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Wasseraufbereitung

Ohne Dosiertechnik geht es nicht: Wasseraufbereitung für GuD-Kraftwerke in Ägypten

| Autor / Redakteur: Roman Wusch / Manja Wühr

Innenansicht einer Ammoniak-Dosierstation mit zehn Kolbenmembran-Pumpen. Ganz hinten befindet sich eine Aufstellfläche für den IBC. Von dort wird die Ammoniaklösung per Deionatstrom in den Ansetzbehälter (Mitte) gesaugt und dabei verdünnt. IBC-Gestell, Ansetzbehälter und Dosierpumpen befinden sich in einer gemeinsamen Auffangwanne mit Leckagesensor.
Innenansicht einer Ammoniak-Dosierstation mit zehn Kolbenmembran-Pumpen. Ganz hinten befindet sich eine Aufstellfläche für den IBC. Von dort wird die Ammoniaklösung per Deionatstrom in den Ansetzbehälter (Mitte) gesaugt und dabei verdünnt. IBC-Gestell, Ansetzbehälter und Dosierpumpen befinden sich in einer gemeinsamen Auffangwanne mit Leckagesensor. (Bild: MPT)

Ein Projekt der Superlative: In nur 27,5 Monaten hat Siemens in Ägypten drei Gas- und Dampfkraftwerke aus dem Boden gestampft. Für die Dosiertechnik zur Wasseraufbereitung blieben nur neuen Monate. Gut, wenn man einen erfahrenen Partner für die fristgerechte Planung, Fertigung und Auslieferung an seiner Seite hat.

In Ägypten hat Siemens in Rekordzeit drei Gas- und Dampfkraftwerke errichtet, die weltweit die größten ihrer Art sind. Für das Unternehmen der bedeutendste Auftrag seiner Geschichte und für das Land ein Meilenstein in der Entwicklung. Jedes Kraftwerk liefert 4,8 Gigawatt elektrische Energie. Die Gesamtkapazität von 14,4 Gigawatt erhöht die Stromerzeugung des Landes um fast die Hälfte. Für Elektrizitätswerke in diesen pharaonischen Ausmaßen muss natürlich auch die Wasseraufbereitung mithalten. Hinzukommt, dass zwei der Kraftwerke in der Wüste erbaut wurden und eins direkt am Meer.

Kesselwasseraufbereitung

Für die Kesselwasseraufbereitung wurden an jeder Baustelle Dosierstationen für Inhibitor, Ammoniaklösung und Sauerstoff errichtet. Bei den Standorten handelt es sich um Beni Suef, die neue Hauptstadt (New Capital) und den Burullus-See. Auch der Hersteller, Planer und Entwickler der Dosieranlagen, MPT Meß- und Prozeßtechnik in Rodgau, musste bei einem Projekt dieser Größenordnung einige Herausforderungen meistern. Die größte war das Zeitmanagement für die baugleichen Kleinserien an Dosierstationen. Denn in einem Zeitraum von nur neun Monaten musste das bestellte Equipment an die drei Standorte geliefert werden. Die Dosieranlagen bestehen insgesamt aus:

  • acht Ammoniak-Dosierstationen, jeweils in einem vollklimatisierten 20-Fuß-Container mit zehn Dosierpumpen,
  • vier Ammoniak-Dosierstationen, jeweils in zwei ebenso klimatisierten 40-Fuß-Doppelcontainern mit zwei Dosierpumpen,
  • zwölf Sauerstoff-Dosierstationen mit jeweils zwei Gasflaschenanschlüssen,
  • sechs mobile Inhibitor-Dosierstationen mit jeweils einer Dosierpumpe, die aus einem Kanister fördert.

Beispielsweise wurden Rohrleitungssektionen und Gestelle nach Erstellung der ersten Musteranlage vorgefertigt. Andere Komponenten wie Pumpen und Schaltschränke wurden „just in time“ geliefert und verbaut. Dieses bedarfsorientierte Geschäft war über den gesamten Zeitstrahl verteilt und mit Abstand der aufwendigste Teil des Projekts.

Der bereits verwendete Begriff „baugleich“ ist bei solchen Projekten häufig nicht wörtlich zu nehmen. Denn im Detail kommt es von Standort zu Standort immer wieder zu Unterschieden, die hauptsächlich mit den Gegebenheiten vor Ort zusammenhängen. Bei New Capital sind die Dosierstationen für Ammoniaklösung tatsächlich etwas anders aufgebaut als bei Beni Suef und Burullus, und zwar in den bereits erwähnten Doppelcontainern. In allen anderen Fällen sind die Unterschiede bei den Stationen für die Kesselwasseraufbereitung von Bedienerseite her fast unerheblich.

Kühlwasseraufbereitung

Für die Kühlwasseraufbereitung sind hingegen die projektspezifischen Besonderheiten, wie allgemein üblich, auch zwischen den ägyptischen Standorten recht groß. In Beni Suef kommt eine Anlage zum Einsatz, in der für vier Kühlwasserbecken jeweils ein Zweikomponentenbiozid dosiert wird: Die beiden Chemikalien reagieren miteinander zu Chlordioxid. Kühlwasser, das durch den Reaktor fließt, leitet das soeben generierte Biozid in das Becken. Insgesamt sind acht Membrandosierpumpen installiert: für jede der beiden Ausgangschemikalien eine Haupt- und eine Ersatzpumpe – und das für vier Kühlwasserbecken. Die Dosierstation ist wegen der dortigen klimatischen Bedingungen in einem klimatisierten ISO-Container verbaut, von dem MPT insgesamt tatsächlich zwei baugleiche geliefert hat.

Am Burullus-See, der direkt ans Mittelmeer angrenzt, wurde hingegen eine Natriumhypochlorit-Dosieranlage aufgebaut. Vorwiegend zum Sonnenschutz wurde die Anlage überdacht. Ähnlich wie in Beni Suef wurde auch hier die Dosierpumpe von einem Sicherheitsgehäuse umgeben.

Im Vordergrund stand, solide Technik kostengünstig zu liefern. Und am Standort Burullus wurden die Dosiercontainer für Ammoniaklösung außen wegen der Meeresnähe gemäß Beschichtungssystem C5 lackiert. Auch hier hat sich gezeigt, dass beim Thema „baugleich“ erforderliche Kundenwünsche immer noch machbar sind.

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Projektkoordination

Ein Dosierprojekt dieser Größenordnung musste natürlich entsprechend koordiniert werden. Schließlich wurden allein für die Kesselwasserkonditionierung in allen drei Kraftwerken 94 Dosierpumpen verbaut, darunter 88 neuartige MRA-Fabrikate von Milton Roy Europe. Für die Kühlwasserkonditionierung kamen dann noch 17 Dosierpumpen hinzu.

Dabei hat sich eine systematische Vorplanung mit sinnvollen Details für alle Gewerke als besonders hilfreich erwiesen. So hat MPT nicht nur die Rohrleitungen berücksichtigt, sondern auch Kabelwege. Von Anfang an wurde auch die Bedienungs- und Wartungsfreundlichkeit mit einbezogen, die auf der langjährigen Projekterfahrung von MPT basiert. Ebenfalls über viele Jahre war ein ordentlich funktionierendes Netzwerk aus Lieferanten aufgebaut worden, auf die man sich verlassen kann, auch wenn es mal „hakt“. Denn in einem spezifischen Abwicklungsprojekt kann es immer wieder mal zu unerwarteten Wendungen kommen, so dass beispielsweise eine bestimmte Komponente durch eine andere Bauart ersetzt werden muss. Und der besonders enge und reibungslose Kontakt mit der Fertigung war auch in diesem Projekt sehr hilfreich. Das zahlt sich immer dann aus, wenn etwa Rohrleitungsverläufe angepasst oder Gestelle und Schränke versetzt werden müssen. All diese Faktoren trugen dazu bei, dass auch dieses Dosierprojekt ohne besondere Schwierigkeiten über die Bühne ging: Alles lag im Zeitplan, und so herrschte bei MPT vor allem gelassene Routine.

Fazit

Projekterfahrung und eine konzertierte Vorgehensweise von Abwicklern, Fertigung und Lieferanten machen auch ein großes Dosierprojekt handhabbar. Bei einer straffen Zeitvorgabe für ein spezifisches Unterfangen ist der Bau einer Musteranlage von Vorteil, die als „Schablone“ dient. Just-in-time-Lieferung ist für den Abwickler zwar aufwendig, zahlt sich aber für den Kunden in puncto Zeit und Lagerkosten aus. Für extreme klimatische Bedingungen sollte vor allem solide Technik im Vordergrund stehen.

* Der Autor ist Projektmanager bei MPT Meß- und Prozeßtechnik, Rodgau.

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