Engineering

So wachsen beim Engineering ein Planungstool für MSR-Technik und ein Prozessleitsystem zusammen

Seite: 3/3

Anbieter zum Thema

Programmieren im Planungstool

Auch die Erstellung der Funktionsbeschreibung für die Anlage, in der Regel im Prozessleitsystem angesiedelt, erfolgt bereits im Engineering-Tool. „Alle benötigten Informationen werden hier angelegt: u.a. Ordner-Hierarchie, Bilder-Hierarchie, also alle Infomationen, die normalerweise im PCS7 gepflegt werden“, präzisiert Wieczorek. Das reduziert später aufwändige Programmierarbeiten im Prozessleitsystem, Fehler und spart einige Wochen Zeit. Der Vorteil liegt auf der Hand: Der Programmierer arbeitet direkt in EB und damit auf der gleichen Datenbasis wie der Verfahrensingenieur. „Am Ende des Projektes, bevor der FAT durchgeführt wird, wird die gesamte Planung in das PLT übertragen.

Hier werden dann alle Hierarchien, Gruppen und Bilder mit den Daten verknüpft. Am Ende erstellt der Programmierer lediglich die gruppenübergreifenden Funktionaliäten im Prozess.“ Das Prozedere, das Wiezcorek beschreibt, klingt einfach und ist es im Prinzip auch. Denn Aucotec hat für die Portierung einen Import-Export-Assistenten entwickelt, der aus den in Engineering Base angelegten Standardbausteinen die passenden auswählt.

Standardisierung wird in der gesamten Zementindustrie großgeschrieben und wird von Holcim gemeinsam mit Siemens im Kompetenzcentrum Zement betrieben. „Mit ein Grund, warum die Lösung bei Holcim so schnell und gut funktioniert hat, ist der Quasistandard für die Zementindustrie CEMAT“, erklärt Sales Director Process Automation Olaf Streit, der für Aucotec das Projekt begleitet.

Projekte in der Dimension von Lägerdorf haben stets mehrere Ebenen. Neben der zweifellos wichtigen fachlichen gibt es auch noch eine menschliche. Schließlich ändert sich die Arbeitsweise durch die Integration ganz erheblich. „Es ist wichtig bei einem Integrationsprojekt, die Mitarbeiter und Kollegen mitzunehmen“, betont Wieczorek. Es habe natürlich vorher Bedenken gegeben, räumt Becker ein. Aber bereits bei den vorbereitenden Schulungen habe sich gezeigt, dass die Einfachheit des Systems und die Vorteile durch die Datenkonsistenz schnell überzeugen konnten. Vor allem die Windowsoberfläche, die jeder aus der täglichen Arbeit kennt, macht den Umgang mit dem System intuitiv und erleichtert den Zugang.

Fortsetzung folgt...

Im Januar dieses Jahres hat das Team das Pilotprojekt Zementofen 1 abgeschlossen und seit aus der Vorstandsetage das „Go“ für das Folgeprojekt kam, sind die Arbeiten am Projekt Ofen 11 in vollem Gang. Eine Entscheidung, die zeigt, wie groß das Vertrauen in das Tool und die Integrationslösung ist. „Der Ofen ist für uns das Herzstück der Produktion. Wenn der nicht läuft, haben wir ein Riesenproblem“, betont Becker.

Für die anstehende Arbeit, gegen die sich das Pilotprojekt ausnimmt wie eine Diplomarbeit gegen das Schreiben eines 400-seitigen Lehrbuchs, veranschlagt Wieczorek ein Jahr. In dieser Zeit erfasst das vierköpfige Projektteam 4000 Objekte, das sind sämtliche funktionalen Teile des Ofens (u.a. Antriebe, Ventile und Messstellen) und setzt diese in Fließbilder und Funktionsbeschreibungen um. Für Becker liegt der entscheidende Vorteil der Lösung im Zeitgewinn bei der Inbetriebnahme der Anlage, da er den Erfolg von Projekten an deren Länge messe. „In diesem Stadium treten alle Fehler zutage.“ 35 Prozent Geschwindigkeitssteigerung seien mit der Integrationslösung drin, schätzt er, und verweist auch auf die schnellere Handlungsfähigkeit bei Störungen. „Früher haben wir auf gut Glück vor Ort Verdrahtungen getauscht, das brauchen wir jetzt nicht mehr“.

Aber das Ende des Projektes ist noch lange nicht erreicht. Ziel sei, sagt Becker, in vier Jahren das gesamte Werk auf PCS 7 V7.1 umzustellen und sämtliche Dokumentationen sowie Informationen in Engineering Base vorzuhalten. „Dann werden wir für das gesamte Werk eine durchgängige Datenbasis haben“. Und falls Becker es schafft, den Automatisierungsfunken auf die restliche Holcim-Welt überspringen zu lassen, ziehen möglicherweise bald weitere Werke nach.

* Die Autorin ist Redakteurin bei PROCESS.

(ID:23168190)