Laborumbau Wie aus einer Pharmaproduktion ein Labor wird

Autor / Redakteur: Simone Bühler / Anke Geipel-Kern

Wie lässt sich eine Halle in ein Laborgebäude umwandeln, in dem sich die Nutzer auch wohl fühlen? Doch nicht nur die schwierigen Voraussetzungen verlangten dem Projektteam einiges ab, auch der Zeitdruck war hoch. Dennoch konnte am Ende den Nutzern ein Gebäude übergeben werden, welches nicht nur architektonisch überzeugt, sondern Raum für Kreativität und Produktivität schafft.

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Die Kapazitätserweiterung erfolgte unter hohem Zeitdruck. Das erforderte eine komplexe und absolut exakte Planung aller Teilprojekte, denn die termingerechte Versorgung der klinischen Prüfungen mit GMP Material ist indiskutabel", Dr. Josef Burg, Leiter Pharma Biotechnologische Entwicklung, Penzberg, Roche. (Bild: Roche)
Die Kapazitätserweiterung erfolgte unter hohem Zeitdruck. Das erforderte eine komplexe und absolut exakte Planung aller Teilprojekte, denn die termingerechte Versorgung der klinischen Prüfungen mit GMP Material ist indiskutabel", Dr. Josef Burg, Leiter Pharma Biotechnologische Entwicklung, Penzberg, Roche. (Bild: Roche)

Die Ausgangslage war ungewöhnlich: hohe Geschosse, ein stützenfreier Raum, große Installationsschächte, großzügige Technikflächen im Untergeschoss und eine Lüftungszentrale. Eine Nutzungsänderung am Biotechnologie-Standort von Roche in Penzberg erforderte es, die Labors für Entwicklungseinheiten des Downstream Processing, Upstream Processing und Analytik sowie den Betrieb eines Aufreinigungstechnikums zu erweitern. Zudem sollte ein Großraumlabor entwickelt werden, welches von den Nutzern akzeptiert wird.

Das Werk Penzberg ist mit rund 350 000 Quadratmetern und 4800 Mitarbeitern eines der größten Biotech-Zentren in Europa. Innerhalb des Roche-Konzerns ist es das weltweit führende biotechnologische Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionszentrum, an dem beide Bereiche – Pharma und Diagnostics – aktiv sind. Im Rahmen des Projektes TP-Expand (TP = Therapeutic Proteins) investierte Roche von 2008 bis Juni 2011 am Standort Penzberg 158 Millionen Euro in den Ausbau der technischen Entwicklung von therapeutischen Proteinen. Innerhalb des Teilprojektes Biologics IV Gebäude 363 wurde ein für die pharmazeutische Produktion ausgelegtes Gebäude zu einem Laborgebäude umgebaut. Mit dieser komplexen Aufgabenstellung beauftragte die M+W Process Industries als Generalplaner für das Projekt TP-Expand im Jahr 2008 die HWP Planungsgesellschaft (HWP) in Stuttgart mit der Planung der Architektur, Labor- und Gebäudetechnik für das Teilprojekt Gebäude 363.

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Durch eine außergewöhnliche Planungslösung unter Verwendung von in den Bestand eingebauten Galerieebenen entstanden 90 Laborarbeitsplätze. Nach einer Realisierungsdauer von einem halben Jahr konnte mehr als „just-in-time“ – bereits eine Woche früher als geplant – das ehemalige Produktionsgebäude 363 als Laborgebäude an den Betreiber übergeben werden.

Herausforderung angenommen

Grundstein für das ungewöhnliche Planungsprojekt legte eine Machbarkeitsstudie. Dabei wurden die Umnutzungsmöglichkeiten des ursprünglich für die Pharmaproduktion vorgesehenen Biologics IV Gebäudes 363 erarbeitet.

Im März 2009 entschied sich Roche Diagnostics auf dieser Basis für die Umnutzungsvariante als Großraumlabor mit angeschlossenem Technikum für die technische Entwicklung therapeutischer Proteine. „Aus diesem Beschluss resultierten große architektonische Herausforderungen, verbunden mit einem enormen Bauleitungs- und Koordinierungsaufwand. Trotzdem konnte der Umbau nach nur 16 Monaten Bauzeit vorzeitig abgeschlossen werden“, freut sich Urs Erny, Gesamtprojektleiter TP-Expand.

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