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So wachsen beim Engineering ein Planungstool für MSR-Technik und ein Prozessleitsystem zusammen

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Nur wer schnell ist, gewinnt

In der Engineering-Abteilung in Lägerdorf, rund 30 Kilometer nördlich des Elbtunnels, laufen die Fäden für die Anlagenplanung, den Bau, die Optimierung, Instandhaltung bis hin zum Rückbau zusammen. Eine zentrale Aufgabe, denn das Zementgeschäft ist extrem preisgetrieben und die Muttergesellschaft Holcim Ltd, die im schweizerischen Rapperswil-Jona residiert, will eine führende Marktposition verteidigen. Auch das Werk Lägerdorf, das täglich 4300 Tonnen Zement auswirft, muss dem Diktat des Marktes gehorchen. „Wir können technisch optimieren, aber am Ende bestimmt der Markt den Preis und entscheidet darüber, ob ein Unternehmen bestehen kann oder nicht“, präzisiert Becker.

Im Klartext heißt das, Produktionsanlagen müssen auf einem technisch hohen Stand sein, denn Stillstandszeiten kosten richtig viel Geld. „Und deshalb brauchen wir technisch gute Werkzeuge“, erklärt der Engineering-Chef. Was das Werkzeug garantieren muss, ist schnell skizziert: ungehinderten Datenfluss von der Projektidee bis zum fertigen Anlagenbau und damit die Gewissheit, dass jeder Mitarbeiter, gleich ob Hardwareplaner, Verfahrensingenieur, Prozessleittechniker oder Anlagenfahrer, auf die gleiche Datenbasis zugreift.

Das Ende der Excelliste

Mit dem datenbankbasierten Projektierungs-Tool Engineeering Base sammelt die Abteilung seit letztem Jahr Erfahrungen, mit dem Vorgänger Aucoplan (ebenfalls von Aucotec) schon sehr viel länger. Die Software bildet bei Holcim den gesamten Workflow bei der Planung einer elektrotechnischen Installation ab: im ersten Schritt das Rohrleitungs- und Instrumentierungsschema (R&I-Fließbild) als Grundlage, die Massendaten und die MSR-Stellen, im zweiten Schritt das Softwareengineering mit der Schnittstelle in das Prozessleitsystem. „Wir erstellen in Engineering Base die gesamten Hardwarepläne für die Anlagenelektronik, definieren die Örtlichkeiten, die Aufbauten der Schaltschränke und deren Verdrahtungen“, präzisiert Wieczorek. Eine wesentliche Arbeitserleichterung sind dabei vordefinierte Arbeitsblätter für z.B. Stücklisten, Bestelllisten, Verdrahtungslisten u.a., die Änderungen noch in der gleichen Minute an die Datenbank weitergeben und das Sammelsurium an Excellisten beendet haben. Projekttexte sind in Wörterbüchern niedergelegt, die dafür sorgen, dass Begriffe immer gleich verwendet werden. Bei Holcim sind die Wörterbücher viersprachig, sodass künftig auch internationale Teams mit Engineering Base arbeiten können.

Für die Darstellung der Komponenten des Fließbildes gibt es bei Holcim eine konzernweit einheitliche, nach Orts- und Funktionsstrukturen normierte Codierung, den Holcim-Anlagencode. Ob Motor, Sensor oder Kabelstrang, der HACode verschafft jedem Mitarbeiter der 70 Konzerngesellschaften die Möglichkeit, verfahrenstechnische Fließbilder zu verstehen und zu interpretieren, egal ob er in der Schweiz, in Spanien oder in China sitzt. Außerdem ist die Normierung gleichzeitig eine ideale Basis für ein hoch standardisiertes Werkzeug wie Engineering Base. Sind nämlich die HACodes einmal in der Datenbank hinterlegt, ist die Änderung oder die Erstellung neuer Fließbilder per Drag & Drop möglich.

Um den Supportaufwand gering zu halten, hat das Team – soweit möglich – auf die im Tool implementierten Standards zurückgegriffen. Aber das war nicht immer machbar. „Die Shapes sind für uns programmiert worden“, berichtet Wieczorek. Das gleiche gilt für die Ordnerhierarchie, die Aucotec so angepasst hat, dass „wir in der Lage sind, entsprechend unserer Struktur des HACodes, die Dokumente auch wiederzufinden.“

Standardisierung ist auch der Schlüssel, den Aufwand für die Erstellung der Typicals klein zu halten. Denn um später in PCS 7 die Software für die Anlagenvisualisierung bzw.-steuerung zu erstellen, müssen alle Typicals aus Engineering Base in das Leitsystem por-tiert werden. Auch das Anlegen der Typicals ist nicht in zehn Minuten gemacht. Fehler müssen ausgeschlossen werden, da diese beim Kopieren der Typicals mit vervielfältigt werden. Doch der Aufwand lohnt sich, meint Wieczorek. „Wenn ein Typical 15 mal in einem Projekt verwendet wird, summiert sich die gesparte Zeit leicht auf ein paar Stunden.“

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