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Allerdings werden seit einigen Jahren angesichts gestiegener und auf hohem Niveau verharrender Gaspreise viele dieser vorher verworfenen Erdgasreserven durch Verdichtung und Verflüssigung des Gases zu so genanntem Flüssiggas (LNG) wirtschaftlich genutzt. Es kann in Tankern als Flüssigkeit transportiert und am Zielort durch ein vorhandenes Pipeline-Netz verteilt werden. Dadurch kann nun bisher ungenutztes Erdgas in lukrative Märkte verkauft werden, die andernfalls von Pipelines nicht erreicht würden. Auf diese Weise hilft die wachsende LNG-Infrastuktur dabei, das geographische Ungleichgewicht zwischen den Gebieten, in denen sich Erdgasreserven befinden und solchen, in denen das Gas verbraucht wird, zu beseitigen.
Ein Beispiel hierfür ist die größte LNG-Anlage Europas in Hammerfest, Norwegen. Sie wurde von der Linde Group geplant, gebaut und Ende September 2007 von dem norwegischen Mineralölkonzern StatoilHydro in Betrieb genommen. Beim Verflüssigungsprozess müssen zunächst Komponenten wie Kohlendioxid, Stickstoff und Wasser abgetrennt werden, bevor das Roherdgas, das überwiegend aus Methan besteht, verflüssigt werden kann. Erst dann wird das Erdgas mithilfe von flüssigem Stickstoff auf seinen Siedepunkt von –162 °C heruntergekühlt und per Schiff zu Kunden weltweit transportiert.
Stickstoff wird auf allen Stufen der LNG-Lieferkette benötigt: zur Kühlung, Reinigung und Verflüssigung des Erdgases sowie zur Inertisierung des LNG während des Schiffstransports. Stickstoff dient darüber hinaus zum Mischen des in Gas zurückgewandelten LNG-Stroms, um dessen Zusammensetzung einzustellen, einen gewünschten BTU-Wert (Heizwert) aufrecht zu erhalten und so die Vorgaben sowohl von Seiten der Pipeline als auch von Seiten des Kunden zu erfüllen.
Vergasungstechnologien treiben die Nachfrage nach Sauerstoff
Stark gestiegene, ständig schwankende Preise für Rohöl und Erdgas haben zur Entstehung von neuen Anlagen geführt, mit denen relativ preisgünstige Ausgangsstoffe wie Kohle, Petroleumkoks, geographisch ungünstig gelegenes Erdgas, Biomasse und sogar kommunaler Abfall in ein primär aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid bestehendes Synthesegas umgewandelt werden. Dieser „Syngas“-Strom wird dann in einem Kombikraftwerk, bei dem eine oder mehrere Gasturbinen und Dampfturbinen hintereinander geschaltet sind, zur Stromherstellung verfeuert. Man spricht hier von einem IGCC-Kraftwerk (IGCC = Integrated Gasification Combined Cycle). Alternativ kann das Syngas zu einer Reihe verschiedener Petrochemikalien weiter aufbereitet werden: durch Kohleverflüssigung (CTL = Coal-to-Liquid) oder in einer katalytischen Reaktion unter Anwendung der Fischer-Tropsch-Synthese durch Gasverflüssigung (GTL = Gas-to-Liquid) zur Produktion von flüssigen Kraftstoffen wie Diesel mit niedrigem Schwefelgehalt, Flugzeugtreibstoff und Naphtha.
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