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Exklusiv-Interview „Wir müssen Wege finden, den Feldbus einfacher in die Ethernet-Welt zu überführen“

| Autor / Redakteur: Sabine Mühlenkamp / Dr. Jörg Kempf

Die Prozessautomatisierung steht vor großen Herausforderungen. Auf dem Weg ins Digitalisierungszeitalter gilt es, den Anschluss nicht zu verpassen. PROCESS sprach mit Dr. Jörg Hähniche, Chairman der APL-Gruppe und seit April 2017 neu im Vorstand der Profibus Nutzerorganisation (PNO).

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Dr. Jörg Hähniche, Vorstandsmitglied PNO: „Es war schon sehr weitsichtig, dass die PNO bereits vor 27 Jahren erkannt hat, dass System-Offenheit notwendig ist, um am Markt erfolgreich zu bestehen. Ich denke, das gilt mehr denn je.“
Dr. Jörg Hähniche, Vorstandsmitglied PNO: „Es war schon sehr weitsichtig, dass die PNO bereits vor 27 Jahren erkannt hat, dass System-Offenheit notwendig ist, um am Markt erfolgreich zu bestehen. Ich denke, das gilt mehr denn je.“
(Bild: PeggyS Foto Design / PNO)

PROCESS: Herr Dr. Hähniche, wo sehen Sie derzeit die wichtigsten Aufgaben der Profibus Nutzerorganisation?

Hähniche: Auf die Prozessautomatisierung rollen derzeit gewaltige Herausforderungen durch Industrie 4.0 zu. Unsere Aufgabe wird es dabei sein, die Prozessautomatisierung auf ihrem Weg in die Digitalisierungswelt zu unterstützen, damit diese den Anschluss nicht verpasst.

PROCESS: Können Sie das konkretisieren?

Hähniche: Klassische Feldbusverbindungen sind sehr leistungsfähig, und es gibt mittlerweile gute Lösungen für die Anbindung an den Ex-Bereich oder an Ethernet. Allerdings entstehen, etwa durch die Integration über Proxies, immer komplexere Netzwerkstrukturen. Dies führt z.B. auch zu einem immer komplexer werdenden Engineering. Wir müssen also Wege finden, den Feldbus einfacher in die Ethernet-Welt zu überführen.

PROCESS: Wie gehen Sie dabei vor?

Hähniche: Wir arbeiten derzeit eng mit Industriepartnern und der Namur zusammen, mit denen wir erst einmal die Anforderungen für ein Ethernet-in-the-Field festgelegt haben, also das, was derzeit unter dem Stichwort Advanced Physical Layer (APL) läuft. Jetzt beginnt die technische Konzept­arbeit. Parallel hierzu hat eine Taskforce in der IEEE ihre Arbeit aufgenommen (IEEE802.3cg Phy – Extended Reach/Single Twisted Pair). Durch eine enge Zusammenarbeit mit der Taskforce soll erreicht werden, dass ein standardisiertes Phy entsteht, welches auch für die Prozessautomatisierung verwendet werden kann.

PROCESS: Werden diese Ergebnisse anschließend in die Profinet-Spezifikation überführt?

Hähniche: Ja, und hier kommen weitere Aufgaben auf uns zu. Um nur ein Beispiel zu nennen: Druck- und Temperaturtransmitter sind sehr kompakte Geräte, die über wenig Speicher verfügen. Aber auch diese müssen in die Ethernet-Welt integriert werden, schließlich sind diese in großen Mengen in der Prozessindustrie verbaut.

PROCESS: Sie begleiten die PNO seit FMS-Zeiten, also quasi seit der ersten Stunde. Wie hat sich die Arbeit verändert?

Hähniche: Es war schon sehr weitsichtig, dass die PNO bereits vor 27 Jahren erkannt hat, dass System-Offenheit notwendig ist, um am Markt erfolgreich zu bestehen. Ich denke, das gilt mehr denn je. Der Unterschied? Heute ist die Arbeit zwischen Herstellern, Organisationen und Anwendern sehr viel enger geworden. Um die Komplexität zu reduzieren, Informationsmodelle zu vereinfachen und die Aufgaben bedingt durch Industrie 4.0 und die Digitalisierung zu lösen, müssen wir in Zukunft noch stärker zusammenarbeiten.

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