Worldwide China Indien

Joint Venture

Wenn Unternehmen gemeinsam arbeiten: Das steckt hinter einem Joint Venture

| Autor / Redakteur: Andrea Lackner / Matthias Back

Was genau bedeutet eigentlich ein Joint Venture, welche Arten gibt es und was sind die Vor- und Nachteile. Unser Beitrag gibt einen Überblick.
Was genau bedeutet eigentlich ein Joint Venture, welche Arten gibt es und was sind die Vor- und Nachteile. Unser Beitrag gibt einen Überblick. (Bild: kritchanut - Fotolia)

Joint Ventures in der Chemieindustrie sind nichts Außergewöhnliches. Egal ob Dow Chemical und Saudi Aramco beim Bau des Sadara-Chemiekomplexes, Total, Borealis und Nova Chemicals beim Bau eines Ethan-Dampfcrackers oder auch das mittlerweile wieder aufgelöste Ruhr Oel Joint Venture zwischen BP und Rosneft – große Unternehmen schließen für ein gemeinsames Vorhaben eine Kooperation miteinander ab. Grund für PROCESS das Thema Joint Venture in einem Beitrag aufzugreifen.

Joint Venture ist der englische Begriff für "Gemeinschaftsunternehmen" bzw. "gemeinsames Vorhaben". Es bezeichnet eine Kooperation zwischen mehreren unabhängigen Unternehmen zur Umsetzung eines gemeinsamen Zieles, bei dem Führungsverantworung und finanzielles Risiko gemeinsam getragen werden.

Die Gründung eines Joint Ventures

Um ein Joint Venture zu gründen, müssen sich mindestens zwei eigenständige Unternehmen zum Zweck der Realisierung eines gemeinsamen Ziels zusammenschließen. Die Rahmenbedingungen des Zusammenschlusses werden in einem so genannten Joint Venture Vertrag festgehalten.

Bestandteile eines Joint Venture Vertrages sind:

  • Das Unternehmenskonzept
  • Die Gesellschaftsform
  • Die Finanzierung
  • Die Kapitalbeteiligung der einzelnen Partner
  • Die Gewinn-, Risiko-, und Verlustverteilung der Partner
  • Die Aufteilung der Managementaufgaben auf die Partner
  • Die Gesellschaftsorgane

Verschiedene Arten von Joint Ventures

Joint Ventures können nach verschiedenen Kriterien unterschieden werden. Typischerweise werden dafür die Parameter Kooperationsform, Branchenausrichtung und räumliche Dimension herangezogen.

... nach Kooperationsform

  • Equity Joint Venture: Das Equity Joint Venture ist die klassische Form des Joint Ventures, bei der zwei oder mehrere Unternehmen ein gemeinsames Unternehmen mit eigener Rechtsform gründen.
  • Contractual Joint Venture: Das Contractual Joint Venture ist hingegen ein loser Zusammenschluss von Unternehmen auf Vertragsbasis, bei dem kein rechtlich selbstständiges Unternehmen gegründet wird.

... nach Branchenausrichtung

  • Horizontales Joint Venture: Das horizontale Joint Venture besteht aus Unternehmen derselben Branche, z.B. zwei Autohersteller.
  • Vertikales Joint Venture: Beim vertikalen Joint Venture sind Unternehmen aus verschiedenen Wertschöpfungsstufen desselben Produktes beteiligt, z.B. ein Gummiproduzent und ein Hersteller von Autoreifen.
  • Konzentrisches Joint Venture: Das konzentrische Joint Venture besteht aus Unternehmen ähnlicher / verwandter Branchen, z.B. ein Autoproduzent und ein Motorradproduzent.
  • Konglomerates Joint Venture: Beim konglomeraten Joint Venture kooperieren Unternehmen fremder Branchen miteinander, z.B. ein Autoproduzent und ein Hersteller von Kindersitzen.

... nach räumlicher Dimension

  • Domestic Joint Venture: Das Domestic Joint Venture wird von Unternehmen mit Sitz im selben Land gebildet.
  • International Joint Venture: Beim International Joint Venture kooperieren Unternehmen aus verschiedenen Ländern miteinander.

Rechtsformen von Joint Ventures

Die Rechtsform eines Joint Ventures ist abhängig von den jeweiligen gesetzlichen Regelungen des Landes, in dem das Joint Venture seinen Unternehmenssitz hat.

In Deutschland können Joint Ventures sowohl den Status einer Personengesellschaft haben als auch den Status einer Kapitalgesellschaft. Oftmals handelt es sich dabei um GmbHs oder AGs.

Vorteile und Nachteile eines Joint Ventures

Zu den Vorteilen eines Joint Ventures zählen:

  • Aufteilung des unternehmerischen Risikos auf verschiedene Partner
  • Nutzung lokaler Marktkenntnisse des Partners
  • Know-How Transfer zwischen den Partnern
  • Bessere Ausnutzung von Ressourcen
  • Stärkung der eigenen Marktposition

Die Nachteile eines Joint Ventures sind:

  • Hoher Koordinationsaufwand
  • Komplexe Entscheidungsprozesse
  • Interkulturelle Konflikte
  • Know-How Abfluss

Beispiele bekannter Joint Ventures aus der Chemieindustrie:

Joint Venture von Evonik erhöht Produktion von TAA-Derivaten in China

Triacetonamin

Joint Venture von Evonik erhöht Produktion von TAA-Derivaten in China

01.04.18 - Evonik Tianda Chemical Additive (ETL) hat seine Produktionskapazität für Triacetonamin (TAA)-Derivate im chinesischen Liaoyang um 50 % erhöht. Das Joint Venture aus Evonik China und dem Unternehmen NEPC rechnet mit einem kontinuierlichen Wachstum in diesem Marktsegment. lesen

Joint Venture baut ersten Petrochemiekomplex in Vietnam

Petrochemie

Joint Venture baut ersten Petrochemiekomplex in Vietnam

17.08.17 - Die Internetplattform Deal Street Asia berichtet, dass ein Joint Venture zwischen Siam Cement und Petro Vietnam 4,8 Milliarden Euro in den Bau des ersten Petrochemieprojekts in Vietnam investieren will. lesen

Samson und Bilfinger gründen Joint Venture Ubix

Digitalisierung und Automatisierung

Samson und Bilfinger gründen Joint Venture Ubix

29.06.17 - Samson und Bilfinger gründen ein Joint Venture zur kontinuierlichen Weiterentwicklung einer Digitalisierungs- und Automatisierungsplattform. Ubix wird seit 2011 entwickelt und ist heute bereits in zahlreichen Unternehmen der Energiewirtschaft, Prozessindustrie und des Maschinenbaus im Einsatz. Die Mehrheit des Unternehmens übernimmt Samson, die Ubix als integralen Bestandteil in ihr Produktportfolio aufnehmen. lesen

Celanese und Blackstone gründen Joint Venture

Acetat-Produkte

Celanese und Blackstone gründen Joint Venture

21.06.17 - Celanese und Blackstone haben die Gründung eines Joint Venture für die Herstellung von Acetatkabeln beschlossen. Der geplante Zusammenschluss vereint den Geschäftsbereich Cellulose Derivatives von Celanese mit Rhodia Acetow von Blackstone. Das Chemieunternehmen Celanese wird 70 % des Joint Venture halten, die Investmentgesellschaft Blackstone 30 %. Bei Abschluss der Transaktion erhält Celanese 1,43 Milliarden Euro. lesen

Clariant gründet chinesisches Joint Venture für Polymeradditive

Prozessstabilisatoren und Lichtschutzmittel

Clariant gründet chinesisches Joint Venture für Polymeradditive

13.09.17 - Clariant und Tiangang Auxiliary gründen in China ein Joint Venture für die Produktion von Polymeradditiven. Entsprechende Verträge wurden kürzlich unterschrieben. Durch die Investition von mehreren Millionen Euro soll eine Produktionsstätte entstehen, die die steigende lokale Nachfrage nach Prozessstabilisatoren und Lichtschutzmitteln in Wachstumsmärkten wie der Textil- und Automobilindustrie erfüllt. lesen

Total, Borealis und Nova Chemicals kooperieren im Petrochemiebereich

Joint Venture gegründet

Total, Borealis und Nova Chemicals kooperieren im Petrochemiebereich

19.02.18 - Total, Borealis und Nova Chemicals machen ernst: Die drei Unternehmen haben eine Vereinbarung zur Gründung eines Joint Ventures im Petrochemiebereich an der US-Golfküste unterzeichnet. Das Joint Venture umfasst den im Bau befindlichen Ethan-Dampfcracker in Port Arthur im US-Bundesstaat Texas mit einer Kapazität von 1 Mt/Jahr. lesen

Weitere Beispiele bekannter Joint Ventues:

Nokia Siemens Networks US LLC

2006 gründeten Siemens und Nokia gemeinsam ein Joint Venture unter dem Namen „Nokia Siemens Networks US“ mit Hauptsitz in Helsinki. Ursache für den Zusammenschluss war die zugespitzte Konkurrenzsituation durch den vorhergehenden Zusammenschluss von Alcatel und Lucent.

Caradigm UK Ltd.

„Caradigm UK“ ist das 2011 gegründete Joint Venture von Microsoft und General Electric mit Sitz in Washington. Ziel des Joint Ventures ist die Verbesserung des weltweiten Gesundheitssystems durch die Implementierung von IT-Systemen.

HorizonNuclear Power Ltd.

Unter dem Namen „HorizonNuclear Power“ stecken ursprünglich die beiden Energiekonzerne RWE und E.ON. 2009 gegründet, verschrieb sich das britische Joint Venture der Produktion neuer Kernkraftwerke in Großbritannien. 2012 wurde das Joint Venture von dem japanischen Unternehmen Hitachi gekauft.

Über die Autorin

Andrea Lackner arbeitet als Buchhaltungsexpertin für das Rechnungsprogramm Debitoor. Sie unterstützt das Debitoor Team bei der Erstellung von Fachbeiträgen rund um die Themen Unternehmensgründung, Rechnungsstellung und Buchhaltung.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44559245 / Management)