Modularer Anlagenbau

Was bremst die modulare Anlage?

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Nicht wegzudiskutieren ist nämlich folgende Tatsache: „Weder die heutigen Leitsysteme noch die Planungswerkzeuge sind gedanklich auf Modularisierung vorbereitet“, sagt Namur-Vorstand Dr. Thomas Tauchnitz von Sanofi Aventis. „Heutige Leitsysteme sind für den Großanlagenbau ausgelegt,“ präzisiert Helmut Figalist von Siemens. Er gehe nicht davon aus, dass ein Leitsystemhersteller ein System für die modulare Anlage entwickele. Daher plädiert er für einen ebenfalls in der NE 148 erwähnten Ansatz, der die Möglichkeiten des integrierten Engineering nutzt und damit auf der Linie liegt, die Siemens auf der letzten Namur-Tagung vertreten hat. „Wir brauchen eine Lösung, die auf dem integrierten Engineering aufsetzt und additiv das Thema modulare Automation ergänzt.“

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Das Kernproblem – und hier waren sich beide Runden einig – die fehlende Standardschnittstelle vom Modul zum PLT, löst auch dieses Konzept nicht. „Durchgängiges Engineering stößt beim modularen Anlagenbau auch deshalb an seine Grenzen, weil Module unter Umständen Jahre früher geplant und gebaut werden“, sagt Ulrich Hempen von Wago. Nötig sei auch eine Datenbegrenzung, ergänzt Axel Haller von ABB: „Momentan schaufeln Automatisierungssysteme extrem viele Daten, die nicht relevant für die Prozessführung sind. Was wir brauchen ist eine Definition der Informationen, die wirklich wichtig sind.“

Noch mehr offene Fragen

Bleibt also die Frage: Wie schafft man Standardisierung in einer heterogenen Softwarelandschaft, die durch modulare Anlagen eher noch vielfältiger wird. Denn neben dem Betreiber und dem Automatisierungsunternehmen wird es künftig auch noch einen Modulhersteller geben. „Es ist eine Utopie, zu glauben, alle Module könnten mit dem gleichen System geplant werden“, sagt Martin Dubovy von Rösberg Engineering. Schnittstellen, über die Engineeringdaten zwischen den Modulen ausgetauscht werden können, ergäben sich zwangsläufig. „Als PLT-Planer, der direkt mit den angrenzenden Gewerken kommunizieren muss, sind wir zwar schon sehr lange in der Situation, Schnittstellen managen und integrieren zu müssen. Aber die modulare Anlage wird die Situation nicht vereinfachen.“

Und hier kommt wieder die bereits mehrfach erwähnte Schnittstelle in´s Spiel. Deren semantische Dimension spart die NE 148 aus, ohne die aber – so betont Hempen mehrfach – werden die Automatisierer nicht weiterkommen. Damit liegt der Ball wieder im Spielfeld der Verfahrenstechniker und damit der Namur, die vom Podium der HMI aufgerufen wurde, die Informationen zu liefern.

„Es liegt noch mehr vor, wie hinter uns.“ Der Diskussionseinstieg von Tauchnitz eignet sich auch als Schlusskommentar und verdeutlicht: Auch erfolgreiche Pilotprojekte sind noch keine Garantie für den Erfolg eines Konzeptes.

* Die Autorin ist leitende Redakteurin bei PROCESS. E-Mail: anke.geipel-kern@vogel.de

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