Aus dem Leben eines Auditors Alles Fake oder was?

Redakteur: Anke Geipel-Kern

Unser Auditor denkt nach über Corona, Wahljahr, Remote Audits und Social Media Posts – Zugegeben: Die Zeiten waren schon mal einfacher. Und der ein oder andere macht sich über Social Media Luft. Unser Auditor, dem so manches über die Hutschnur geht, macht sich Luft.

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Erwischt!
Erwischt!
(Bild: ©dedMazay - stock.adobe.com; [M]Grimm)

Wir haben immer noch ‚Corona‘ und wir haben so langsam auch Wahlkampf. Beides lästig, aber Quell vieler Gedanken, die natürlich auch mitgeteilt werden müssen, oder, anders gesagt, über die sozialen Medien mit anderen geteilt werden müssen. Da trennt sich schon ein wenig die Spreu vom Weizen, wenn man dann so mitbekommt, dass bei dem einen Aufzeichnungen zu kritischen Vorgängen fehlen, die andere es schon einmal in den postulierten Werten um etliche Zehnerpotenzen daneben liegt und der letzte erst einmal startet und dann den Plan festlegt, wie die Ergebnisse auszuwerten sind. Sind ja nur unsere potentiellen Regierungschefs und ob wir nun Schlafschaf oder Aluhut sind, am Ende kriegen wir sie doch.

Bei Arzneimitteln und allem was dazugehört sollte man da etwas genauer hinsehen. Da man ja nicht den ganzen Tag nur auf dem Sofa herumlungern und ‚remote audits‘ durchführen kann, schaut man zwischendurch auch einmal ein bisschen in den sozialen Netzwerken nach, was die geschätzten Kollegen so treiben. Da ich weder ein Facebook- noch ein Tinder-Profil angelegt habe, bleibe ich bei LinkedIn. Das soll ja angeblich eine Plattform für berufliches Netzwerken, also fachlichen Austausch sein. Wenn ich mir dort aber ansehe, was manche liken, weiterleiten oder gar selbst posten, frage ich mich, ob mein Durchstöbern nicht auch so eine Art ‚remote audit‘ ist. Wenn mich jetzt jemand wahlweise zum Yoda- oder Yoga-Jünger bekehren will, gehört das da zwar nicht hin, aber lass gut sein. Was mich teilweise komplett aus der Fassung bringt, sind Kommentare zu Sachverhalten über Dinge, über die es keine zwei Meinungen gibt – z.B. brauchen wir nicht zu diskutieren, ob man bestimmte Eigenschaften in ein Produkt ‚hineinprüfen‘ kann, Sterilität schon gleich gar nicht. Bei manchen der ins Netz gestellten Videos fragt man sich auch, wie lange vor der Hygieneschulung die QP eingeschlafen ist. Obwohl, Werbefilme und -broschüren, in denen massive Verletzungen der guten Hygienepraxis dargestellt sind, kommen auch bei den vermeintlich besten Firmen vor. Gerne versuchen sich manche Kollegen auch an Matheaufgaben aus der Grundschule – mit teils verheerenden Ergebnissen. Wie soll man als Auditor verfahren, wenn einem so etwas auffällt? Einen nachträglichen Bericht mit einer neuen Bewertung schreiben: Lieferant nicht qualifiziert. Nach dem Audit wurde ein kritischer Mangel festgestellt: Die Mathematikkenntnisse der sachkundigen Person erfüllen noch nicht einmal die Anforderungen für den Grundschulabschluss. Hab‘ ich mich bisher noch nicht getraut, aber ab und zu juckt es einen schon.

Ab und zu fragt man sich jedoch auch, wofür macht man sich die ganzen Gedanken bzgl. der Qualität, Sachkenntnis und Zuverlässigkeit der Lieferanten? Die zuständigen Ministerien kaufen ja auch im großen Stil, z.B. Masken, bei Autohändlern, anstatt auf Zulieferer mit der entsprechenden Expertise zurückzugreifen.

Bleiben Sie negativ und freuen Sie sich auf gute Zeiten

Ihr Karl Metzger

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