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Herzstück einer jeden Vergasungsanlage ist der Partialoxidationsreaktor, der den Ausgangsstoff mit Hilfe eines unter hohem Druck stehenden Sauerstoffstroms in den Syngas-Strom umwandelt. Heute verwendet die vorherrschende Vergasungstechnologie reinen Sauerstoff. Auf Luft basierende Vergasungstechnologien befinden sich ebenfalls in der Entwicklung, jedoch wird dieser Ansatz hier nicht weiter behandelt.
Die heute konzipierten kommerziellen Vergasungsanlagen werden immer größer und haben deshalb einen entsprechend hohen Bedarf an Sauerstoff, was die technologischen Anforderungen an eine ökonomische Sauerstoffproduktion weiter verstärkt. Während die erste Generation kommerzieller IGCC-Anlagen (zwei in den USA und zwei in Europa, die mittlerweile seit zwölf oder mehr Jahren in Betrieb sind) sich bei Kapazitäten zwischen 250 und 300 MW bewegen, ist die neue Generation moderner IGCC-Anlagen, die sich derzeit im Entwicklungsstadium befindet, auf Energieerzeugungskapazitäten in der Größenordnung von 450 bis 630 MW ausgelegt. Während die früheren (kleineren) IGCC-Anlagen etwa 2000 Tonnen Sauerstoff pro Tag benötigen, wird der moderne Park der 630-MW-IGCC-Kraftwerke 5000 Tonnen Sauerstoff pro Tag oder mehr erfordern.
Gleiches gilt für die vielen Vergasungsanlagen, die sich heute in Entwicklung befinden und Chemikalien oder Transportkraftstoffe produzieren sollen – darunter die Sasol-CTL-Anlagen in Südafrika, die Oryx-GTL-Anlage von Sasol und Qatar Petroleum in Ras Laffan, Katar, die Pearl-GTL-Anlage von Shell und Qatar Petroleum in Ras Laffan, Katar, die Escravos-Anlage von Chevron und Sasol in Nigeria und andere. Die riesigen kryogenen ASUs, die zur Bereitstellung des nötigen Sauerstoffs erforderlich sind, machen etwa 10-15 Prozent des gesamten Kapitalbedarfs aus und verfügen über einen entsprechend hohen Eigenenergiebedarf für Kompression und Kühlung zur kryogenen Luftzerlegung. Allerdings wird dieser Energiebedarf dadurch kompensiert, dass der GTL-/CTL-Prozess exotherm verläuft und somit Energie in Form von freiwerdendem Prozessdampf für die Luftzerlegung genutzt werden kann.
Der größte dieser „Mega-Syngas“-Komplexe (Pearl-GTL-Anlage) benötigt 30 000 Tonnen Sauerstoff pro Tag. Dagegen benötigen andere auf Vergasung basierende Anlagen in Standard-Größe, die Chemikalien oder Kraftstoffe produzieren, etwa 5000 Tonnen Sauerstoff pro Tag. Zum Vergleich: ein typisches Stahlwerk verbraucht zwischen 500 und 3000 Tonnen Sauerstoff/Tag.
Die Linde Engineering Division nimmt heute eine führende Rolle im Geschäft mit GTL-Anlagen ein. Im Jahr 2006 hat Linde von der Qatar Shell, die zur Royal Dutch Shell plc-Gruppe gehört, und Qatar Petroleum den Auftrag zum Bau von acht großen Luftzerlegungs-Anlagen für die oben genannte Pearl Gas-To-Liquids (GTL)-Anlage in Ras Laffan Industrial City, Katar, erhalten. Diese Anlage wird einen der weltweit größten integrierten Komplexe dieser Art darstellen. Die Linde Engineering Division stellt damit für dieses Großprojekt den enormen Sauerstoffbedarf von rund 30.000 Tonnen pro Tag sicher. Der Auftrag in Katar ist damit der größte, der je für Luftzerlegungs-Anlagen ausgeschrieben wurde. Bisher wurden bereits vier Coldboxen ausgeliefert. Bis Mitte 2009 sollen die restlichen vier ebenfalls vor Ort sein.
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