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Supply Chain Management Was wollen Kunden der chemischen Industrie?

| Autor / Redakteur: Dipl.-Ing. Sabine Mühlenkamp* / Sabine Mühlenkamp

Supply Chain Management – Noch immer wird das Thema in der Chemieindustrie unterschätzt. Dabei lassen sich bis zu 15 % der Kosten und 30 % der Lagerbestände senken – und schneller geht's auch noch.

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(Bild: © stockphoto mania/Fotolia.com)

Die vergangenen zwanzig Jahre waren für die chemische Industrie gute Jahre. Dabei hat die Branche unter anderem vom immensen Wachstum in China profitiert, gleichzeitig ihr Portfolio gestrafft und sich an wechselnde Bedingungen auf den Weltmärkten angepasst. In jüngster Zeit stockt diese Entwicklung. Zwar ist das wenig dynamische Geschäftsjahr 2016 für die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland mit einem versöhnlichen vierten Quartal zu Ende gegangen, dennoch geht der VCI für 2017 lediglich von einem Anstieg der Chemieproduktion um 0,5 % aus.

Was tun? An der zögerlichen Nachfrage im Inlandsgeschäft und den wirtschaftlich schwer vorhersagbaren Zeiten wird sich im Augenblick nicht viel ändern lassen, wohl aber, wie man die vorhandene Nachfrage seitens der Kunden besser bedienen kann. Dies senkt nicht nur die Kosten, sondern generiert unter Umständen auch zusätzlichen Umsatz. Der entscheidende Hebel ist ein innovatives Supply Chain Management.

„Dabei umfasst Supply Chain Management mehr als nur die Optimierung der Logistik“, klärt Jürgen Rachor, Senior Expert bei McKinsey, auf. „Neben der Logistik, dem Aufwand für das Betreiben von Lagern und Organisieren des Transports, sowie den Kapitalkosten für den Bestand fließt beispielsweise auch die Optimierung des Service Levels mit ein.“ Im Durchschnitt liegt der Anteil der Supply Chain-Kosten in der chemischen Industrie zwischen 8 und 12 % des Umsatzes.

Klassische Sichtweise ergänzen

Eine Supply Chain aus Sicht der chemischen Industrie wird in der Regel richtig geführt, wenn der Service Level hoch ist, also eine hohe Kundenzufriedenheit herrscht, Rohstoffe zur richtigen Zeit verfügbar sind und gleichzeitig die Bestände auf einem niedrigen Niveau gehalten werden. „Dies ist die klassische Sichtweise, die auch weiterhin Bestand hat. Allerdings bietet Supply Chain Management eine ganze Reihe weiterer Optionen. Aus unserer Sicht kann ein optimiertes Supply Chain Management z.B. in die Preisfindung hineingreifen, gezielt Kundenwünsche aufdecken oder eine engere Kundenbindung erreichen“, erklärt Rachor. „Insbesondere die Kundenzufriedenheit wird häufig stark vernachlässigt – in anderen Branchen steht der Kunde viel stärker im Fokus.“

Im Branchenvergleich eher mittelmäßig

Im Vergleich der Supply-Chain-Kosten liegt die Chemieindustrie nur im Mittelfeld (Automobilindustrie: etwa 3 bis 5 % des Umsatzes, Stahl 10 bis 20 %). Allerdings sagt diese Zahl erst einmal wenig über die tatsächliche Leistungsfähigkeit aus, da die Branchen strukturell unterschiedlich sind. Der zweite Blick offenbart: Chemie-Unternehmen wenden für ihre Supply Chain oft 15 % mehr an Kosten auf als andere Branchen und benötigen zudem 15 bis 20 % mehr Lagerbestände, um einen vergleichbaren Service Level zu erhalten. Dies ist zum Teil durch das Handling von gefährlichen Chemikalien verursacht, das mit höheren Kosten verbunden ist, oder wird durch das zersplitterte Produktportfolio begründet. Zudem ist angesichts der komplexen Verbundanlagen ein größerer Bestand bei Zwischenprodukten nötig. Diese Gründe sind aber nicht allein ausschlaggebend.

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