Pharmamarkt Pharmaindustrie nimmt den indischen Markt ins Visier

Redakteur: Sonja Beyer

Indien zieht den Blick der internationalen Pharmaindustrie mehr und mehr auf sich. Und bis 2020 wird das Land auch den Sprung in die Top Ten der globalen Pharmamärkte geschafft haben, schätzen Branchenkenner von Pricewaterhouse Coopers. Worin dieses Wachstumspotenzial begründet liegt, lesen Sie hier.

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Indien besitzt mehr FDA-zugelassene Produktionsanlagen als alle anderen Länder (außer den USA). (Bild: Pricewaterhouse Coopers)
Indien besitzt mehr FDA-zugelassene Produktionsanlagen als alle anderen Länder (außer den USA). (Bild: Pricewaterhouse Coopers)

Frankfurt a.M. – Wie der Studie „Global Pharma Looks to India: Prospects for Growth“ von Pricewaterhouse Coopers (PwC) zu entnehmen ist, wird Indien im kommenden Jahrzehnt für die globale Pharmaindustrie stark an Bedeutung gewinnen. So prognostizieren die PwC-Branchenkenner, dass der indische Arzneimittelmarkt im Jahr 2020 ein Umsatzvolumen von rund 50 Milliarden US-Dollar erreichen (2009: 19 Milliarden US-Dollar) und damit zu den Top Ten-Pharmamärkten der Welt zählen wird.

Gleichzeitig wachse auf dem Weltmarkt die Konkurrenz durch indische Hersteller. Schätzungsweise 20 Prozent aller weltweit hergestellten Generika stammen heute bereits aus indischer Produktion, und die Aussichten für weiteres Wachstum in diesem Marktsegment sind gut: Allein in den kommenden drei Jahren läuft in den USA der Patentschutz für Medikamente mit einem Umsatzvolumen von 70 Milliarden US-Dollar ab, und es wird geschätzt, dass das Volumen der indischen Pharmaexporte von rund acht Milliarden US-Dollar im Jahr 2008 auf 20 Milliarden US-Dollar bis 2020 steigen dürfte.

Unter den zehn umsatzstärksten Pharmaunternehmen auf dem indischen Markt sind lediglich zwei ausländische Hersteller. Zusammengenommen haben die Top Ten-Anbieter nur einen Marktanteil von weniger als sieben Prozent. Entsprechend groß ist das Wachstumspotenzial durch Kooperationen oder Zukäufe: „Die Global Player in der Pharmabranche sind zwar schon seit einigen Jahren in Indien präsent, haben aber bislang nur geringe Marktanteile. Um vom erwarteten Marktwachstum profitieren zu können, müssen sie verstärkt mit einheimischen Partnern kooperieren“, kommentiert Volker Booten, verantwortlicher Partner für Chemicals & Pharma bei PwC in Deutschland. Dies gelte auch für Forschung und Entwicklung (F&E). Dafür gaben die zehn größten indischen Hersteller nach PwC-Schätzungen im Jahr 2008 rund 480 Millionen US-Dollar aus. Allerdings fehlt indischen Pharmaunternehmen noch die Finanzkraft, um ein Medikament allein durch die gesamte F&E-Pipeline zu bringen. Deshalb dürften F&E-Kooperationen mit ausländischen Pharmaunternehmen die Regel bleiben.

Impulse für den Pharmaboom kommen großteils aus den Städten

Zurückzuführen ist der indische Pharmaboom in erster Linie auf das rasante Wirtschaftswachstum. Die wachsende Mittelschicht in den Städten kauft verstärkt westliche Arzneimittel. Zudem verbreiten sich mit zunehmendem Wohlstand und einer alternden Bevölkerung auch Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-erkrankungen, die eine medikamentöse Therapie erforderlich machen.

Im Gegensatz dazu ist der Pharmamarkt in den ländlichen Regionen, wo etwa 70 Prozent der indischen Bevölkerung leben, noch kaum erschlossen. Eine bessere medizinische Versorgung abseits der urbanen Zentren würde daher der Pharmaindustrie weitere Umsatzpotenziale eröffnen. Der Zugang zu den ländlichen Pharmamärkten dürfte jedoch aufgrund mangelhafter Verkehrsverbindungen und unzureichender Kommunikationsnetze zunächst schwierig bleiben. Zudem sind Produktfälschungen auf dem Land viel stärker verbreitet als in den entwickelten Regionen. Abseits der Städte seien ausländische Hersteller deshalb auf Kooperationen mit lokalen Partnern angewiesen.

Positive Impulse kommen mittlerweile vom Staat: So sollen neue Hospitäler auf dem Land entstehen und die Qualifikation des medizinischen Personals verbessert werden. Bereits beschlossen ist eine Steigerung der öffentlichen Gesundheitsausgaben von bislang gerade einmal einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf zwei bis drei Prozent im Jahr 2010.

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