Condition Monitoring

Wie Condition Monitoring eine zustandsorientierte Instandhaltung unterstützt

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Condition Monitoring im Betrieb

In der Rübenkampagne 2007 richtete Nordzucker in Schladen an zwei Lüfterantrieben in der Trocknung und an einer Zentrifuge mit dem Wago-I/O-System testweise eine kontinuierliche Zustandsüberwachung ein. Die Tests waren erfolgreich und damit waren die Voraussetzungen für die Einführung des Condition Monitoring gegeben.

Mit Beginn der Kampagne 2008 wurden im Werk Schladen neun Zentrifugen mit je drei Sensoren ausgerüstet (Antrieb Lüfterseite, Antrieb Antriebswelle und Zentrifuge). Tandem Piezo-Schwingungssensoren nehmen die Diagnosewerte auf. Es werden die Vibrations-Klemmen VIB I/O 750-645 und 4 Kanal-Analog-Eingangsklemmen 750-453 für 4...20 mA-Signale zur Erfassung der Drehzahl sowie der Ethernet-Controller 750-841, eine Komponente des Wago-I/O-Systems eingesetzt. Alle Daten werden vom programmierbaren Ethernet-Controller erfasst, verarbeitet und im zentralen MES (Manufacturing Execution System) gesammelt. Sie sind über das Ethernet-Netzwerk auch online abrufbar. Für die Übertragung der Daten zur Langzeitarchivierung im MES wird die OPC-Schnittstelle genutzt.

Jederzeit Zugriff auf den Anlagenzustand

An den Diagnosepunkten in den Zentrifugen werden jetzt permanent drei unterschiedliche Messwerte erfasst:

  • Die Schwingungsgeschwindigkeit RMS (Root-mean-Square): Erhöhte Werte sind ein Indikator für unnormale Betriebszustände (Menge/Qualität Füllmasse, Unwucht an der Anlage).
  • Der Wälzlager-Teppichwert (Carpet) zeigt das „Laufgeräusch“ eines Wälz-Kugellagers. Zu hohe Werte deuten auf eine zu geringe Schmierung der Wälzlager hin.
  • Der Wälzlager-Spitzenwert (Peak) markiert „Laufgeräusche/Knacken“ eines Wälz/Kugellagers. Hohe Spitzenwerte und ein niedriger Teppichwert sind Anzeichen dafür, dass ein Lagerschaden droht oder dass Fremdpartikel im Schmiermittel sind.

Damit die Messwerte angesichts ständig wechselnder Drehzahlen der Zentrifugen vergleichbar sind, werden nur dann Signale aufgenommen, wenn sich die Anlage in einem konstanten Zustand, z.B. „Schleudern“ (max. Drehzahl) oder im „Leerlauf“, befindet. Für die Bewertung der Signale in vier Qualitätskategorien werden als Ausgangspunkt die Richtwerte der Wago-Klemmen gemäß ISO 10816-3 genutzt. Wegen der Individualität jeder Anlage ist die Norm eine Hilfestellung und geeigneter Ausgangspunkt für jede Applikation. Die Orientierung an diesen Vorgaben ist nach den Erfahrungen von Weishäupl in der Praxis sehr hilfreich und „die Werte passen recht gut“.

Der Schichtführer und die Anlagenfahrer in der Leitzentrale haben den Zustand der Anlage jetzt immer im Blick. Die Software zeigt den Verlauf der drei Messwerte, liefert eine 50-Tage-Trendauswertung (über die Stundenmittelwerte) und gibt bei Abweichungen von den Normwerten einen Klartext über den aktuellen Zustand aus, z.B. „Teppichwert erhöht, Lager beobachten“. Über die Ethernet-Vernetzung kann Weishäupl die Daten auch von unterwegs oder an den anderen Unternehmensstandorten abrufen.

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