mit 845 Millionen Euro sogar 5,8 Prozent teurer.

Beim Benzin waren die Niederlande der wichtigste ausländische Lieferant: Gut die Hälfte (52,1 Prozent) der insgesamt 525.000 Tonnen Motorenbenzin kamen von dort. Gut ein Viertel (26,1 Prozent) lieferten Raffinerien in Tschechien, knapp zwölf Prozent kam aus Österreich nach Deutschland. Bei Dieselkraftstoff waren Belgien (55,1 Prozent) und die Niederlande (39,7 Prozent) die Hauptlieferanten der insgesamt 858.000 Tonnen, die Deutschland einführte.

Unter dem Strich hat Deutschland im ersten Halbjahr 2026 nach Angaben der Statistiker mehr Kraftstoff exportiert als importiert. Während der Verkauf von Motorenbenzin ins Ausland mit 1,66 Millionen Tonnen um 3,5 Prozent zurückging, wurde mehr Dieselkraftstoff ausgeführt als ein Jahr zuvor: 2,06 Millionen Tonnen waren 18,7 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025.

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