Modularer Anlagenbau

Was bremst die modulare Anlage?

Seite: 2/3

Anbieter zum Thema

Bis jedoch modulare Konzepte in die Breite der Spezialitätenchemie hinein diffundiert sind, müssen sowohl Verfahrensspezialisten als auch Automatisierer noch einige dicke Bretter bohren. „Wir sind verfahrenstechnisch noch lange nicht am Ende. Aber es wird in nächster Zeit darauf ankommen auch angrenzende Fachgebiete wie die Automatisierung und die Logistik mit einzubinden,“ betont Dr. Frank Stenger von Evonik.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 8 Bildern

Mehr Fragen als Antworten

Die Diskussion kreiste dann lange um Nebenschauplätze, und arbeitete sich langsam zum eigentlichen Kern vor. Brauchen wir integriertes Engineering mit modularer Automatisierung als Ad-on? Sind Prozessleitsysteme per se „Modul feindlich“? Braucht man für den Modulbetrieb die gleiche Informationsdichte, wie für den Betrieb einer Großanlage? Vor welche Herausforderungen stellt die modulare Anlage einen PLT-Planer? Und Kernpunkt, wer muss wann, welche Informationen an die Automatisierer liefern?

Worum es bei den aufgeworfenen Fragen geht, ist je nach Überflughöhe ganz simpel oder sehr komplex. Stark vereinfacht formuliert, hegen die Betreiber den Wunsch, Anlagenmodule per Plug & Play in ein übergeordnetes Leitsystem zu integrieren, ohne sich einen „Wolf zu programmieren“, wie Dr. Thomas Bieringer, Geschäftsführer der Forschungsgesellschaft Invite plastisch und zugleich drastisch formuliert. Gewünscht ist ein Steckprinzip und BASF-Experte Dr. Andreas Brodhagen erklärt, warum das Motto „keep it simple“ lauten muss: „Viele modulare Anlagen werden an eher kleineren Standorten stehen. Hier steht nicht so hoch spezialisiertes Personal zur Verfügung, die Betriebsmannschaften bestehen meist aus Generalisten, die nicht unbedingt über ausgefeilte Programmierkenntnisse verfügen. Im Idealfall kommuniziert deshalb ein Modul bei Austausch selbständig mit dem PLT und konfiguriert sich selbst, ohne manuelle Eingriffe.“

Integration – aber wie?

Die Namur-Empfehlung NE 148 fordert deshalb nicht ohne Grund die Integrationsfähigkeit „unterschiedlichster Modul-Automatisierungs- und Komponentensysteme“, die in der Entwicklung einer Standardschnittstelle gipfelt und Herstellerunabhängigkeit zur Folge hat. Das treibt den Automatisierungsspezialisten Schweißperlen auf die Stirn. Wer nämlich glaubt, dass die NE 148 alle offenen Fragen beantwortet hat, wurde in Hannover eines besseren belehrt. Visionär sei das Papier und dazu geeignet, Geschäftsmodelle großer Leittechnikhersteller infrage zu stellen, urteilt Stephan Sagebiel von Phoenix Contact: „Wenn das alles so kommt, wie es in der NE 148 steht, werden sich Leittechnikhersteller auf Änderungen einstellen müssen.“

(ID:42704598)